Die fünf Böllerjungs lassen es krachen

Die Kirchhellener „Böllerjungs“ Ulli, Dieter, Michael, Jochen und Lupo (v.li.) kontrollieren das Schwarzpulver.
Die Kirchhellener „Böllerjungs“ Ulli, Dieter, Michael, Jochen und Lupo (v.li.) kontrollieren das Schwarzpulver.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services

Zwischen Uli, Dieter, Michael, Jochen und Lupo knallt es manchmal ganz gewaltig. Das liegt allerdings nicht an schlechter Chemie untereinander, sondern daran, dass die fünf „Böllerjungs“ im Auftrag des königlichen Weckdienstes der Brezelgesellschaft alle drei Jahre mit Schwarzpulver hantieren.

Die Geburtsstunde der „Böllerjungs“ geht auf das Jahr 1990 zurück. Damals kauften sich die Fünf einen alten VW-Bus, dem kurzerhand das Dach abgesägt und eine große Platte aufgeschraubt wurde, um darauf die „Dörper Meester­stunde“ – eine nachgebaute Kneipenszene – für den Brezelumzug zu präsentieren. „In Kirchhellen war es Tradition, dass sich früher alle Meister um 11 Uhr in der Kneipe trafen, um Schnaps zu trinken. An dieses Brauchtum wollten wir mit unserem Brezelwagen erinnern“, erzählt Uli Voelkel.

Doch schnell stellten die Fünf, die es sich seitdem in der Brezelgesellschaft zur Aufgabe gemacht haben, den königlichen Weckdienst zu übernehmen, fest, dass der alte VW-Bus für den Weckdienst zu unhandlich war. Seitdem sausen sie nun zusammengepfercht im selbstgebauten Cabrio – einem Mercedes SE 380 von 1984, dem ebenfalls kurzerhand das Dach abgesägt wurde – zum Weckdienst. Bei dem wird um Punkt 6 Uhr morgens das amtierende Schützen- und Brezelkönigspaar mit lauten Schwarzpulver-Böllersalven aus den Federn geworfen. Außerdem begleiten die „Böllerjungs“ im Cabrio die Schützen- und Brezelumzüge. „2014 waren das schlappe 280 Kilometer in vier Tagen, und das im Schritt-Tempo. Das schweißt zusammen“, lacht Lupo Lepper.

Doch der alte Mercedes hat noch mehr Highlights als „oben ohne“ auf Lager. Das Lenkrad ist ein Messingbrezel, den Lupo Lepper selbst gebaut hat. „Eigentlich, weil unser Ex-Böllerjunge Christoph Brezelkönig geworden ist und wir als die heiligen drei Könige dem Messingbrezel folgend ins Zelt eingezogen sind, um Christoph zu huldigen. Danach habe ich das Ding kurzerhand zum Lenkrad umgebaut. Ist natürlich vom TÜV genehmigt“, erzählt Lupo Lepper.

Weihrauchduft spuckt das Gefährt seit dem Jahr 2014 auch aus. „Weil wir dem König Weihrauch mitbrachten und diesen nicht immer tragen wollten, haben wir eine Weihrauchanlage in den Motorraum gebaut, die auf Knopfdruck den Duft versprüht“, ergänzt Jochen Pieper.

Die Fünf haben ganz schön schräge Ideen, wenn es darum geht, den königlichen Weckdienst zur Gaudi zu machen. So muss jeder, der zum Böllerjungen berufen wird – was eine seltene Ehre ist, weil nur fünf im Cabrio Platz haben – ein Gelöbnis ablegen und erhält einen „Ritterschlag“ mit der Mettwurst sowie einen kräftigen Schluck Schnaps aus einem frisch betätigten Handböller. Schwarzpulvergeschmack inklusive.

Jeder Böllerschuss wird bei der Kommune angemeldet

Doch so viel Spaß die Fünf auch verstehen – der Umgang mit Schwarzpulver erfordert die Einhaltung hoher Auflagen. So muss jeder „Böllerjunge“ einen Berechtigungsschein vorweisen, und jeder Schuss wird bei der Kommune angemeldet. Insgesamt verpulvern die Fünf alle drei Jahre rund zwölf Kilogramm Schwarzpulver für das Kirchhellener Schützen- und Brezelfest.

Schließlich kommen vier Hand-, fünf Stand- und ein Schaftböller zum Einsatz, die mit dem Schwarzpulver gefüllt werden. „Der Schaftböller hat Gewehrcharakter, und bei dem muss man aufpassen“, lacht Uli Voelkel. „Man braucht eine besondere Schusstechnik, denn durch die hohe Rückschlagkraft haben wir nach dem Abzug schon so manches Mal im Dreck gelegen“, erklärt er.