Kirchhellen ist fast energieautark

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Ein ganz wichtiges Etappenziel im Klimaschutzkonzept der Stadt Bottrop ist erreicht: Kirchhellen ist energieautark - auf dem Papier. Das heißt: Mit den drei neuen Windrädern, der Fotovoltaik auf den Dächern und den Biogasanlagen auf den Höfen produziert Kirchhellen rechnerisch so viel erneuerbare Energie, dass sie zur Versorgung der Haushalte ausreichen würde.

Das hat der Energieversorger ELE auf WAZ-Anfrage ausgerechnet. ELE-Sprecher Peter Efing fasst die Berechnungen so zusammen: „Wir sind an dem Punkt, wo wir über den dicken Daumen sagen können: Das kommt hin.“

Das heißt natürlich nicht, dass in Kirchhellen keine Kohle, kein Öl und kein Gas mehr verbraucht wird, denn das Grundproblem der Speicherung und bedarfsgerechten Abgabe von erneuerbaren Energien bleibt bestehen; das meint die altbekannte Tatsache, dass das Dorf auch Strom und Heizung braucht, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Der Energieversorger hat aber ausgerechnet, dass die Menge der in Kirchhellen erzeugten Energie inzwischen so groß ist wie der Verbrauch in den Haushalten. Damit ist Kirchhellen weit auf dem Weg zu dem Ziel, das der Rat erstmals 1997 formuliert und 2011 in das Klimaschutzkonzept für die „Innovation City“ übernommen hat: „Entwicklung eines energieautarken Stadtteils Kirchhellen auf Basis regenerativer Energien, nachwachsender Rohstoffe sowie Reduzierung der CO2-Emissionen“.

Sobald allerdings der Verbrauch des Movie Parks mitgerechnet wird, geht die Rechnung nicht mehr auf. Freizeitparks sind nun mal große Energieverbraucher. „Wir können keine großen Dinge abschalten, aber an kleinen Stellschrauben drehen“, sagt Park-Sprecherin Jessica Demmer. Die Parkleitung setzt auf Energiesparlampen und LED-Technik in den Shows, auf Dimmer in Verbindung mit Bewegungsmeldern und Zeitschaltuhren. Sogar der „Mystery River“ fließt sparsamer, wenn wenig Betrieb ist. Jessica Demmer: „Wir tauschen nach und nach die Klimaanlagen aus. Gemeinsam mit dem Fachbereich Energiewirtschaftssysteme der Hochschule Ruhr-West schauen wir gerade, wie wir unsere Lagerhallen besser isolieren können.“

Klaus Schulze Langenhorst, Landesvorsitzender des Windenergie-Verbandes und Betreiber des Windrades am Brabecker Feld, spricht von einem „Zwischenziel auf dem Weg zur Energiewende“, nach dessen Erreichen sich die Politik aber nicht zurücklehnen dürfe. Wirklich energieautark sei Kirchhellen noch nicht. „Für mich gehören die Energieverbraucher Gewerbe und Mobilität mit in die Rechnung.“ Er fordert grundsätzlich die Ausweisung weiterer Flächen: „Wir brauchen in NRW mehr als den doppelten jährlichen Zubau von 2014, um die Landesziele bis zum Jahr 2020 zu erreichen. Ländliche Bereiche sind hier mehr in der Pflicht.“ Nach Einschätzung der Stadt dagegen ist mit den neun Windrädern, die sich in Kirchhellen drehen, der vorgegebene „Eignungsbereich“ ausgeschöpft.