In engen Wohnstraßen leistet die Wehr oft Millimeterarbeit

Norbert Fockenberg dirigiert seinen Kollegen Jan
Norbert Fockenberg dirigiert seinen Kollegen Jan
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
In engen Wohngebieten versperren gedankenlose Autofahrer immer wieder den Weg. Für Retter geht es in solchen Situationen nur im Schritttempo voran.

Bottrop.. Jan Lux stoppt. Hier ist vorerst Endstation für die Drehleiter der Feuerwehr am Hansiepenbusch. Beifahrer Norbert Fockenberg steigt aus, gibt Handzeichen. Stück für Stück manövriert Lux den Leiterwagen durch den Engpass. Millimeterarbeit. An schnelle Einsatzfahrten ist in dem Moment nicht zu denken Stattdessen geht es nur stückweise vorwärts. Auf der einen Seite parkt ein Mercedes, die andere Seite ist blockiert durch einen VW Golf, der entgegen der Fahrtrichtung steht.

Zwar stehen die beiden Autos nicht auf gleicher Höhe aber der Versatz zwischen ihnen ist für das Einsatzfahrzeug viel zu eng. Ein normaler PKW hätte diese Hürde locker genommen. Doch mit 2,55 Meter Breite, entsprechender Länge und dem daraus resultierenden Kurvenradius wird der vermeintlich ausreichende Platz zum Nadelöhr. Kein Vonderorter Phänomen, die Wohngebiete sind austauschbar. Auch in der Benzstraße muss Fockenberg aussteigen und dirigieren. Das erregt Aufsehen, Haustüren öffnen sich, Anwohner linsen neugierig hinaus – und mancher dürfte insgeheim froh sein, dass es nicht das eigene Auto ist, das im Weg steht.

Auch die Müllabfuhr hat damit zu kämpfen

Das einigen Autofahrern beim Parken an der Straße das Gefühl für die Größe von LKW fehlt, ist ein Problem, das nicht nur die Feuerwehr kennt. Auch die Müllabfuhr hat damit immer mal wieder zu kämpfen. Absicht unterstellt Feuerwehrsprecher Christoph Lang niemandem. Stattdessen gehe es darum, ein Bewusstsein für die Anforderungen der Feuerwehr zu wecken. Denn nicht nur das zu enge Parken ist ein Problem. Lang verweist auf den langen Radstand der Feuerwehrwagen. Damit verbunden ist ein großer Kurvenradius. Parken Autofahrer zu dicht an Einmündungen, stellt auch das die Feuerwehr vor Herausforderungen.

Zu beobachten ist das an der Bothenstraße. Links und rechts der kleinen Einbahnstraße stehen höhere Mehrfamilienhäuser, wenn es hier brennt, muss die Drehleiter dabei sein. Doch bevor Lux das schwere Gefährt in die Straße manövrieren kann, muss Fockenberg schon wieder aussteigen und ihn einweisen. Vorne kommt das Straßenschild dem Korb der Drehleiter bedrohlich nahe, gleichzeitig müssen Lanfermann und Lux an zwei weiteren Stellen aufpassen. Der mittlere Teil des LKW kommt dem Heck eines rechtsparkenden PKW bedrohlich nahe, die Front einem links parkenden. Ähnlich war das Bild auch beim Abbiegen vom Wilmkesfeld in den Fähndrichsweg. Dann wird auch klar, was Lang meint, wenn er sagt: „Oftmals liegt es gar nicht allein an einem Fahrer.“

Dafür sieht es in der Situation wieder eher nach Zeitlupe als nach flotter Blaulichtfahrt aus. „So ist es dann auch im Einsatz. Solche Stellen können wir nur ganz langsam durchfahren und der Kollege muss den Fahrer einweisen“, sagt Christoph Lang. Dabei zählt in solchen Fällen jede Sekunde.

Drei Meter Platz

Wie viel Platz braucht die Feuerwehr denn nun? In der Straßenverkehrsordnung findet sich zu dem Thema nichts, sie untersagt lediglich das Halten und Parken an engen unübersichtlichen Stellen. Christoph Lang verweist in dem Fall auf die baulichen Vorschriften für Feuerwehrzufahrten. Die müssen drei Meter breit sein. Denn, so gibt Lang zu Bedenken, im Einsatzfalle müsse ja auch noch genügend Platz da sein, um die seitlichen Stützen der Drehleiter auszufahren. In Kurven brauchen die Einsatzfahrzeuge – je nach Kurvenradius – eine Mindestbreite von fünf Metern, so die Bauvorschrift.

Was das Parken im Bereich von Kurven angeht: Hier schreibt die Straßenverkehrsordnung einen Abstand von bis zu fünf Metern vor.

Und was macht die Feuerwehr, wenn sie mal gar nicht durchkommt? Lang: „Im Extremfall setzen wir zurück, versuchen anders anzufahren. Oder wir schalten die Sirene ein, bis jemand reagiert.“ Er habe bisher nicht erlebt, das Autos beiseite getragen würden, wie es in anderen Städten vorkomme.