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Bücher waren doch versichert

26.05.2009 | 20:07 Uhr
Bücher waren doch versichert

Liebeserklärung der Leseratten: Jede Menge Kuchen aus purer Freude über die Wiedereröffnung der Bibliothek nach 5 Monaten

Wenn das keine Liebeserklärung ist. Gestern Morgen, das Bibliotheksteam wartet nach fast fünfmonatiger Zwangspause ein wenig nervös auf die ersten Besucher, dann die Überraschung. Die treuen Leseratten überschwemmen Jörg Dieckmann & Co. geradezu mit Kuchen, wenn dieser Vergleich nach dem Wasserschaden erlaubt sein darf. „Schön zu wissen, dass unsere Leser sich so freuen”, gesteht Büchereileiter Dieckmann ein wenig gerührt. Und nach Kostprobe des Kuchens gerät er ins Schwärmen: „Die Kirchhellener können gut backen!”

Die zweite gute Nachricht geht bei der Top-Stimmung beinahe unter: Entgegen erster Einschätzung des Rechtsamtes der Stadt war die Bibliotheksfiliale doch versichert. „Bei einer erneuten Prüfung wurde festgestellt, dass die Ursache des Schadens versicherungstechnisch wohl anders zu bewerten ist, als bei dem ersten Wassereinbruch vor acht Jahren”, erklärt Kulturamtsleiter Dieter Wollek, hörbar erleichtert. Damals, im Januar 2001, hatte wohl jemand im Physikraum des Vestischen Gymnasiums vergessen, den Wasserhahn abzudrehen. Das Wasser tropfte durch die Decke, flutete die Bücherei regelrecht und richtete einen Schaden von 120 000 Euro an.

Diesmal handelt es sich um einen Wasserrohrbruch, hervorgerufen durch lang anhaltenden Frost. Dieter Wollek: „Über die genaue Summe, die von der Versicherung übernommen wird, verhandeln wir noch. Aber es bedeutet auf jeden Fall: Die uns von der Stadt zugestandenen Mittel von 50 000 Euro brauchen wir nicht auszuschöpfen.”

Der Schaden wird, wie schon 2001, auf 120 000 € geschätzt. „Allein 40 000 € entfallen dabei auf die bauliche Renovierung: Austrocknung, neuer Teppichboden, Anstrich”, weiß Jörg Dieckmann. Für die verbleibende Summe mussten neue Medien angeschafft werden. Bei der Wiedereröffnung listet gestern Monika Budke auf: „Das war rund ein Drittel der 18 000 Bücher, CDs, DVDs und Spiele.”

Schülercenter

neu eingerichtet

Die Vorsitzende des Kulturausschusses lobt die Unterstützung der Lebendigen Bibliothek im Kulturzentrum August Everding, der Filialen in der Boy und auf dem Eigen sowie die Nachbarschaftshilfe der konfessionellen Büchereien, „der Lesehunger in Kirchhellen konnte zwar gestillt, die fehlende Bibliotheksfiliale jedoch nicht ersetzt werden.”

Ebenso wie Bezirksbürgermeisterin Margot Hülskemper und deren Stellvertreterin Anne Hentrich hebt Budke auch die enorme Leistung der Ehrenamtlichen hervor, die mit Vorlesestunden oder der tollen Reihe „Berufe stellen sich vor” das Buch vor allem Kindern nähe bringen.

Dieter Wollek indes sieht in der langen Schließungsphase auch ein Problem: „Hoffentlich erleidet unsere Büchereifiliale keinen Leserschwund, die Leute waren lange nicht ortsnah versorgt und haben sich anders orientiert: nach Bottrop-Mitte, nach Gladbeck”, fürchtet er, „wir müssen diese Leser zurückgewinnen.”

Am Büchereiteam soll es nicht liegen. Diplom-Bibliothekar Jörg Dieckmann und seine Mitarbeiter haben in der „Trocknungsphase” eine Reihe von Neuerungen ausgetüftelt. Die Kinderbücherei ist freundlicher gestrichen, Mama und Papa haben hier auch nix mehr zu suchen: Die Elternbücherei mit Themen „Eltern und Kind” wurde ausgegliedert. Neu ist auch ein „Schülercenter”. Hier wurden für Schüler von der 1. Klasse bis zur Oberstufe alle Medien konzentriert zusammengefasst, Lexika, Schülerhilfen etc. Vorher waren sie etwas unübersichtlicher auf Sachgebiete verteilt.

Programm für Kinder

Zur Wiedereröffnung hat sich das Büchereiteam ein buntes Programm einfallen lassen. Gestern kreischten rund 60 Kinder der Johannesschule über die Scherze von Liedermacher Klaus Foitzik, und sie sangen auch laut, sehr laut mit. Am Nachmittag gab die Kirschbaumbande des Figurentheaters „Sonstwo” ein Gastspiel für die Kleinen.

Heute ab 15 Uhr sind alle Kinder ab 6 Jahren eingeladen zu einem Spaziergang mit Figuren der Kinderliteratur, mit „Pippi, Harry, Mary”. Ab 15.30 Uhr ist Schminken angesagt.

Franz Naskrent

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