In Bottrop im Fokus - die Kinder abhängiger Eltern

Die blaue Flüssigkeit in dem Becher auf dem Tablett ist Methadon. Es wird als Ersatzmittel für Heroin eingesetzt.
Die blaue Flüssigkeit in dem Becher auf dem Tablett ist Methadon. Es wird als Ersatzmittel für Heroin eingesetzt.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Um die 600 bis 700 Heroinabhängige gibt es in Bottrop. In einer Fachtagung soll jetzt die Situation von Kindern abhängiger Eltern beleuchtet werden.

Bottrop.. Im „Netzwerk Frühe Hilfe Bottrop“ rücken seit Ende 2012 Akteure der Gesundheits- und der Jugendhilfe enger zusammen – zum Schutze und Wohle der Kinder in der Stadt. Ein Thema, bei dem eine enge Verzahnung verschiedenster Bereiche wesentlich ist, steht nun im Fokus einer Fachtagung. Es geht um die Lebenssituation von Kindern und ihren heroinabhängigen Eltern – sowie die Möglichkeiten, sie zu unterstützen.

Rund 600 bis 700 Heroinkonsumenten gibt es in Bottrop. Ein großer Teil wird über niedergelassene Ärzte mit einer Ersatzdroge wie Methadon behandelt; die Veranstalter der Fachtagung (Jugendamt, Gesundheitsamt, Jugendhilfe Bottrop e.V.) sprechen von rund 300 so genannten Substitutionsbehandlungen jährlich. Mehr als ein Drittel der Heroinkonsumenten lebe mit Kindern in einem Haushalt.

Zum Teil – wenn er z.B. über Ärzte oder Gesundheitsamt informiert wurde – nimmt der Allgemeine Soziale Dienst schon während der Schwangerschaft Kontakt zur werdenden, suchtkranken Mutter auf. „Gegebenenfalls kann die Familienhebamme dann schon einsteigen“, sagt Astrid Bernatzki, Teamleiterin Allgemeiner Sozialer Dienst. Wird eine Schwangere mit einer Ersatzdroge behandelt, kommt entsprechend der niedergelassene Arzt mit ins Boot. „Heroinabhängige versuchen wir möglichst früh zur Drogenberatung zu vermitteln. Eventuell kann eine Substitution eingeleitet werden“, so Bernatzki weiter.

Dr. Oliver Hendricks, Oberarzt an der Kinderklinik des Marienhospitals, weiß zu schätzen, wenn das Krankenhaus schon vor der Geburt über die Suchtkrankheit der Schwangeren Bescheid weiß. Das Neugeborene muss unter ärztlicher Aufsicht einen Entzug machen – „dieser wird mit Medikamenten abgemildert“. Außerdem können Infektionen (etwa Hepatitis C) ein Problem sein.

Hat die Mutter ein Gespür für die Bedürfnisse ihres Babys?

Auf der anderen Seiten werden die Mutter bzw. die Familie immer gleich mit in den Blick genommen, schon in der Klinik kommen die Frühen Hilfen ins Spiel, werden entsprechende Gespräche geführt. So wird geschaut: Hat die Mutter ein Gespür für die Bedürfnisse ihres Neugeborenen? Oder gibt es Probleme im Zusammenspiel der beiden?

„Es gibt ambulante oder stationäre Hilfen für Mutter und Kind, um die Situation zu stabilisieren und das Wohl des Kindes im Auge zu behalten“, sagt Elisabeth Kößmeier, Abteilungsleiterin im Fachbereich Jugend und Schule. Eine Begleitung der Familie ist über das Säuglingsalter hinaus möglich.

Bedeutung für das Kindeswohl

Man sieht: Die unterschiedlichen Fachdisziplinen greifen hier ineinander. Sie kommen auch bei der Fachtagung „Heroinkonsum und Substitution – Bedeutung für das Kindeswohl“ am 11. März im Berufskolleg zu Wort. Dazu gibt es über 130 Anmeldungen aus der Medizin, der Drogenhilfe und der Jugendhilfe. Ganz wichtig ist den Veranstaltern der Austausch der Teilnehmer untereinander.