Jeder Tag im Schichtdienst ist eine Bewerbung

Bei einer Übung in einem der alten Häuser an der Robert-Brenner-Straße mussten die beiden Brandmeister-Anwärter – zu ihrer eigenen Überraschung – eine Person retten.
Bei einer Übung in einem der alten Häuser an der Robert-Brenner-Straße mussten die beiden Brandmeister-Anwärter – zu ihrer eigenen Überraschung – eine Person retten.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Brandmeister-Anwärter haben ihre Ausbildung zum Rettungssanitäter geschafft. Jetzt steigen sie voll in den Feuerwehr-Alltag ein. Ein Rückblick auf 2014 und ein Ausblick auf 2015.

Bottrop..  „Man kann so viel erzählen, was sonst kein Mensch erlebt.“ Denis Wala und Michael Trommeshauser wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen, wenn sie ihr Jahr Revue passieren lassen. Einig sind sich die Brandmeister-Anwärter in einem Punkt: „Es waren überwiegend positive Erlebnisse.“ Zumal ihr Jahr – und das ihrer Kollegen – mit einer guten Nachricht endete. Alle acht Anwärter der Bottroper Feuerwehr haben ihre Ausbildung zum Rettungssanitäter erfolgreich abgeschlossen. Damit hat der Jahrgang wieder eine Hürde genommen. Jetzt dürfen sie sich erholen und durchschnaufen. Urlaub steht an.

Danach geht es nahtlos weiter – Wachpraktikum. Also im Prinzip das, was Wala und Trommeshauser als Teil ihrer Ausbildung zum Sänitäter auch in den vergangenen vier Wochen gemacht haben. Der normale Feuerwehr-Alltag auf der Wache – in 24-Stunden-Schichten. Nur dass sie diesmal einer anderen Schicht zugeordnete werden und nicht nur Einsätze in Weiß – also auf dem Rettungswagen – fahren werden. Auch Einsätze in Blau, so nennen Feuerwehrleute die Brandeinsätze, stehen an. Und natürlich wieder jede Menge Lernstoff. Wie ist der Löschzug organisiert? Wie sind die Fahrzeuge besetzt. Was muss man im Einsatz im einzelnen tun? Das sind nur einige der Dinge, die im Wachpraktikum auch in der Praxis wichtig sind. Unterbrochen wird das Praktikum von verschiedenen Lehrgängen – beispielsweise an der Kettensäge.

Vor dem Praktikum haben sie Respekt. Schließlich gilt es, in der Schicht einen guten Eindruck zu hinterlassen. „Man gibt jeden Tag eine Bewerbung ab“, sagt Trommeshauser. Denn nach der Ausbildung sollen die Anwärter in einer der drei Wachabteilungen eingesetzt werden. Deshalb durchlaufen sie jede Abteilung einmal.

Der Einstellungstest, die harte Sportprüfung – gefühlt liegt das ewig zurück. Dabei ist es erst ein gute Jahr. Im Oktober 2013 haben sich Trommeshauser, Wala und ihre Kollegen gegen 400 Bewerber durchgesetzt. Im April haben sie ihre Ausbildung begonnen. „Es ist bis heute eine tolle Zeit, actionreich, anstrengend und interessant“, sagt Wala. und Trommeshauser nickt. „Die eigentlichen Höhepunkte sind die kleinen Ziele, die man sich immer wieder setzt“, so Wala weiter. Hier eine bestandene Prüfung oder ein erfolgreicher Test oder ein neuer Handgriff, den man gelernt hat, all das können Erfolgserlebnisse sein.

Keine Sehnsucht nach den alten Jobs

Dass sie ihren alten Job für die Chance bei der Feuerwehr aufgegeben haben – beide haben es bisher nicht bereut. „Der Umgang mit den Kollegen ist ganz anders. Hier haben alle das gleiche Ziel und ein Rädchen greift ins andere“, schwärmt Michael Trommeshauser, der zuvor in der Werkstatt eines Nahverkehrsunternehmens gearbeitet hat. Dort habe man in der Regel seinen Auftrag allein abgearbeitet und die Kollegen höchstens in der Pause gesehen.

Auch Denis Wala lobt: Hier sei jeder Tag anders. „Es gibt so viele Situationen, da finde ich die abwechslungsreiche Arbeit viel besser als früher meinen alten Job.“ Er hat bei einem Pumpenhersteller gearbeitet.

Dabei haben die beiden in den ersten Feuerwehrmonaten auch gelernt: „Feuerwehr, das ist Zuckerbrot und Peitsche.“ Wenn alles gut läuft, gibt es auch mal Belohnungen, wenn nicht kann es unangenehm werden. Als Gruppe seien die Brandmeisteranwärter in der Zeit gut zusammen gewachsen. „Und seit dem Ende der Grundausbildung dürfen wir auch die Ausbilder duzen.“