Innovation auf dem Abstellgleis
27.06.2011 | 17:33 Uhr 2011-06-27T17:33:00+0200
Bottrop. Dass die Stadt im Besitz eines Bahngleises ist, auf dem sich vor vielen Jahren der Güterverkehr zwischen dem Bahnhof Bottrop-Süd und dem Industriegebiet „Am Kruppwald“ abspielte, hatte auch der ehemalige Technische Beigeordnete und heutige Oberbürgermeister Bernd Tischler nicht mehr präsent. Umso erfreuter zeigte er sich, als er dieses alte Gleis jetzt reaktivierten konnte.
Zumindest einen Teil davon. Denn der Logistik-Dienstleister „AStrans Waggon & Transport“ mit Sitz An der Knippenburg kann rund 200 Meter der alten Trasse gut gebrauchen. „Es ist unser Ziel, den Güterverkehr auf der Schiene stetig auszubauen“, kündigte Anton Schmirler an. Der ehemalige Seniorchef des Unternehmens („Ich bin heute nur noch als Berater tätig“) hatte den „Deal“ zwischen Stadt und AStrans eingefädelt. Denn in der Unternehmenspraxis hatte sich gezeigt, dass „ein Teil der Bahnwaggons, die europaweit eingesetzt werden, am Umschlagplatz Südbahnhof manchmal im Weg stehen und nun auf dem reaktivierten Gleis abgestellt werden können“. Dabei geht Schmirler in Gedanken schon einen Schritt weiter: Sollte der Bedarf wachsen, könnte auch das gesamte Gleis wieder für das Gewerbegebiet nutzbar gemacht werden. Dazu müsste die restliche, überwucherte Trasse aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden.
Für den OB fügt sich dieses Projekt in einen größeren Rahmen. „Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie kleine Bausteine dem großen Ziel der Innovation City dienen, die Stadt klimafreundlich zu gestalten. Denn jede Tonne Fracht, die von der Straße auf die Schiene kommt, trägt dazu bei.“ So verstehe sich auch sein Appell an alle Bottroper Unternehmen, im Bedarfsfall den Schienenverkehr stärker als bisher ins Kalkül zu ziehen.
Die beteiligten Fachämter Wirtschaftsförderung, Tiefbau und Grünflächen waren dem Wunsch der AStrans gerne und schnell entgegen gekommen. Schließlich steht für die Stadt in Aussicht, das Gleisstück aus der eigenen in die privatwirtschaftliche Pflege geben zu können, was Aufwand und Geld spart. Tischler hatte das Projekt außerdem zur Chefsache gemacht.
17:50
#2 ...was ist daran so schwer verständlich, dass ein Ausbau der Schieneninfrastruktur die Verlagerung von Güterverkehr von der Straße auf die Schiene ermöglicht?! Letztere ermöglicht bei weit geringerem Flächen- und Energiebedarf gegenüber der Straße die gleiche Transportleistung. Nur haben 50 Jahre lang Lobbyisten die Schiene ins Abseits gestellt und einseitig den Straßentransport gefördert und gefordert. Dass es auch anders geht, zeigt die Schweiz, wo die Bahn einen weit höheren Transportanteil hat. Doch niemand dort muss verdorbene Speisen essen oder Zeitungen von gestern lesen, wie uns besagte Lobbyisten einreden wollen, um Stimmung gegen das Transportmittel Bahn zu machen. Und DAS scheint ja äußerst hip zu sein...
10:18
Die Freigabe von 200 m Gleis zum Abstellen von Waggons wird also als Beitrag zu Innovation City gefeiert!??? Mit viel Phanatasie kann man vermutlich künftig jede Handlung irgendwie als Beitrag zu Inovvation City umdeuten und verkaufen. Will man uns Bürger eigentlich veräppeln? Ansonsten können wir uns ja glücklich wähnen, in einer Stadt zu wohnen, in der es offenbar keine dringenderen Probleme gibt, die man evtl. zur Chefsache machen müsste. Wenn das die nächsten 10 Jahre so weitergeht....
09:24
schade, dass Herr Tischler sich nicht auch mal um unsere lebendige Zukunft kümmert. hoffentlich arrangiert er sich auch mal für unser Kindergärten. dort gibt es auch sehr viel handlungsbedarf