Kammerorchester bleibt im Malakoffturm

Vor 65 Jahren gründete der damalige städtische Musikdirektor Franz Switing das Bottroper Kammerorchester (BKO). Nach Josef Klawinski (seit 1964) übernahm 1999 Kai Röhrig nun das Ensemble, das sich immer mehr vom Streichorchester mit gehobenem Anspruch zum Projektensemble mit wechselnden Profi-Besetzungen wandelte. Mit Kai Röhrig sprach Dirk Aschendorf über Ausrichtung und Zukunft des BKO.

Wie wird es in den nächsten Jahren mit dem Orchester weiter gehen?

Kai Röhrig: Die Idee eines reinen Streichorchesters mit 15 bis 20 Musikern ist fast schon ad acta gelegt. Ich kann von Salzburg aus nur Projektarbeit machen, regelmäßige Proben mit einem Orchester aus Profis und Laien sind da allerdings momentan nicht mehr zu realisieren.

Zuletzt stand überwiegend Zeitgenössisches in hoher Qualität auf dem Programm. Ist das die Zukunft des BKO?

Ich denke, so haben wir zuletzt unser Profil geschärft, vielleicht sogar eine BKO-Marke entwickelt. Man muss sich spezialisieren. Die Alte Musik scheidet aus, da die Konkurrenz sehr groß ist und ich auch nicht aus dieser Szene oder vom Cembalo her komme. Die Latte hängt da auch gerade in dieser Region, die man ja immer mit in die Planung einbeziehen muss, sehr hoch, auch, wenn sie an die umliegenden Konzerthäuser denken. Und unser Spielort, der Malakoffturm, ist auch eher geeignet für Liederabende oder klein besetzte Aufführungen. Selbst 20 Musiker sprengen diesen spannenden Industrieort fast.

Der Malakoffturm als einziger Spielort in der Stadt und darüber hinaus ist gesetzt?

Ich denke erst einmal ja. Der Turm wird gut angenommen, 80 oder 100 Besucher sind hier viel für zeitgenössische Musik. Abstecher in andere Städte oder auch nach Heilig Kreuz haben das nicht gebracht. Natürlich wäre auch das Quadrat ein fabelhafter Ort für den Austausch zeitgenössischer Kunst, wie zum Beispiel unsere Morton Feldman-Konzerte. Aber das ist scheinbar vom Kulturamt so nicht gewollt. Das unterstützt uns im Malakoffturm, aber nicht im Quadrat. Und darauf sind wir schließlich angewiesen, auch wegen des Kartenverkaufs und den Zugang zu möglichen Sponsoren.Ich glaube, man kann in Bottrop nichts am Kulturamt vorbei auf die Wege bringen. Und: Wir haben ja auch kein professionelles Management, nur den Förderverein, der uns bei der Organisation hilft.

Wieviel „Bottrop“ ist denn noch im Bottroper Kammerorchester?

Die Zusammensetzung hat sich im Lauf der Jahre immer geändert. Es spielen Musiker aus ganz NRW bei uns. Für das aktuelle Projekt habe ich allerdings überwiegend Instrumentalisten aus Salzburg dabei,von denen einige bereits mit dem Komponisten der Oper „Infinito nero“, Salvatore Sciarrino, zusammengearbeitet haben. Ich glaube, wir haben ein sehr kompetentes Ensemble hierfür zusammen bekommen.