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Kampf gegen Vorurteile

05.06.2011 | 17:43 Uhr
Kampf gegen Vorurteile
Brunhilde Klenner von der Selbsthilfegruppe „Gemeinsam sind wir stark“ warb für den Organspendeausweis. Foto: Olaf Fuhrmann / WAZ FotoPool

Bottrop.„55 Organpaten konnten wir heute allein in den ersten zwei Stunden schon gewinnen. Das ist ein guter Anfang“, freute sich Prof. Dr. Markus Hollenbeck. Der Ärztliche Direktor des Knappschaftskrankenhauses und Chefarzt der Nephrologischen Klinik nutzte den Tag der Organspende, um gemeinsam mit der Selbsthilfegruppe Dialyse und Nierentransplantierte vor der Elefanten-Apotheke an der Hochstraße auf das schwierige Thema aufmerksam zu machen – und auch, um die Passanten zum Ausfüllen eines Spenderausweises zu motivieren.

Denn Hollenbeck hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: 1000 neue Organpaten will er in den nächsten Jahren in Bottrop gewinnen. Der erfahrene Mediziner weiß, warum: „Wer ein Herz oder eine Leber braucht, der verstirbt ohne Transplantation. Die moderne Medizin kann diese Organe noch nicht ersetzen.“ Wer eine Spenderniere benötigt, der kann damit zwar erst einmal überleben - aber: „Die durchschnittliche Wartezeit auf eine Niere beträgt im Moment etwa fünf Jahre“ – Zeit, in der Betroffene aufgrund von Dialyse oft große Einschränkungen der Lebensqualität hinnehmen müssten.

„Die Dialyse leistet viel, aber mit einem Nierentransplantat ist sie nicht zu vergleichen“, erklärt Prof. Hollenbeck. Das weiß Rosemarie Pawliczek nur allzu gut: Drei Jahre lang war sie dialysepflichtig, jetzt lebt sie mit einer Spenderniere – und das schon seit zwei Jahren: „Mir geht es damit sehr gut“, lächelt Frau Pawliczek.

Gesellschaftliches
Problem

„Ein Mensch, der nie von der Dialyse abhängig war, weiß nicht, wie das ist: Man darf nicht alles essen, nicht zu viel trinken, ist durch die Dauer und die erforderliche Regelmäßigkeit der Dialyse gebunden. Ich hatte außerdem oft Krämpfe in den Beinen“, erinnert sich die Patientin, „jetzt, nach der Transplantation, bin ich unendlich dankbar für die schönen, unabhängigen Lebensjahre, die mir geschenkt wurden.“ – ein lebendes Beispiel dafür, was Organspende leisten kann.

Warum also besitzen nur 17 Prozent der Deutschen einen Spenderausweis? „Allgemein herrschen große Vorurteile, viele Menschen sind aber auch fehlinformiert“, weiß Prof. Hollenbeck, „Ich denke jedoch, dass sich hinter den geringen Organspender-Zahlen hauptsächlich ein gesellschaftliches Problem verbirgt“, verrät der Mediziner, „Organspende muss hierzulande als etwas Ehrenhaftes wahrgenommen werden, so wie es in anderen Ländern schon lange ist.“ Eine Widerspruchslösung, wie sie auch hierzulande immer wieder diskutiert wird, hält der Mediziner in Deutschland für kaum durchsetzbar: „Die Ärzteschaft ist bei diesem Thema zwiegespalten. Mir persönlich ist eine bewusste Äußerung des informierten Patienten zu Lebzeiten lieber.“

Ein Kreuzchen auf dem Organspendeausweis entlaste im Ernstfall aber vor allem die Angehörigen: „Auch ein bewusstes ‚nein‘ kann manchmal eine gute Entscheidung sein“, bemerkt Hollenbeck, „wer aber gar keine Aussage trifft, der kann seine Angehörigen in einer ohnehin schweren Stunde zusätzlich in einen psychischen Konflikt stürzen.“

Christina Banner

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Kommentare
05.06.2011
21:27
Kampf gegen Vorurteile
von Bohrhammer | #1

Jeder sogenannte Christ hat doch wohl einen Spenderausweis.

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