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Arbeit mit kriminellen Jugendlichen

27.07.2012 | 16:54 Uhr
Arbeit mit kriminellen Jugendlichen

Kirchhellen. Wie kann ein junger Mann sich nur auf so etwas einlassen? Lukas verlässt das beschauliche, friedliche Kirchhellen, um sich sehenden Auges in ein gefährliches Abenteuer zu stürzen. Der 19-Jährige fliegt im August nach Panama, um sich dort um kriminelle oder auffällig gewordene junge Männer zu kümmern. Dazu kommt noch, dass er bis jetzt nicht wirklich Spanisch spricht. Er wird seinen Dienst in einer Stadt namens Arraijan aufnehmen, im Auftrag des Bistums Essen.

Die Stadt liegt etwa 20 Kilometer von Panama-City entfernt. Die Berufsschule, in der Lukas arbeiten wird, nennt sich „Escuela Vocavional de Chapala“. Das mit dem Spanisch ist so eine Sache: „Ich habe schon einen VHS-Sprachkurs gemacht, jetzt kann ich mich auf Spanisch vorstellen und minimalen Small-Talk halten.“ Ob das reicht?

Im Auftrag des Bistums Essen

Aber irgendwie ist Lukas nicht aus der Ruhe zu bringen, auch bei dem Gedanken an 140, teilweise kriminelle Jugendliche, mit denen er ein Jahr seines Lebens verbringen wird. „Alles halb so wild“, glaubt er. „ Die Berufsschule ist sehr streng organisiert, es herrscht starre Disziplin.“ Die Schüler wissen, dass ihr Aufenthalt dort ihre letzte Chance ist. „Die Schule steht unter der Leitung des Ordens der Amigonianer.“ Die Brüder setzen sich für schwer erziehbare Jungen ein. Es gibt sie auch in Deutschland, in unmittelbarer Nähe, sagt Lukas: „In Gelsenkirchen und Köln sind Niederlassungen des Ordens.“

Für seine Eltern ist es nichts Neues, dass eines ihrer vier Kinder auf den Weg in die ganz große weite Welt macht. „Meine Schwester Lena war auch schon für ein freiwilliges soziales Jahr weg von zu Hause. Sie hat die zwölf Monate in Nicaragua verbracht.“ Auch dort wird Spanisch gesprochen und auch Lena (21) sprach zu Beginn kaum ein Wort Spanisch. „Mittlerweile ist sie richtig gut“, sagt Lukas.

Für ihn sei immer schon klar gewesen, dass er nach der Schule im sozialen Bereich arbeiten wird. Er sieht seinen Auslandaufenthalt auch als Test an, ob er die richtige Entscheidung für sich getroffen hat. „Ich werde sehen, ob ich mit dem Druck umgehen kann und ob ich tatsächlich ein guter Sozialarbeiter sein könnte.“ Einen Plan B gibt es auch. „Ich könnte mich auch für die Arbeit des Gemeindereferenten begeistern, so wie meine Mutter, sie macht diesen Job in Gladbeck.“ Das Priesteramt zu ergreifen ist für den Katholiken aber keine Option.

Sein Aufenthalt in Panama wird durch zwei Institutionen finanziert. Der Löwenanteil kommt von der katholischen Kirche, genauer gesagt vom Bistum Essen. Dazu ist noch das Programm „Weltwärts“ des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung dabei. Lukas sucht trotzdem noch Menschen, die ihn finanziell unterstützen. „Dabei geht es nicht um mich, sondern darum, dass ich noch Geld sammeln möchte, um damit persönlich in Panama Projekte unterstützen zu können.“ Sein Unterhalt und die Unterbringung sind gesichert, ebenso die Hin und Rückflüge.

Darüber braucht sich Lukas also keine Gedanken zu machen. Trotzdem: Er geht in ein fremdes Land, spricht die Sprache nicht wirklich und dann auch noch die schwere Aufgabe. Da ist Ärger doch programmiert. „Der Orden greift hart durch bei den jungen Männern. Die Bestrafung von Vergehen überlassen die Brüder aber der Gemeinschaft der Schüler der Berufsschule“, erklärt Lukas.

Weihnachten in der Fremde

Der Hinflug startet am Samstag, 25. August. Wann es wieder nach Hause geht, weiß der 19-Jährige noch nicht. „Das ergibt sich im kommenden Jahr, wenn sich mein Aufenthalt in Arraijan dem Ende zu neigt.“ Es ist tatsächlich so, dass es für Lukas nur einen Hin und einen Rückflug geben wird. Das bedeutet für ihn auch, das er Weihnachten in Panama verbringt. Ohne die Familie. Seine Eltern kommen ihn später besuchen.

Wer Lukas unterstützen möchte, der schreibt ihm eine Mail unter:
lukas.klein-wiele@t-online.de

Patrick Mammen

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Kommentare
29.07.2012
13:13
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