Instrumente satt, Lehrer Mangelware
24.08.2010 | 16:31 Uhr 2010-08-24T16:31:00+0200
Bottrop.Jedem Kind sein Instrument - das war im Jahr 2007 das hehre Ziel von Nordrhein-Westfalens Ex-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Wirklich jedes Kind erreicht das JeKi-Projekt zwar nicht.
Doch immerhin 733 Schüler werden im beginnenden Schuljahr von der Musikschule Bottrop mit Instrumenten ausgerüstet. Die Koordinatoren stoßen damit an ihre Grenzen.
193 Instrumente lagern noch in den Räumen der Musikschule. Nächste Woche werden die Gitarren, Keyboards, Geigen, Quer- und Blockflöten den teilnehmenden Zweitklässlern übergeben. Die Schüler konnten in der ersten Klasse im Rahmen des Regelunterrichts verschiedene Instrumente ausprobieren und sich dann bis zu den Osterferien dafür entscheiden, eines von 15 Instrumenten mit Hilfe eines Musikschullehrers in Kleingruppen zu lernen.
Die Instrumente, die als Leihgabe von den Kindern mit nach Hause genommen werden dürfen, werden zur Hälfte von der Stiftung „Jedem Kind sein Instrument“ finanziert. Die restlichen Kosten übernehmen die Stadt Bottrop und weitere Sponsoren. Die Stiftungsgelder für das Projekt fließen noch bis zum Ablauf des Schuljahrs im Sommer 2011. Die neue Landesregierung muss entscheiden, was dann passiert. „Im Ruhrgebiet nehmen über 45 000 Kinder an dem Projekt teil. Die kann man nicht einfach im Regen stehen lassen. Es muss also irgendwie weitergehen“, zeigt sich Musikschulmitarbeiterin Monika Knorr zuversichtlich.
Von 350 ehemaligen i-Männchen haben sich 193 entschieden, ein Instrument zu lernen - die meisten wollen Gitarre spielen. „Jede Weitermachquote über 50 Prozent ist gut“, sagt Knorr im Vergleich zu anderen Städten. Die Teilnehmerzahlen reduzieren sich allerdings mit den Jahren: In Bottrop spielen noch 73 Drittklässler und nur 32 Viertklässler ihr Jeki-Instrument.
Trotzdem gelangt die Musikschule an ihre Kapazitätsgrenze. Das Problem ist nicht die Finanzierung. „Die Instrumente werden so beschafft, wie sie gebraucht werden. Theoretisch könnte also wirklich jedes Kind ein Instrument bekommen“, sagt Knorr. Statt des Geldes werden die Musiklehrer knapp. „Wir haben schon in diesem Jahr eigentlich nicht genügend Lehrer. Besonders Gitarren- und Geigenlehrer sind Mangelware“, erklärt Knorr.
Und die Kinder? „Die Gruppen gehen in einem Jahr schnell auseinander, weil die Motivation der Schüler ganz unterschiedlich ist. Viele Kinder verlieren die Lust, andere sind in die Musikschule gewechselt, um Einzelförderung in Anspruch zu nehmen“, so Knorr. Grundsätzlich würden die acht teilnehmenden Bottroper Grundschulen und die hinzugekommene Förderschule aber eine positive Auswirkung auf das Sozialverhalten der Kinder feststellen. Da sich das Projekt vor allem auf förderungswürdige Stadtteile konzentriert, erreiche das Angebot Knorr zufolge viele Familien, die unter anderen Umständen „nie in die Musikschule gekommen wären“.
12:07
dann hätte die waz aber auch fairerweise die wahrheit über jeki in bottrop schreiben müssen. denn die ist,falls keine weiteren sponsoren für dieses projekt gefunden werden, besagtes jeki langfristig zurückgefahren wird. haushalts etat sitzung 6.01.10 AMEN.
19:13
Man sollte besser dafür sorgen, dass jedes Kind in einem Sportverein aktiv ist als den Kindern Instrumente aufzuzwingen, welche die Gesundheit nicht fördern