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Im Grünen wird das Sparen sichtbar

31.01.2016 | 09:00 Uhr
Im Grünen wird das Sparen sichtbar
Stefan Beckmann (l.) und Ulrich Kollath vom Fachbereich Umwelt und Grün vor eine Pflegekarte.Foto: Winfried Labus

Bottrop.   Bürger sehen im Stadtgrün die Visitenkarte der Stadt und ärgern sich über nachlässige Pflege. 75 Mitarbeiter sind für 800 Hektar Fläche zuständig.

Gemähte Rasenflächen, hübsch bepflanzte Beete und gut gepflegte, saubere Wege – sie sind ein Aushängeschild für eine Stadt. Viele Bürger wünschen sich, dass die Grünanlagen entsprechend aussehen. Doch dieses Ideal deckt sich an vielen Stellen nicht mit der Realität.

Regelmäßig beschweren sich Bürger über den Zustand, in dem sich Teile der Stadt präsentieren. Einige melden sich in der Lokalredaktion, andere wenden sich direkt an den städtischen Fachbereich Umwelt und Grün, wieder andere bitten Politiker um Hilfe. Immer wieder müssen sich gerade die Bezirksvertretungen mit dem Thema befassen. Klaus Kalthoff, Bürgermeister in Mitte, hat den Eindruck, dass derartige Klagen zunehmen. Gleichzeitig fehle aber das Personal, um die Aufgaben zu bewältigen, so die regelmäßige Rückmeldung. „Und das betrifft ja nicht allein die Grünpflege“, sagt Kalthoff.

Jeder ist betroffen

Auch sein Amtskollege aus dem Süden, Helmut Kucharski, weiß, wie sensibel die Bürger auf schlechte Grünpflege reagieren. „Aber wir haben als Politiker manchmal auch die Pflicht, zu sagen, dass vielleicht manches nicht mehr so geht“, sagt Kucharksi durchaus selbstkritisch. Denn in den letzten Jahren ist auch im Fachbereich Umwelt und Grün gespart worden. „Und das ist ein Bereich, da merkt jeder, dass gespart wird“, sagt Kalthoff. Anders als etwa bei steigenden Preisen für Schwimmbad oder Bücherei sind in dem Fall eben nicht nur die jeweiligen Nutzer betroffen.

Nicht erst seit dem Beitritt Bottrops zum Stärkungspakt streicht die Politik dem Fachbereich Umwelt und Grün Geld und Personal. „Das geht eigentlich schon seit Jahrzehnten“, sagt Ulrich Kollath, der für die Grünpflege verantwortliche Mann. Er verweist auf eine Organisationsuntersuchung aus dem Jahre 1988, die im Prinzip immer noch Grundlage für die Personalplanung sei. Damals habe man festgestellt, dass für die 470 Hektar Fläche, die die Stadt pflegt, 123 Mitarbeiter nötig seien. Heute pflegt der Fachbereich fast 800 Hektar in den Parks, Grünanlagen oder auf den Mittelstreifen in der Stadt – mit 75 Mitarbeitern. Waren es 1988 rund 10 000 Straßenbäume, so sind es heute 16 000. Jeder Bebauungsplan, jedes Neubaugebiet bedeute mehr zu pflegende Fläche – etwa durch Spielplätze, die einmal wöchentlich kontrolliert werden müssen. Jeder Baum muss zweimal im Jahr überprüft werden. Stufen und Geländer müssen instand gehalten, Sträucher geschnitten und Beete gepflegt werden . Je nach Jahreszeit kommt der Einsatz gegen das Laub oder Schnee und Eis hinzu. Außerdem müssen Papierkörbe geleert und Unrat beseitigt werden.

1,21 Euro pro Quadratmeter

Fachbereichsleiter Stefan Beckmann erklärt, dass die Stadt im Schnitt 1,21 Euro pro Quadratmeter zu pflegende Fläche im Jahr ausgibt. Das habe die Gemeindeprüfungsanstalt festegestellt. Nimmt man den Stadtgarten, wird dort mehr in die Pflege investiert, dafür an anderer Stelle weniger. „Aber rechnen Sie das mal auf einen Garten um.“ Gleichzeitig räumt er ein, dass die Technik die Arbeit teilweise erleichtere und effizienter mache. Etwa der Einsatz von Laubbläsern anstelle von Rechen. „Außerdem gibt es inzwischen Aufsatzmäher, die haben keinen Wendekreis, das erleichtert und beschleunigt die Arbeit auch“, ergänzt Kollath.

Zugewucherte Wege wie hier im Welheimer Park ärgern viele Bürger. Foto: Michael Korte

Doch an andere Stelle sei die Arbeit mühsamer geworden. So bei der Pflege von Schotter- und Splittwegen. Auf denen wuchert das Unkraut und muss regelmäßig entfernt werden. Über derart zugewachsene Wege im Welheimer Park hatte sich zuletzt eine Leserin geärgert. In der Vergangenheit kam die chemische Keule zum Einsatz. Heute benutze die Stadt keine Unkrautvernichtungsmittel mehr.

Das klang 1988 in dem Bericht noch ganz anders. Da wurde der Verzicht auf Unkrautvernichter kategorisch ausgeschlossen, andernfalls seien 20 zusätzliche Mitarbeiter allein für die Instandhaltung der Wege nötig. „Niemand käme heute noch auf die Idee, solche Mittel einzusetzen. Früher war man in der Beziehung schmerzfreier“, sagt Beckmann.

Keine Unkrautvernichtungsmittel

Anderswo setzt der Fachbereich auf weniger pflegeintensive Bepflanzung. „In der Vergangenheit haben wir für 20 000 Euro Sommerblumen in die Mittelstreifen der Hauptstraßen gesetzt.“ Heute wächst dort die Wildblumenwiese. Die muss, wenn alles verblüht ist, nur einmal gemäht werden.

Matthias Düngelhoff

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2016-01-31 09:00
Bottrop