In Bottrop legen Wilderer auf Rehe an

Nehmen Wilderer in den hiesigen Wäldern Rehe ins Visier? Dem Vorstand der Jägerschaft ist das zu Ohren gekommen, und den Jagdpächtern kommt der Rückgang an Rehwild verdächtig vor.
Nehmen Wilderer in den hiesigen Wäldern Rehe ins Visier? Dem Vorstand der Jägerschaft ist das zu Ohren gekommen, und den Jagdpächtern kommt der Rückgang an Rehwild verdächtig vor.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Den Jagdpächtern kommt der Rückgang des Wildes in ihren Revieren verdächtig vor. Nachbarnerzählen einander von Schüssen in der Nacht. Polizei ermittelte.

Bottrop..  Da hallen doch Schüsse durch die Nacht! Nachbarn haben sie gehört und erzählen einander davon. Seit Monaten geht das schon so. Jäger können das eigentlich ja nicht sein. Sie dürfen in der Dunkelheit jetzt ja nicht auf Rehe schießen. Doch in den Jagdrevieren in Kirchhellen, Gladbeck, Dorsten, und Scholven ist das Rehwild auffällig unruhig und an jenen Stellen, die sonst dafür bekannt sind, auch kaum noch zu sehen. Schießen in den Wäldern etwa Jagdwilderer Rehe und auch Wildschweine ab?

Noch ist das für die Bottroper Jägerschaft offiziell nur Hörensagen. „Mir ist ein Fall von Wilderei zu Ohren gekommen, der nicht nur Kirchhellen betrifft, sondern auch andere Reviere“, sagt Peter Kleimann, stellvertretender Vorsitzender der Bottroper Jägerschaft. „Das sind aber Mutmaßungen. Ob das so war, muss die Polizei klären“, betont er.

Unter den Jägern lösen Wilderer mit ihrem illegalen Treiben jedenfalls Empörung und Proteste aus. „Einer, der Mein und Dein nicht unterscheiden kann, hätte in unseren Reihen nichts mehr zu suchen“, versichert Kleimann. Das Wild in den Wäldern sei Allgemeingut. „So lange sie leben, sind zum Beispiel die Rehe herrenlos“, erklärt Kirchhellens Hegeringleiter, doch wenn Jäger die Tiere zur Strecke gebracht haben, gehören diese den jeweiligen Pächtern der Jagdreviere. Auch Ramona Hörst, Sprecherin des Polizeipräsidiums in Recklinghausen, erklärt: „Jagdwilderei ist eine Straftat“. Das Polizeipräsidium in Gelsenkirchen wiederum bestätigt, dass die Kriminalpolizei gegen einen 18-jährigen Gelsenkirchener ermittelt hat. Der junge Mann soll auf einem Bauernhof in Kirchhellen arbeiten, wird berichtet. Gegen ihn liege eine Strafanzeige vor: Der 18-Jährige wird beschuldigt, in verbotener Weise Rehwild geschossen zu haben. Der Fall liege bei der Staatsanwaltschaft, sagte ein Polizeisprecher. Der Jagdwilderei verdächtigt wird außerdem ein junger Mann aus Kirchhellen.

Abschusslisten

Der Wilderei schuldig machen können sich übrigens auch Autofahrer. „Wenn sie ein Reh totfahren und es in den Kofferraum packen, sind sie Wilderer“, erklärt Hegeringleiter Kleimann. Seit Mitte Januar hat das Rehwild Schonzeit. Bis Ende des vorigen Jahres galten für die Jäger die Abschusspläne, die von den Förstern des Regionalverbands Ruhr für einen Zeitraum von gut drei Jahren aufgestellt werden.

Förster können anhand von Verbissspuren in den Wäldern ermessen, ob der Rehwildbestand zu hoch ist. „Die Jagdpächter wissen daher ganz gut, wie viel Rehwild sie in den Revieren haben“, erläutert Kleimann. Außerdem führen die Jäger Listen darüber, wie viele Wildtiere sie zur Strecke gebracht haben. Fürs Rehwild fallen die Abschlusspläne nach dem neuen Jagdrecht aber weg, so der Jäger.