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Serie: Kleingartenvereine

Idylle im Schatten der Autobahn

28.09.2012 | 08:00 Uhr
Idylle im Schatten der Autobahn
Der Garten vom 2. Vorsitzenden Abi El-Beridi (69) erhielt 2012 die Goldene Rose.Foto: Heinrich Jung

Der Eigenhof zählt mit 30 Gärten zu den kleinen Anlagen im Bezirksverband. Familienfreundlichkeit wird groß geschrieben.

Die urigste Idylle findet sich manchmal da, wo man sie auf den ersten Blick nicht unbedingt vermutet hätte: Eng angeschmiegt an die beige-graue Lärmschutzwand der viel befahrenen A 2 reiht sich eine grüne Parzelle an die nächste. Darin blühen Tagetes neben Dahlien und Sonnenblumen um die Wette, warten Brombeeren und Kürbisse auf die Ernte, grüßen wetterfeste Zwerge neben Gans und Kuh. Und an die schmucklose Betonwand wurden kurzerhand Vogelkästen gehängt. Willkommen in der Kleingartenanlage Eigenhof!

Dreigeteilte Anlage

Wobei man sagen muss: Die Autobahn, die ließ sich von den Laubenpiepern im Eigen nicht immer ignorieren. Im Gegenteil: Sie ist verantwortlich dafür, dass die Anlage heute dreigeteilt ist. Denn als die A 2 verbreitert wurde, erzählt der Vorsitzende Steffen Purlinski, mussten dafür 1984 einige Flächen geopfert werden. Im Gegenzug wurden ebenfalls an der Stenkhoffstraße, nur ein Stück weiter hoch, neue Parzellen geschaffen. Insgesamt sind es 30 Gärten, und damit gehört der Eigenhof zu den kleinen Anlagen im Bezirksverband. Was seine Vorteile hat: „Wir kennen uns alle mit Vornamen. Wenn es mal Probleme gibt, treffen wird uns am Gartentor und sprechen darüber.“

Besonders freut den 57-Jährigen, der übrigens selbst standesgemäß Garten Nummer eins bewirtschaftet, dass in den vergangenen fünf Jahren drei junge Familien mit Kindern Parzellen im Eigenhof übernommen haben. Familienfreundlichkeit wird im Verein, der auch regelmäßig gemeinsame Feste ausrichtet, groß geschrieben. Und dies: sich gegenseitig mit Rat und Tat zur Seite zu stehen – und mit Samen. Steffen Purlinski selbst hat kürzlich etwa die aus dem jugoslawischen Raum stammende Tomatensorte eines anderen Gärtners nachgezüchtet – „ein Riesenerfolg!“ Vor allem weil diese „eben noch wie Tomaten schmecken“.

Einen Migrationshintergrund haben 65 bis 70 Prozent der Kleingärtner im Eigenhof, sagt Purlinski. Familien mit türkischen, mit russischen, mit italienischen Wurzeln sind zum Beispiel dabei. Das macht die Anlage im Wortsinn bunt: „Da werden teilweise Gemüsesorten gepflanzt, die bei uns in Deutschland seltener angebaut werden. Wie Peperoni etwa.“

Mit der Ernte ist’s jetzt allerdings bald vorbei, im Garten vom 2. Vorsitzenden Abi El-Beridi stehen gerade mal noch Sellerie und Porree. Und was ist jetzt noch zu tun für den Kleingärtner? „Den Boden ein bisschen abdecken, dass der über den Winter nicht ganz so ausgespült wird“, meint Purlinski. Verwelkte Blumen lässt er den Winter über stehen – für die Vögel.

Nina Stratmann


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