KAB besucht die Moschee an der Prosperstraße

Interessiert verfolgten die Besucher das Geschehen in der Moschee.
Interessiert verfolgten die Besucher das Geschehen in der Moschee.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) Nikolaus Groß besichtigt Moschee an der Prosperstraße. Nach dem Besuch der Gebetszeit findet reger Austausch statt.

Bottrop..  „Was bedeutet eine Moschee eigentlich? Wie denken die Mitbürger anderer Gemeinden?“ Diese Fragen stellt sich Günter Hoffjan von der KAB Nikolaus Groß vor der Besichtigung der Moschee Merkez Camii an der Prosperstraße.

Von Grund auf neu gebaut

Er und ein Dutzend weitere Mitglieder sind gespannt auf die Besichtigung und Informationen. Die Moschee wird oft „Hinterhof-Moschee“ genannt, da sie von der Straße nicht zu sehen ist. Das Gebäude, so erzählt die Dialogbeauftragte der Ditib-Moschee Sari Kayabasi, wurde von Grund auf neu gebaut.

Nun heißt es Schuhe ausziehen, das Gebäude zuerst mit dem rechten Fuß betreten, sich um 180 Grad drehen und die Schuhe aufheben. Als die Gruppe die sehr geräumige Moschee betritt, hat die Gebetszeit schon angefangen. Rund 50 männliche Muslime sitzen auf dem Boden oder an der Wand angelehnt. Es gibt vier Etagen, die Frauen beten auf den oberen. „Fünf Mal am Tag müssen wir Muslime beten, davor erfolgt immer eine Waschung. Das bedeutet, dass wir uns eine Stunde am Tag Gott widmen und aus dem Alltag zurückziehen“, erfährt die Gruppe später von Kayabasi. Der Imam (Religionsbeauftragter) betet vor der Gebetsnische, in der sich ein Tor befindet, das immer in Richtung Kaaba in Saudi-Arabien gerichtet ist. An der Wand sind bunte Muster, kalligrafische Schriftzüge und Tulpen, die für Gott stehen. Arabische Bittgebete, die schon in der Kindheit gelernt wurden, werden beim Niederknien und Aufstehen vor Gott rezitiert.

„Die Gemeinde besteht aus circa 2000 Personen“, sagt Ramazan Korkmaz, Mitglied im Integrationsrat. Es finden sehr viele außerkirchliche Veranstaltungen statt, so berichtet er weiter. Neben der Koranlehre treffe man sich, um über Erziehung oder gesundheitliche Themen zu sprechen. Nachbarschaftshilfe, so Kayabasi, wird im Islam ganz groß geschrieben. „Das ist ja bei uns Christen ähnlich“, hört man eine Frau aus der Gruppe sagen.

Es kommt die Frage auf, warum Männer und Frauen getrennt beten. „Wenn die Frauen sich vor den Männern herunterbeugen, lenkt sie das zu sehr ab.“ Die Antwort sorgt für zustimmendes Lachen. Das Frauenbild ist ein Thema, das viele in der Gruppe interessiert. Die Frau habe mehr Rechte als Männer, könne ihren Lohn für sich behalten, habe ein Anspruch auf das Erbe und müsse auch nicht die Schwiegereltern versorgen. „Im Koran steht: Das Paradies liegt unter den Füßen eurer Mütter. Und genauso ist es auch“, betont Korkmaz.

Auch zum Kopftuch kommen Fragen. „Es dient dem Schutz von Haaren, Hals und Dekolleté, die als erogene Zonen gelten, und sehr viele Jugendliche tragen es freiwillig“, informiert die redegewandte Kayabasi. Dass einige junge Mädchen einen kurzen Rock, hohe Schuhe und Kopftuch tragen, sei eher eine Modewelle. Und ein Zeichen, um zu sagen: Ich habe die Freiheit, ich kann machen, was ich will. Bei der Gruppe besteht so viel Interesse, dass der Austausch anschließend beim Tee noch lange fortgeführt wird.