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Keinen Druck im Nacken

25.07.2007 | 04:00 Uhr

45 behinderte Kinder und Jugendliche verbringen gemeinsam drei Ferienwochen, betreut von erfahrenen Mitarbeitern und Helfern. Gestern Bergfest auf dem Spielplatz Kellermannstraße

Das Bergfest der städtischen Behindertenfreizeit auf dem Spielplatz an der Kellermannstraße wirkt wie das entspannte Picknick einer Großfamilie. Am Nachmittag hat sich die Nervosität gelegt, die Sozialamts-Mitarbeiterin Sanda Wildner zuvor bei den behinderten Kindern und Jugendlichen gespürt hat. Das Bergfest ist etwas Besonderes, das teilt sich ihnen mit, wenn die Eltern Kuchen backen und Salate vorbereiten. Wenn anschließend alles in geordneten Bahnen verläuft, ist der Stress vorbei.

45 Behinderte im Alter von 6 bis 20 Jahren nehmen an der Freizeit teil, und damit ist die Obergrenze erreicht. Alle sind schulpflichtig, wollen in den Ferien Spaß haben und keinen Druck im Nacken, den behinderte Schüler ebenso spüren wie nicht behinderte. "Wenn Du drei Wochen lang nur spielen willst, dann ist das ok", vermittelt Sandra Wildner den Kindern, die keine Lust haben auf Unternehmungen. Obwohl es nicht an Angeboten mangelt: Movie World und Indoor-Spielplatz in Oberhausen, Zoo in Gelsenkirchen und Wasserspielplatz im Revierpark - die erfahrenen Betreuer kennen die Ziele im Umland. Zehn dieser "alten Hasen" hat Sandra Wildner diemal zusammengespannt mit der ebensolchen Zahl von Neuanfängern als Betreuern. Die Mischung muss stimmen, keiner darf sich überfordert fühlen, denn das registrierten die Behinderten sofort, erklärt sie. Lena Stumpe (20) und Jonas Fellisch (22) sind zum ersten Mal dabei. Lena weiß inzwischen, dass sich jedes Kind anders verhält. Bei manchen sind ab und zu deutliche Worte nötig, "sonst machen sie immer wieder Unsinn", erklärt Jonas. Insgesamt gefällt Lena, "dass die Kinder, die fitter sind, mit aufpassen auf die anderen."

Für das Betreuerteam beginnt der Tag mit einer Besprechung um 8.30 Uhr im Spielraum an der Prosperstraße. Um 9 Uhr rollen die Busse los und holen die Teilnehmer zu Hause ab. "Wir haben den Vorteil, den ganzen Komplex nutzen zu können", stellt Sandra Wildner fest. Also hat die Gruppe in den vergangenen regnerischen zehn Tagen auch mal die Hüpfburg in den großen Saal des Spielraums gebracht und sich dort oder in der mit Polstern ausgelegten Turnhalle im ersten Stock ausgetobt. Das Mittagessen um 12.30 Uhr wartet immer wieder mit angenehmen Überraschungen auf, denn das Essen sei sehr gut, berichten die Teilnehmer. Wer anschließend eine Pause braucht, findet eine vorbereitete ruhige Ecke zum Entspannen. Im Freien spielen, malen, basteln - Sandra Wildner glaubt nicht, dass sich die Kinder und Jugendlichen langweilen, bis sie der Bus gegen 17 Uhr nach Hause bringt.

Schon jetzt sind alle gespannt auf das Theaterstück beim Abschlussfest: Mit professionellen Schauspielern studieren einige Behinderte ein Schauspiel ein. Der Titel: "Ein Zahnarztstuhl ist eine Zeitmaschine." Wenn das keine Herausforderung ist . . ."Sonst machen sie immer wieder Unsinn"

Von Marie-Luise Schmand

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