Jungs toben mit Montessori-Kindern

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Kuchen backen und Torten verzieren – nicht eigentlich ein typischer Frauenberuf? „Naaaaja...“, zweifelt Maja Tennagels vom Vestischen Gymnasium. Die 14-Jährige hat im Rahmen des diesjährigen „Girls’ und Boys’ Day“ in der Küche des Gasthofs Berger in Feldhausen ausgeholfen und weiß: Konditor kann eine ganz schöne Knochenarbeit sein. „Um den Teig zu rollen, braucht man ordentlich Power“, sagt sie. „Ich wusste, dass es so anstrengend wird.“

Theo Bertelwick Vater des Geschäftsführers, findet allerdings, dass Maja und ihre Freundin Antonia (14) sich wunderbar schlagen: „Man merkt, dass sie aus Kirchhellen kommen“, sagt er. Hier werde in vielen Haushalten noch selbst gebacken, statt den Kuchen beim Bäcker nebenan einzukaufen. „Aus der Stadt sind viele geschockt, wenn sie sehen, was dazugehört 20 Torten am Tag zu backen.“ Denn erst einmal müssen 60 Eier für den Boden getrennt werden. „Konditor zu sein bedeutet nicht nur Torten mit schöner Glasur zu schmücken.“

In der Küche beruflich erfüllt

Maja und Antonia jedenfalls backen nicht nur selbst gerne zusammen in ihrer Freizeit, sondern glauben später mit Schneebesen und Teigrolle auch beruflich erfüllt zu sein. „Wir könnten uns auf jeden Fall vorstellen, hier zu arbeiten“, stimmen die beiden Freundinnen überein.

Fabian Künstel dagegen ist sich nicht sicher, dass der Erzieherberuf bei ihm später in die engere Auswahl kommen wird. Respekt für die Arbeit in der Frauendomäne Kindertagesstätte hat der 14-Jährige trotzdem bekommen. „Das ist ganz schön anstrengend. Man ist schnell überfordert, wenn drei Kinder gleichzeitig nach Aufmerksamkeit verlangen“, gibt Fabian zu, der sich am „Girls’ und Boys’ Day“ gemeinsam mit seinen Mitschülern Niklas Luerweg (14) und Jan-Christoph Voelkel (15) ins Montessori-Kinderhaus gewagt hat.

Am Ende war es für die Jungs aus dem Vestischen Gymnasium aber doch einfacher gedacht. „Die Kinder nehmen uns als Autoritätspersonen wahr“, erzählt Jan-Christoph, der einst selbst seine Vormittage in dem Kinderhaus verbrachte und deshalb mit den Montessori-Materialien vertraut ist.

Für Fabian waren die auf Sinneserfahrung oder mathematisches Denken ausgerichteten Lehrmaterialien dagegen etwas völlig Neues. Als ein Junge mit ihm einen Turm bauen wollte, dessen zusammengehörende Teile sich ausschließlich ertasten ließen, war er zunächst etwas überrascht. „Aber dann bin ich doch flott reingekommen.“

Für die Betreuung der Montessori-Kinder interessiert hatte sich Fabian übrigens, weil seine Mutter schwanger ist. „Ich wollte mich auf den Nachwuchs vorbereiten“, verrät er. Sollte Fabian später nicht als Erzieher arbeiten – für seine künftige Rolle als großer Bruder hat er sicher etwas dazu gelernt.