Karneval scheidet die Geister

Manchem wird es zu bunt, andere genießen genau das: „Helau“ und „Alaaf“ in der fünften Jahreszeit.
Manchem wird es zu bunt, andere genießen genau das: „Helau“ und „Alaaf“ in der fünften Jahreszeit.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die WAZ hat sich umgehört, wie Bottroper die Faschingstage verbringen. Manche steigen voll in den Trubel ein, andere flüchten lieber vor den tollen Tagen.

Die fünfte Jahreszeit steht kurz vor ihrem Höhepunkt, jetzt wird es Zeit, das Karnevalskostüm aus dem Schrank zu holen oder die Flucht in die nächste karnevalsfreie Zone zu planen. Wenn Hoppeditz aus seinem Schlummer erwacht, scheiden sich die Geister: Karneval ja oder nein?

Tanja Lamoth (25) ist begeisterte Karnevalistin: Pünktlich zur Narrenzeit wirft sie sich in ihr Gardekostüm und eilt von Auftritt zu Auftritt. Seit mehreren Jahren tanzt Tanja Lamoth schon für die Ruhrgarde in Mülheim. „Bei gut 20 Veranstaltungen habe ich kaum noch Zeit, privat zu feiern.“.Am Rosenmontag ist sie mit ihrer Garde ganz vorne mit dabei.

Stimmen

„Karneval? Damit habe ich nichts zu tun, damit will ich nichts zu tun haben“, sagt Manfred Lorenz (66). Obwohl er mitten in der Faschingszeit geboren wurde, ist er kein Kind des Karnevals. Sobald die Jecken durch die Straße marschieren, geht Lorenz in den Kurzurlaub. „Hauptsache weg.“

Die Flucht ergreifen würde Monika Gießmann (66) nicht gleich, aber Karneval feiern möchte sie auch nicht. „Damals bin ich gerne zum Frauenkarneval gegangen, heute ist mir das zu viel Trubel“.

„Auch ich habe früher Helau und Alaaf gerufen, jetzt nervt mich der Rummel um den Alkohol“, sagt Markus Elstner (48). Die eigentliche Tradition gerate immer mehr in Vergessenheit.

Für Volker Tytko (42) ist Karneval eine Familientradition, die er seiner siebenjährigen Tochter zuliebe fortsetzt. „Zwar interessiere ich mich nicht für Fasching, meine Tochter aber findet großes Gefallen an den Zügen“, sagt der glückliche Vater.

Auch Cynthia Jostes feiert Karneval im Kreis der Familie. Und ihren Sohn hat sie ebenfalls für das Narrenfest begeistert. „Ich gehe jedes Jahr mit ihm und den Nachbarskindern zum Karnevalszug an der Cyriakus-Kirche.“

Nicht ganz so aktiv dabei ist Bärbel Husmann (71). „Ich sehe mir lieber die Büttenreden im Fernsehen an, solange sie niveauvoll bleiben.“ Besonders die politische Satire habe es ihr angetan. „In meinem Elternhaus war Karneval nie ein Thema.“ Gestört fühlt sich Bärbel Husmann nicht von dem vielen Trubel, ihr Sohn hingegen flüchtet lieber.

Kevin Voigt (29) feiert dieses Jahr auf dem Karnevalszug in Oberhausen und geht als Gorilla. „Verkleiden gehört für mich dazu.“. Die jährliche Entscheidung, zu feiern oder doch daheim zu bleiben, hänge von seiner Stimmung ab.

Ob Faschingsfreund oder Karnevalsgegner, die fünfte Jahreszeit bietet Alternativen: Rosenmontagszug, Showgarde, Stunksitzung oder Kurzurlaub - es gibt viele Möglichkeiten an den tollen Tagen.