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Kultur: Orgel plus

Jazzige Seufzer überraschen beim Ave Maria

05.01.2016 | 18:40 Uhr
Jazzige Seufzer überraschen beim Ave Maria
Orgel plus Posaune: Elmar Lehnen (Orgel) und Hansjörg Fink (Posaune) spielen in der St. Joseph-Kirche in Bottrop.Foto: Michael Korte

Bottrop.  Festival: Orgel plus... Posaune: Elmar Lehnen und Hansjörg Fink spielten „Klangbilder Marianischer Choräle“ in St. Joseph

Trompete und Orgel - das gilt gemeinhin als die klassische Kombination. Aber „Orgel plus“ würde seinem Namen (und seit vielen Jahren auch seinem Ruf) nicht gerecht, stellte das in Bottrop konzipierte Festival nicht immer auch ungewöhnliche Kombinationen vor. Im vergangenen Jahr war es noch das Horn, jetzt, in St. Joseph, führten Hansjörg Fink und Elmar Lehnen Posaune und Orgel zusammen.

Dabei stellten der überwiegend als Jazz-Posaunist bekannte Fink und der Organist der Marienbasilika Kevelaer die so genannten marianischen Antiphonen in den Mittelpunkt. Die aus dem Mittelalter stammenden freien Texte und ihre einstimmigen gregorianischen Melodien, die bis heute einen festen Platz im Jahresablauf der katholischen Liturgie haben, waren über Jahrhunderte beliebte Vorlagen für Bearbeitungen. In diese Tradition reihen sich auch Fink und Lehnen ein.

Sie präsentierten einen spannenden Querschnitt durch Stile und Tonalität. Mal waren Anklänge an französische Orgelmusik und deren großen Sinfonik zu spüren - der die farbenreich disponierte Orgel und die überraschend kathedralartige Akustik der Joseph-Kirche entgegen kam.

Dann wieder spielte Fink mit Jazz-Anklängen - zum Beispiel in der „Ave Maria“-Fantasie, die beide 2014 komponierten - in der Fink der Posaune auch exaltierte Glissandi und jazzige „Seufzer“ entlockte. Letztere trieb er in seiner abschließenden Komposition „Wandelgänge“ in seinen Improvisationen über das „Ave regina caelorum“ auf die Spitze, die jeden Jazzer zur Ehre gereicht hätte und in manchen Augenblicken sogar an die menschliche Stimme denken ließ.

Bei allen spektakulären Effekten, wie zum Beispiel hüpfend-tänzerischen Linien im österlichen „Regina caeli“oder steten Wechseln in der Melodieführung zwischen Orgel und Posaune, überraschte das Programm durchaus auch über weite Strecken durch seinen meditativen Charakter - trotz zuweilen kleiner Intonationstrübung der Posaune. Aber auch ein Wiedererkennen der zu Grunde liegenden melodischen Materials war - in stets unterschiedlich „beleuchteter“ Weise - gegeben. Und das war es, was zwischendurch auch immer wieder ein Lächeln - oder war es Augenzwinkern? - spüren ließ, das von der Empore ins gut gefüllte Kirchenschiff übersprang.

Dirk Aschendorf

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2016-01-05 18:40
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