Im Dorf Kirchhellen wird ganz schön verrückt gefeiert

Gleich macht es platsch. Beim  Fass-Weitwurf  geht es feucht-fröhlich zu.  Denn wenn die Werfer auf dem schwankenden Pfahl, der über einem Wasserbecken liegt, die Balance verlieren, werden sie nass.
Gleich macht es platsch. Beim Fass-Weitwurf geht es feucht-fröhlich zu. Denn wenn die Werfer auf dem schwankenden Pfahl, der über einem Wasserbecken liegt, die Balance verlieren, werden sie nass.
Foto: Winfried Labus
Was wir bereits wissen
Da fliegen Runkeln und Taschen. Das Brezelfest - eine Schnapsidee. Und dann noch die Freude am Gruseln: Ein Überblick über Kirchellens kuriose Feste.

Bottrop-Kirchhellen.. Die Kirchhellener spielen ganz schön verrückt - wenn sie denn feiern im Dorf. Ein Spektakel folgt da aufs andere. Das Runkelfest kommt daher wie das Brezelfest in klein. Auch am Gruseln-Lernen haben Tausende von Besuchern ihre helle Freude. Und auf die Goldene Handtasche finden auch nicht nur modebewusste Frauen total toll.

Und das ist unsere Hitliste der verrückten Dorffeste, die in den nächsten Wochen gefeiert werden:

Hier gibt es was vor die Rübe

Frauenpower ist auch beim kommenden Runkelfest auf dem Hof Rottmann angesagt. Kathrin I. Schäfer regiert ja als Kaiserin das bunte Völkchen in Hardinghausen. Königin war sie also schon beim Runkelfest zuvor geworden. Kaiser ist Stefan I. Dierichs.

Seit 1994 werfen die in bäuerliche Trachten gekleideten Hardinghausener schon mit Holzknüppeln auf Runkelrüben, die in drei Metern Höhe an Seilen aufgespannt sind. So kennt man sie die Kirchhellener. Die Legende besagt ja auch, dass das Runkelfest aus einer Schnapsidee bei der Mutter aller verrückten Kirchhellener Spiele entstanden sein soll: beim Brezelfest. Als seinerzeit die Brezelwache kräftig ausholte, war allerdings noch ein spontan in die Luft geworfenes Bündel Zwiebeln das Ziel der Knüppel werfenden Wachmänner. Das Konzept für das neue Fest stand jedenfalls. Auf einem Pizzakarton sollen die Grundzüge der Feier festgehalten worden sein.

Beim allerersten Runkelfest hatte sich Christoph I. Münstermann die Königswürde gesichert. Runkel-Königin wurde Jutta I. Stenkamp. Beim 5. Runkelfest 2003 schaffte es übrigens erstmals einer Werferin die letzte Runkel abzuschmettern: Sabine I. Pilk gelang dieser Coup.

9. Hardinghausener Runkelfest, 5. September, Hof Rottmann, Gahlener Straße 36.

Athleten werden leere Fässer und hoffen auf volle

Ein riesiger Spaß verspricht einmal mehr das 5. Fassweitwerfen zu werden, zu dem die Feten-Stürmer am Pfingstwochenende auf den Hof Schlagkamp bitten. Die Veranstalter gehen von einer Rekordbeteiligung aus, hört man. 19 Mannschaften und elf Damenteams sind diesmal nominiert. So groß war der Andrang auf den beliebten Wettbewerb, dass die Fetenstürmer um die 40 Clubs und Clübchen nicht zulassen konnten. 150 Werferinnen und Werfer insgesamt treten aber ohnehin schon zu dem feucht-fröhlichen Wettstreit an.

Denn jedes Team besteht aus fünf Fasswerfern. Die Damen werfen mit leeren 30-Liter-Fässern, die Herren schleudern 50-Liter-Fässer so weit sie nur können. Zu Abwurf müssen sich alle auf einen schwankenden Holzpfahl stellen, der quer über einem Wasserbecken liegt. Die Würfe sind ungültig, wenn das jeweils weit zu schleudernde Fass ins Wasser fallen sollte - für die Werferinnen und Werfer gilt das nicht.

Der Weitenrekord liegt übrigens über elf Meter. Als Lohn gebührt den in zwei Kategorien werfenden Siegern wie Siegerinnen je ein - mit Bier gefülltes - 50-Liter-Fass, für Platz zwei gibt es 30 Liter Bier, für den dritten Rang noch 15 Liter.

5. Fassweitwurf, 24. Mai, Hof Schlagkamp, Gartenstraße 59

Auf der Jagd nach der goldenen Handtasche

Zu seiner Handtaschen-Weitwurf-Weltmeisterschaft 2015 ruft der Movie-Park am Samstag, 1. August, auf. Seit der Premiere dieses amüsanten Spektakels im Sommer 2012 geht die HTWWWM jedes Jahr im Freizeitpark an der Warner Allee vonstatten.

Seither fliegen die Handtaschen bei dem Ulk im Movie-Park nicht nur tief, sondern von Weltmeisterschaft zu Weltmeisterschaft auch jedes Mal weiter. Zur Premiere 2012 schleuderte der Lkw-Fahrer Joachim Mans seine Tasche auf 22,66 Meter. Im Jahr darauf warf der neue Weltmeister Stefan Krämer im Finale seine Tasche 24,21 Meter weit. Vorjahressieger wurde schließlich ein Klavierträger. Pierre Ermini erzielte die neue Bestmarke von 30,95 Metern. Nach dem Auftaktsieger Deutschland wurde Neuseeland zum Mannschaftsweltmeister ernannt. Jüngster Titelverteidiger des schrägen Events ist Österreich.

Bei dem Spektakel mitmachen können Einzelpersonen oder Teams, die aus vier Mitgliedern bestehen. Sie alle sollten ein Outfits tragen, an dem jedermann ganz klar ihre Heimat oder ihr Lieblingsland erkennen kann. Vier Wurfklassen gibt es: Stoßen, Kurbelwurf, Freestyle und Diskuswurf. Schon das offizielle Wiegen samt ihre Verplombung der Taschen ist ein Höhepunkt der WM und der Einmarsch der Werfer in Begleitung von Cheerleadern sowieso. Der Titelträger oder die Titelträger werden übrigens mit dem goldenen Handtäschchen ausgezeichnet.

Handtaschenweitwurf-WM, 1. August, Movie Park, Warner Allee 1, www.htwwwm.de

Boxenluder sind beim Bobrennen Pflicht

Das tolle Bobrennen in Holthausen hat sich längst zu einem echten Publikumsmagneten gemausert. Allein zur großen Siegerparty werden in diesem Jahr rund 400 Gäste erwartet. Nach jahrelanger Warterei wollen beim nächsten Rennen Anfang August auf der Rennstrecke an der Hiesfelder Straße bisher 14 Herrenteams und zwei Damenbesatzungen mitfahren.

Die Veranstalter um Maik Kuschel und Co. hoffen allerdings, dass noch einige Rennfahrerinnen und Rennfahrer mehr in ihre dann möglichst ausgefallenen Seifenkisten einsteigen werden, um an der Kreuzung Hiesfelder Straße/Heuweg ans Ziel zu kommen. Rennfahrerinnen sind besonders gefragt. Jede Bob-Besatzung besteht aus drei Leuten: Fahrer, Bremser, Anschieber. Anmeldungen sind noch bis zum 30. Juni möglich unter: maik_kuschel@web.de.

Spaß steht bei dem ziemlich verrückten Spektakel in Holthausen im Vordergrund. So hat die Rennleitung ins Regelwerk den einen oder anderen Gag eingebaut: Boxenluder in weiblicher wie männlicher Variante sind mitzubringen. Da scheint es bezeichnend zu sein, dass die Idee für das erste Bobrennen aus einer Bierlaune heraus an einer Karnevalsparty entstand. Erstmals auf die Piste ging es dann im August 2002, und dann alle drei Jahre wieder.

Bobrennen, 7. und 8. August, Hiesfelder Straße

Die Fans wollen das Fürchten lernen

Dass einer nach Kirchhellen ausziehen muss, um das Fürchten zu lernen, ist alles andere als märchenhaft. Im Kirchhellener Movie Park findet schließlich jedes Jahr aufs Neue eines der größten und spektakulärsten Horror-Events Deutschlands statt.

250 Monster, Untote und Zombies warten dann von donnerstags bis samstags auf Tausende von Fans des gepflegten Schreckens. Einen ganzen Monat lang dauert die wohl längste Grusel-Party der Welt. Vom 1. Oktober bis zum 31.Oktober werden an der Warner Allee wieder fünf Halloween-Horror-Labyrinthe geöffnet sein. Wer es unbedingt will, kann sich zum Beispiel ins Deathpital einliefern lassen oder auch im „Circus of Freaks“ seine vielleicht letzte Vorstellung erleben. Nach der spielerischen Flucht vor Bösartigen können sich Horror-Freunde im Baboo Twister Club einen Absacker ins Jenseits genehmigen.

Nicht nur dass Hunderte von Besuchern ohnehin stilgerecht als Monster oder Zombies den Movie Park stürmen, nach Aaron Hypnose Show dürften sie sich auch als solche fühlen, versprechen die Veranstalter.

Damit es im Movie Park in diesem Oktober nicht nur wie in einer Welt aus Wahnsinn zugehen wird, ist für Kinder wieder täglich eine monsterfreie Zone eingerichtet. Beim Familien-Halloween-Programm stehen dann Kürbisschnitzen und Kinderschminken, oder das Spiel „Süßes oder Saures“ auf dem Programm.

Halloween Horror-Fest, ab 1. Oktober, Movie Park, Warner Allee 1.

Die Brezelbrüder haben den Termin fürs Fest fest im Blick

Das Brezelfest ist so etwas wie die Mutter als verrückten Spektakel in Kirchhellen. Kein Wunder also, dass der Termin für das nächste Brezelfest längst fest steht: Am 5. September 2017 ist es endlich wieder so weit. Das 30. Brezelfest beginnt.

Dass sie alle drei Jahre wieder auf dem Josef-Terwellen-Platz mit Holzknüppel auf eine riesige Brezel werfen, hat Kirchhellen einer Schnapsidee von acht unausgelasteten Schützenbrüder zu verdanken. Nach dem Schützenfest von 1883 hatte einer der glorreichen Acht die Idee, einen Stuten an eine Stange zu binden und danach zu werfen. Wer das letzte Stuten-Stück herab wirft, sollte der „Stutenkönig“ sein. 50 Werfer schickten sich an, den Stuten herunterzuholen. Erster König wurde der Anstreichermeister Franz Xanten. Urahnin aller Brezelköniginnen wurde Lisette Otterbeck.

Aus 50 Werfern sind bis heute über 2000 Brezelbrüder und Brezelschwestern geworden. Seit dem letzten Brezelfest 2014 ist Christian I. Schulte-Bockum ihr Oberhaupt. Als Königin hat der amtierende Brezelkönig Andrea I. Sauerbach zur Seite. Zu erkennen sind die Brezelbrüder an ihrem blauen Kittel mit roten Halstuch. So wichtig ist den Kirchhellener der Spaß nach dem dreitägigen Schützenfest, dass sie der Brezelgesellschaft zu Ehren auf den Johann-Breuker-Platz aus Bronze eine Brezel-Familie stellten. Die Brezelaner sind somit zu einem kleinen Wahrzeichen Kirchhellens geworden.

Nach dem Fest ist vor dem Fest , heißt es in der Brezelgesellschaft. Zwar haben König Christian I. und Königin Andrea I. noch einige Zeit ihrer Regentschaft vor sich, doch die Termine stehen: Brezelausmarsch ist am 3. September 2016.

Brezelfest, 5. September 2017, Josef-Terwellen-Platz.

Wilde Spiele ohne Grenzen

Auf die nächste Bauernolympiade müssen die Fans verrückter Spiele ohne Grenzen noch etwas warten. Alle drei Jahre ist auch hier Kirchhellener Recht. Somit dürfte die dann 11. Kirchhellener Bauernolympiade zu Pfingsten 2016 auf dem Hof Steinmann stattfinden.

Spiel ohne Grenzen, ist in der Tat das Stichwort. Denn als genau dies hatten sich die Alten Herren der Landjugend sich das gedacht, als sie vor nicht ganz dreißig Jahren die erste Bauernolympiade in Kirchhellen ausriefen, und so wetteiferten zu Pfingsten 1987 sechs Damen- und dreizehn Herrenteams beim Brennholz-Sägen, oder Strohhaufen-Setzen, beim Heugebläse-Rohrreinigen, oder Schubkarrenflachrennen, bei der Kartoffel-Lese oder auf dem Vierspänner-Parcours.

Sieben ziemlich verrückte Spiele müssen die Olympioniken seither auf dem steinmannschen Olympiahof absolvieren, um sich Bauern-olympiasieger nennen zu dürfen. Bei der letzten Olympiade trugen sich bei den Frauen „Die Kegelmafia“ und bei den Herren der „KC Rompas Tompas“ in die Siegerliste ein.

11. Bauernolympiade, Pfingsten 2016, Hof Martin Steinmann, An der Dringenburg 54.

Wenn Bäume zu Bremsklötzen werden

Auf Motorkraft und fahrerisches Können kommt es beim Kirchhellener Trecker-Treck an. Das ist eine Herausforderung, der sich ein echter Traktor-Besitzer offenbar nur allzu gern stellt. Beim letzten „Trek de Bomstamm“ jedenfalls trugen sich im Jahr 2012 bis zu hundert Treckerfahrer unterteilt in unterschiedliche PS-Klassen in die Starterlisten ein.

Erfunden oder auch nach Kirchhellen übertragen hat das PS-Spektakel ein 15-köpfiges Team aus der Kirchhellener Landjugend. Aufgabe beim diesem Wettbewerb ist es, schwere Baumstämme so weit wie möglich zu ziehen. „Full Pull“ ist nach hundert Metern.

Zwischen 600 Kilogramm und einigen Tonnen schwer können die Baumstämme dabei sein. Je weiter der Traktor mit dem Stamm kommt, um so tiefer gräbt sich der tonnenschwere Bremsklotz ins Erdreich ein. Hunderte Zuschauer lassen sich ein solches Spektakel nicht entgehen.

Trecker-Treck, Termin steht noch nicht fest, Nordhellenstraße/Ecke Reckelsberg