Karstadt-Aus in Bottrop macht Weg für neue Händler frei

Das Karstadt Kaufhaus an der Hansastraße in Bottrop wird nun umgebaut.
Das Karstadt Kaufhaus an der Hansastraße in Bottrop wird nun umgebaut.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Oberbürgermeister Tischler blickt nach der Schließung des Warenhauses optimistisch nach vorn. Schon im nächsten Jahr können andere Anbieter ihre Geschäfte in dem großen City-Bau eröffnen

Bottrop.. Die Innenstadt wird schon bald zur Großbaustelle. Wenn die Aufräumarbeiten im Karstadt-Gebäude demnächst abgeschlossen sind, beginnt der Umbau des Hauses mitten in der Fußgängerzone. Die Devello Immobilien AG, der der Bau seit einiger Zeit gehört, will ja mehrere Einzelhändler und auch ein Best-Western-Hotel in dem Gebäudekomplex unterbringen. Schon Ende des Jahres soll das neue Einkaufszentrum laut Devello AG fertig sein, spätestens jedoch Anfang 2017.

Keine einfache Baustelle

Während am Markttag am Samstag immer wieder erstaunte Passanten vor dem leeren Gebäude stehen blieben und durch die Glastüren und Schaufenster in das ausgeräumte Kaufhaus schauten, blickt Oberbürgermeister Bernd Tischler daher nach vorn. „Ich schaue nicht mehr zurück, obwohl wir lange mit der Karstadt-Spitze um die Erhaltung der Filiale gekämpft haben“, betonte Tischler. „Jetzt ist die Zeit für das neue Projekt. Die neuen Entwicklungen rücken in den Mittelpunkt“, sagte er. Die Stadtgesellschaft müsse die neuen Chancen nun nutzen, die sich für die Stadt und die Bürger bieten. „Ich stehe dem Umbauprojekt sehr optimistisch gegenüber, auch wenn es keine leichte Baustelle wird“, erklärte der Oberbürgermeister.

"Ich bin sehr optimistisch gestimmt"

Denn nun werden Kräne aufgestellt werden, schwere Laster müssen ans Gebäude heranfahren und Bauteile transportiert werden. Tischler setzt jedoch darauf, das dies reibungslos funktioniert. „Ich bin sehr optimistisch gestimmt, was den neuen Investor und den Umbau betrifft“, sagte er. Es müsse zwar noch einiges abgeklärt werden, doch: „Wir arbeiten derzeit fleißig an Lösungen für die Organisation, damit möglichst wenig Beeinträchtigungen entstehen“, versicherte der Oberbürgermeister.

Die schnelle Neuausrichtung des alten Karstadt-Gebäudes bringe positive Entwicklungen für die Stadt mit sich. „Es ist ein neuer Impuls, der die Innenstadt nach Fertigstellung der Arbeiten, beleben kann“, hofft der Oberbürgermeister. Die volle Konzentration müsse sich daher nun auf das neue Handelscenter richten.

Ein zentraler Punkt

Er könne gut verstehen, dass viele Anwohner und Kunden nach der plötzlichen Schließung des alten Kaufhauses am Freitagabend die Wehmut erfasst, betont Tischler. So meint etwa Heribert Matschey, Inhaber des Musikforums, direkt neben dem Warenhaus: „Alle sind jetzt traurig, dass Karstadt geschlossen hat“.

Für den Einzelhändler war das Aus aber absehbar. „Die Gründe dafür liegen auf der Hand – das Haus war nicht mehr zeitgemäß“, meint Matschey. Die so wenig an den Kundenwünschen ausgerichtete Umgestaltung des Warenangebots habe zum Ende beigetragen. „Karstadt war ein zentraler Punkt in Bottrop, der vielen Bürgern sehr am Herzen lag“, sagt auch der Oberbürgermeister, doch er verbreitet die Zuversicht: „Das neue Haus kann es aber in gleicher Weise werden“.

Kunden vermissen das Warenhaus

Viele Kunden bedauerten bei ihrem Einkaufsbummel, dass die Bottroper Karstadt-Geschichte zu Ende ging. „Wir vermissen es, hier einzukaufen“, sagt Brigitte Franzen. Das Angebot in der City sei nicht groß. „Ich habe hier viele Artikel unter einem Dach bekommen. Die Schließung reißt eine Lücke“, sagt sie. Ihr Ehemann stimmt zu. „Nun müssen wir in Nachbarstädte ausweichen. Wenn ich Kleidung brauchte, bin ich zu Karstadt gegangen. Mensing und C&A sind zwar nebenan, aber für mich kein Alternative“, sagt Rainer Franzen.

Auch Barbara Lorenz trauert dem Warenhaus nach. „Ich habe bei Karstadt alles für den täglichen Bedarf bekommen. Was mache ich jetzt, wenn mein Bügeleisen kaputt ist?“, fragt sie. Einmal pro Woche sei sie bei Karstadt einkaufen gewesen. „Mir ist zum ersten Mal der Gedanke gekommen, dass ich jetzt nicht mehr durch das Gebäude komme, sondern das Haus umrunden muss.“ Ihre Freundin Heidemarie Hajek sieht die Zukunftspläne für den Bau skeptisch: „Es ist bisher kein Geschäft dabei, das mich interessiert.“