Kampf dem Vollrausch
15.02.2010 | 18:39 Uhr 2010-02-15T18:39:00+0100
Bottrop.Ein Rosenmontagszug ohne Bier und Wodka? Für viele undenkbar. Und so können sich gerade jüngere Leute schon mittags kaum noch auf den Beinen halten. Rotes Kreuz und die Streetworker des Jugendamtes versuchen, den Alkoholmissbrauch einzudämmen.
Für viele gehört er zum Rosenmontag dazu wie Kamelle und Strüssje: der dicke Kater am nächsten Morgen. Nur mit jeder Menge Treibstoff aus Wodka, Bier oder beidem scheint bei manchen Karnevalisten die Party überhaupt erst loszugehen. Und dies bisweilen mit fatalen Folgen: „Bei uns vor der Tür haben sich gerade ein paar Jugendliche geprügelt“, erzählt die Dame von der Bäckerei. „Nüchtern waren die nicht mehr. Da ist mir richtig Angst und Bange geworden.“
Auf nüchternem Magen
Auch Mike Steiner kennt solche Probleme: Seit über drei Jahren ist der junge Rettungssanitäter mit seinen Kollegen vom Roten Kreuz im Karnevalsgetümmel unterwegs. Und das Alter derer, die dringend auf ihre Hilfe angewiesen sind, werde immer jünger: „Das beobachten wir seit einigen Jahren“, erzählt er. „Die fangen schon früh an, Alkohol zu trinken. Oftmals auf nüchternem Magen. Und wenig später können sie sich kaum noch auf den Beinen halten.“ Bis abends um 22 Uhr sind Mike und seine Kollegen in der City unterwegs - und bis mittags sei alles noch recht ruhig geblieben: „Für uns ist es auch wichtig, Präsenz zu zeigen“, sagt er. „Damit die Menschen sofort wissen, an wen sie sich im Notfall wenden können.“
„Wir sind keine Moralapostel“
Doch ein zünftiger Rosenmontagszug muss nicht zwangsläufig im Vollrausch enden. Darum bemühen sich die Streetworker des Jugendamtes, die in einem klasse eingerichteten Bus am Gleiwitzer Platz das jecke Geschehen begleiten und dabei die Jugendlichen vom Saufen abbringen wollen - ohne gleich den bösen Zeigefinger zu heben. „Wir sind ja keine Moralapostel“, lächelt Doris Golenbiewski. „Aber dennoch kämpfen wir präventiv gegen Alkoholvergiftungen.“
In dem Streetworker-Bus können sich die Jugendlichen gratis mit alkoholfreien Trinkpäckchen, mit Kondomen - und sogar mit Berlinern eindecken. „Manche fangen schon ohne Frühstück an zu trinken, da bekommen sie bei uns dann wenigstens ein bisschen was zu essen“, meint Golenbiewski. Rund 80 Jugendliche hätten dieses Angebot bereits bis halb zwölf Uhr am Mittag dankend angenommen. „Es ist wichtig, dass die jungen Leute wissen: Wir sind für sie da. Zu uns können sie kommen, etwas essen, trinken und sich aufwärmen.“ Damit die Party fröhlich endet - und das klappt auch ohne Brummschädel.
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