IHK befürchtet: Weniger Stellen für Akademiker

Dass immer mehr Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben und eine sinkende Zahl von Schulabgängern dennoch keine Lehrstelle bekommt, liegt nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer einerseits an der mangelnden Ausbildungsreife vieler Schulabgänger. „Daran hat sich in den vergangenen Jahren nicht viel geändert“, kritisiert IHK-Bildungsexperte Carsten Taudt. Auf der anderen Seite sei die Ausbildung in vielen Berufen „so anspruchsvoll, dass schwächere Schulabgänger einfach überfordert sind“. Hinzu komme „eine offensichtliche Niveauverschiebung bei den formalen Schulabschlüssen“.

Chance für Hauptschüler

Kritisch sieht die IHK das Ergebnis des Berufsbildungsberichts, den die Bundesregierung gestern vorlegte. „Es bleiben immer mehr Ausbildungsplätze unbesetzt, weil es insgesamt weniger junge Menschen gibt, von denen dann auch noch immer mehr studieren“, sagt Taudt. Er befürchtet, dass die Wirtschaft für viele der zukünftigen Hochschulabgänger gar keine passenden Stellen hat. Ihnen fehle das praktische Wissen und Können, das in einer Ausbildung im Betrieb über drei Jahre vermittelt wird.

Falsch sei die Behauptung, dass Hauptschüler generell keine Chance auf einen Ausbildungsplatz haben, wie immer wieder zu hören sei. Taudt: „Viele Betriebe nehmen gerne ausbildungsreife Hauptschüler.“ Knapp jeder vierte Auszubildende im Metier der IHK habe einen Hauptschulabschluss, im Handwerk liege die Zahl noch höher.