Kanzlerin dankt Bottroper Helfern
03.08.2010 | 16:17 Uhr 2010-08-03T16:17:00+0200
Bottrop. Plötzlich war es der Ernstfall. Die Loveparade in Duisburg endete mit einer Katastrophe, und elf ehrenamtliche Helfer aus Bottrop waren „mittendrin“ in der Menge im Tunnel.
Diesen Einsatz hätte Stadtbeauftragter Karsten Pietroscewsky seinen jungen Leuten gern erspart. Dabei weiß er , dass sie auch für eine solche Krisensituation ausgebildet wurden, und nicht nur fürs Pflasterkleben beim Kinderferiencircus.
Pietroscewsky arbeitete bei der Loveparade im Organisationsteam in Duisburg mit, war also nicht unmittelbar vor Ort. Er war froh, als er die Gruppe am Abend unversehrt wiedersah - zumindest körperlich. Um sie zu unterstützen, das Erlebte seelisch zu bewältigen, reiste ein Kriseninterventionsteam an.
„Als die Situation im Tunnel eskalierte und die Ersten zusammenbrachen, haben unsere Leute noch sieben oder acht Personen herausziehen können.“ Sie haben diese Männer und Frauen, die am Boden lagen, womöglich vor Schlimmerem bewahrt. Dieser Gedanke hilft, die Erinnerung zu bewältigen: „Wir haben dort Gutes getan“, diese Feststellung hat der Stadtbeauftragte in Gesprächen mit den jungen Ehrenamtlichen gehört. Sie sind geschockt und betroffen, aber keiner stellte sein Engagement in Frage: „Kein Helfer hat gesagt, ich hör’ jetzt auf.“
Karsten Pietroscewsky hat sich gefreut, dass auch Bottroper Helfer nach dem Trauergottesdienst in Duisburg zum persönlichen Gespräch mit Bundespräsident Christian Wulff und Kanzlerin Angela Merkel eingeladen waren. Diese Anerkennung von höchster Stelle tat ihnen gut, davon ist Pietroscewsky überzeugt.
Alle Helfer, die in Duisburg im Einsatz waren, haben zu Beginn ihrer Ausbildung das „Standardprogramm“ absolviert: den Erste Hilfe-Kurs und einen Lehrgang in häuslicher Pflege. Die Ersthelfer-Ausbildung wird stark nachgefragt, ständig sucht der MHD Interessenten, die nach der Schulung ihr Wissen als ehrenamtliche Ausbilder weitergeben wollen. In die Breitenausbildung aufgenommen wurde auch der Umgang mit dem Früh-Defibrillator. Ein wachsendes Interesse registriert Stadtgeschäftsführer Peter Spettmann an Lehrgängen für Kindernotfälle. Da die Malteser bundesweit vernetzt sind, können Bottroper Helfer auch für Einsätze des Sanitätsdienstes in Köln, München oder „flächendeckend“ beim Still-Leben“ auf der A 40 angefordert werden: „Man kommt gut rum“, stellt Stadtbeauftragter Pietroscewsky fest.
„Wir sind eine katholische Hilfsorganisation, und das wollen wir ja auch sein“, stellt Peter Spettmann fest. Das zweite Prinzip, das die Arbeit im 1964 gegründeten Stadtverband prägt, ist die Ehrenamtlichkeit Das gilt für die Organisation von Wallfahrten, an denen sich Bottroper Gruppen beteiligen, ebenso wie für den Besuchs- und Begleitdienst, für den Schulsanitätsdienst wie für die monatlichen Seniorentreffen, mit denen der MHD Heimbewohnern Abwechslung bieten will. Auch beim Hausnotrufsystem mit rund 80 Teilnehmern in Bottrop spielen Ehrenamtler eine Rolle. Eine Ausnahme bildet allerdings das „Essen auf Rädern“ - der Einsatz in der Großküche ist Hauptamtlichen vorbehalten.
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