Kinderschutz hat oberste Priorität in Bottroper Kitas

Auf Kindeswohlgefährdung richten die Erzieherinnen in den Kitas ein ganz besonderes Augenmerk.
Auf Kindeswohlgefährdung richten die Erzieherinnen in den Kitas ein ganz besonderes Augenmerk.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Kita Zweckverband im Bistum Essen sieht mehr Fälle von Kindeswohlgefährdung. Ein Schutzplan sieht konkrete Maßnahmen zum Schutz vor.

Bottrop..  „Es ist besorgniserregend, dass die Fälle von Kindeswohlgefährdung in den vergangenen Jahren stark zugenommen haben“, so schreibt Peter Wenzel, Geschäftsführer des Kita Zweckverbandes in Essen, unter dessen Dach die 271 katholischen Kindertagesstätte im Ruhrbistum stehen, in einer Broschüre des Zweckverbandes zum Thema Kinderschutz. Immer öfter müssten sich die Erzieherinnen in den Einrichtungen mit derartigen Fällen auseinandersetzen.

Sie seien so vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Damit sich niemand alleine gelassen fühlt, ist die Vorgehensweise im Ruhrbistum inzwischen genau geregelt. In der Geschäftsstelle des Zweckverbandes ist Eva Ortmann als Fachkraft für den Kinderschutz zuständig. „Das Wohl des Kindes steht für uns im Vordergrund“, erklärt die Assistentin des Geschäftsführers. Sie kümmert sich um alle Belange und koordiniert die Umsetzung von Maßnahmen. Sie ist Teil eines Fachteams in Essen, das in einem Verdachtsfall zusammenkommt.

84 Fälle überprüft

Im Bistum Essen seien im Kindergartenjahr 2013/14 insgesamt 84 Fälle von Kindeswohlgefährdung überprüft worden. Anschließend seien 43 der Fälle an die zuständigen Jugendämter weitergemeldet worden, berichtet Eva Ortmann. Bottrop betrafen dabei 14 Prozent der Fälle, dass heißt fünf Mal sei eine Meldung an das Bottroper Jugendamt gegangen.

„Wenn eine Erzieherin den Verdacht hat, dass ein Kind gefährdet ist, manchen wir als erstes eine Risikoanalyse“, erklärt Eva Ortmannn die Vorgehensweise. Dafür zuständig sind die Kinderschutzfachkräfte in den Gemeinden, von denen der Zweckverband mittlerweile 80 ausgebildet hat. Es sind Erzieherinnen, die Fortbildungen besucht und anschließend eine Prüfung abgelegt haben.

Fachkräfte ausgebildet

In der Regel gebe es in jeder Pfarrei zwei Fachkräfte, in Bottrop insgesamt vier. Die Risikoanalyse wird dabei aber nicht von den Fachkräften der eigenen Pfarrei vorgenommen. Das soll eine objektive Prüfung garantieren und verhindern, dass vor einer Kindeswohlgefährdung durch eigene Mitarbeiter die Augen verschlossen würden.

Allerdings sei es in der Regel so, dass die Gefährdung vom häuslichen Umfeld der Kinder ausgehe, weiß Eva Ortmann. Thema sind dabei Vernachlässigung und Zweifel an der Erziehungsfähigkeit der Eltern. Oft seien Kinder schlecht ernährt oder unzureichend bekleidet. Arbeitslosigkeit und geringes Einkommen spielen eine Rolle.

Längere Vorgeschichte

Bevor es zu einer Überprüfung komme, seien allerdings meistens schon viele Elterngespräche vorausgegangenen. „Das alles wird genau festgehalten in der Dokumentation“, erklärt Eva Ortmann. Die müssen die Erzieherinnen in den Kitas über jedes einzelne Kind kontinuierlich führen.

Wenn auch die Kinderschutzfachkräfte in ihrer Risikoanalyse zum Schluss kommen, dass das Kindeswohl gefährdet ist, geht eine Meldung an das Jugendamt, das sich dann weiter kümmern muss.