Kaninchen wecken Erinnerungen

Emmi Mohhaupt streichelt im Awo-Seniorenzentrum an der Herderstraße das zutrauliche Kaninchen Caruso, das Achim Mosner auf dem Arm hält.
Emmi Mohhaupt streichelt im Awo-Seniorenzentrum an der Herderstraße das zutrauliche Kaninchen Caruso, das Achim Mosner auf dem Arm hält.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Flauschige Tiere bringen die Senioren im Awo-Seniorenzentrum an der Herderstraße in Bottrop zum Lächeln – und zum Erzählen.

Bottrop..  Dass Tiere wahre Heilkräfte besitzen, zeigte am Wochenende eine Aktion des Awo-Seniorenzentrums an der Herderstraße. Mit Hilfe von Marianne Sindhoff und Achim Mosner nahmen sieben Bewohner der Einrichtung an einer „Kaninchen-Therapie“ teil. Fünf kuschelig-weiche Tiere ließen sich von ihnen ausgiebig streicheln. Doch die Tiere genießen das nicht nur – sie geben auch etwas zurück.

Sensible Langohren

„Die Kaninchen merken, wo Menschen Verletzungen haben und gehen auf die individuellen Bedürfnisse ein“, erklärt Kaninchen-Besitzer Achim Mosner. „Die warme Haut und das weiche Fell können zum Beispiel Kontrakturen in Händen und Armen lindern.“ Doch auch die psychische Komponente ist extrem wichtig – und im ersten Augenblick erstaunlich. Kaum sind „Pfötchen“, „Caruso“ und „Streusel“ aus ihren Boxen herausgekommen, bringen sie die Bewohner zum Lächeln. Sie alle erfreuen sich an den schönen Tieren und nehmen sie nur zu gern auf ihren Schoß.

Die beiden Partner Achim Mosner und Marianne Sindhoff haben schon 16 Kaninchen vor dem Tod gerettet. Vor drei Jahren entdeckten sie die therapeutischen Fähigkeiten der zutraulichen Tiere. „Viele Menschen erinnern sich dann an ihre Kindheit und ihre eigenen Kaninchen. Da hatte jeder ein Lieblingstier, das dann vor dem Kochtopf gerettet wurde“, meint Marianne Sindhoff. Und tatsächlich – schnell tauschen sich die Senioren über die früheren Tiere der Familie aus. „Auch ich hatte damals Kaninchen und mein Sohn auch, das war immer sehr schön“, erzählt zum Beispiel Helga Trost. „Es ist eine gute Sache, das hier zu machen – und mal etwas anderes. Ich würde es begrüßen, wenn die Tiere öfter kommen würden.“

Regelmäßig besuchen Mosner und Sindhoff mit den Tieren verschiedene Einrichtungen in der Region. „Viele Bewohner wollen die Kaninchen gar nicht mehr gehen lassen und reden auch Wochen später noch davon“, berichtet Achim Mosner. „Die Tiere locken auch zurückhaltende Menschen aus der Reserve, sie werden offener und reden wieder mehr. Die Verknüpfung mit Kindheitserinnerungen und dem Gefühl, für eine kurze Zeit etwas sein Eigen zu nennen und sich darum zu kümmern, gibt den Bewohnern ein besonderes Gefühl.“ Zusätzlich werden Fotos der Bewohner mit den Tieren gemacht, sodass jeder ein kleines Andenken behält.

Die Kaninchen sind zutraulich, angstfrei und beißen nicht. „Das können wir natürlich nicht mit jedem Tier machen“, betont Sindhoff. „Manchmal kommt es auch auf die Tageskondition an.“