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Steinkohlenbergbau

Die Gläser im Schrank könnten klirren

22.07.2009 | 17:14 Uhr
Die Gläser im Schrank könnten klirren

Kirchhellen. Bald bebt wieder die Erde. Bergleute unter der Kirchheller Heide lösen die Erderschütterungen aus.

In den nächsten Wochen wird es zu Erschütterungen kommen, kündigte das Bergwerk Prosper-Haniel an. Längst nicht jeder wird die kleinen Beben aber überhaupt spüren, die die Bergleute unter Tage auslösen.

Dennoch kündigen die Markscheider des Bergwerks sie prinzipiell an. „Wir möchten, dass die Leute sich nicht unnötig sorgen und dass sie für Erschütterungen, die sie eventuell erleben, schon vorher eine Erklärung haben”, erläuterte Joachim Bock, der Leiter der Markscheiderei auf dem Bergwerk Prosper-Haniel. Niemand müsse sich ängstigen, sagte er.

Ähnlich wie Schallwellen

Ausgehen werden die Erschütterungen von Flöz P2 im Kohleabbaufeld Haniel-Ost, das unter der Kirchheller Heide liegt. „Das Gebiet liegt nördlich der Grafenmühle am Alten Postweg und endet ganz grob gesehen am Heidhofsee”, sagte Bock. In diesem Abbaufeld waren in den vergangenen Jahren immer wieder einmal Erderschütterungen ausgelöst worden, weil in seiner Nähe Kohle abgebaut wurde. Diese Beben waren sehr weiträumig zu messen und auch zu spüren gewesen, erinnert sich der Markscheider. „Die Erschütterungen breiten sich ähnlich wie Schallwellen aus”, sagte Bock.

Chef-Markscheider Joachim Bock. Foto:Franz Naskrent

Wie es zu den Erschütterungen kommen kann? „Man nimmt in einem Flöz Kohle heraus mit der Walze oder dem Hobel. Später bricht dann das Hangende nach”, erklärte der Markscheider, „das kann zum Beispiel bei einem Zwei-Meter-Flöz das drei- bis fünffache der Flözmächtigkeit sein.” Und darüber biegen sich dann die Erdschichten durch. Über tausend Meter unter der Erdoberfläche spiele sich dieser Vorgang ab. „Im Umkreis von tausend Metern um diese Abbaustelle fangen Senkungen an”, sagte Bock.

Noch sei nicht klar, wie weiträumig diesmal die Erschütterungen um Flöz P2 zu spüren seien. „Die Wahrnehmung hängt einerseits davon ab, wie die Gebirge aufgebaut sind”, sagte der Markscheider, anderseits aber auch davon, was die jeweiligen Anwohner gerade tun. „Jemand, der schläft, könnte sich womöglich von den Erschütterungen gestört fühlen”, meinte Bock.

Für Gebäude absolut schadlos

Dass es durch die Erschütterungen zu Schäden an Gebäuden kommen könnte, schließt der Chef-Markscheider aus. Schwingungsgeschwindigkeiten bis zu fünf Millimeter pro Sekunde seien für Bauten absolut schadlos. „Das fühlt und hört sich so ähnlich an, als ob ein schwerer Lkw am Haus vorbei fährt”, sagte Bock, „da klirren auch die Gläser im Schrank”. Um die Stärke solcher Erschütterungen in den Abbauzentren des Bergwerks Prosper-Haniel festzustellen, betreibt die DMT GmbH 17 Messstationen. Die Erschütterungen, mit denen demnächst zu rechnen sei, dürften ganz nah an der Abbaustelle etwa Schwingungsgeschwindigkeiten von zwei Millimetern je Sekunde erreichen, die um so geringer werden je weiträumiger sie ausstrahlen. Doch der Markscheider betont: Haus- und Wohnungsbesitzer können sich dennoch im Bergschäden-Servicecenter melden, wenn sie den Verdacht haben, dass ihre Bauten wegen der Erderschütterungen beschädigt worden sein könnten.

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Neuer Mann vor Ort

Norbert Jänecke

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