In den Bottroper Stadtteilen muss die Infrastruktur stimmen

In Vonderort bauen die Malteser rund um die Kirche St. Suitbert ein Wohn- und Pflegeheim mit 90 Plätzen, das im Herbst fertig werden soll.
In Vonderort bauen die Malteser rund um die Kirche St. Suitbert ein Wohn- und Pflegeheim mit 90 Plätzen, das im Herbst fertig werden soll.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Jutta Pfingsten vom Seniorenbeirat plädiert dafür, in den Quartieren für eine gute Nahversorgung zusätzlich zu den barrierefreien Wohnungen zu sorgen.

Bottrop..  „Wichtig ist nicht nur allein das seniorengerechte Wohnen, auch die Infrastruktur muss stimmen. Als Seniorenbeirat müssen wir da genau hingucken“, erklärt Jutta Pfingsten, die Vorsitzende des Bottroper Seniorenbeirates. Wie gut lebt eigentlich eine immer älter werdende Bevölkerung noch in ihrer Stadt? Diese Frage treibt die Kommunen im ganzen Land um.

Öffentlicher Nahverkehr wichtig

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„Seniorenwohnungen entstehen ringsherum um die Stadtmitte“, hat die Vorsitzende des Seniorenbeirates beobachtet. „Die Menschen ziehen dahin, wo es Infrastruktur gibt, wo ihre Versorgung gesichert ist.“ Dazu gehört der öffentliche Nahverkehr, mit dem man schnell und sicher überall hinfahren kann. Dazu gehören Ärzte in erreichbarer Nähe und dazu gehören Geschäfte, in denen man seinen täglichen Bedarf decken kann.

Schon jetzt stimme die Infrastruktur in einigen Stadtteilen Bottrops nicht mehr, klagt Jutta Pfingsten und nennt als Beispiel Vonderort. Vom Bau der Seniorenwohnanlagen rund um die Kirche St. Suitbert erhoffe man sich einen neuen Impuls. Auch der Lebensmittelhandel beispielsweise müsse sich auf den demografischen Wandel einstellen, appelliert Pfingsten und plädiert für ganz neue Wege.

Einer wäre, Kunden mit einem Sammelbus von zu Hause abzuholen und zum Einkaufen zu fahren. Eine bessere Lösung, als telefonisch im Supermarkt seine Waren zu bestellen und sie sich gegen Aufpreis nach Hause liefern zu lassen, findet die Vorsitzende des Seniorenbeirates: „Die Menschen wollen auch wenn sie älter sind, gerne noch selber durch den Supermarkt gehen, gucken und auswählen.“ Wichtig sei das auch, um weiterhin soziale Kontakte zu pflegen. Das gilt auch für das tägliche Mittagessen. Anstatt täglich „Essen auf Rädern“ zu beziehen könne es für ältere Menschen viel besser sein, zum Mittagessen außer Haus zu gehen beispielsweise in die Cafeteria eines nahegelegenen Pflegeheims und dort in Gesellschaft mit vielen anderen zu essen.

So etwas wie einen „Flickenteppich“ erkennt Jutta Pfingsten, wenn sie Bottrop aus der Sicht des Seniorenbeirates betrachtet. „Die Stadt befindet sich im Wandel, das ist eine Herausforderung.“ Dabei seien Stadt und Stadtplanung an vielen Stellen allerdings nur Moderator. Es bedürfe vieler kleiner Schritte und guten Willens von vielen Seiten, um Stadtquartiere lebenswert für alle Generationen zu machen.

Mitglied im Planungsausschuss

Da bezieht Jutta Pfingsten ausdrücklich auch junge Familien mit ein, für die eine gute Nahversorgung ebenso wichtig sei wie für Senioren. Bei der Stadtplanung müssten deshalb möglichst viele Akteure aus dem Quartier an einen Tisch geholt werden, um gemeinsam zu überlegen, wie man einen Stadtteil weiter entwickeln kann. Als Vorsitzende des Seniorenbeirates ist sie froh, zugleich auch Mitglied im Planungsausschuss zu sein, um dort frühzeitig die Interessen der älteren Bevölkerung einbringen zu können.