Hitler erwacht zu Wagner-Klängen

Weniger ein triefender Zynismus der Geschichte, als eine schnoddrige Anthologie von Kalauern: „Er ist wieder da“ auf der Bühne des JAG.
Weniger ein triefender Zynismus der Geschichte, als eine schnoddrige Anthologie von Kalauern: „Er ist wieder da“ auf der Bühne des JAG.
Foto: FUNKE FotoServices
Das Westfälische Landestheater bringt Roman „Er ist wieder da“ auf die Bühne des JAG. Mehr kalauernd als zynisch kommt das Stück rüber.

Bottrop..  Als der Roman von Timur Vermes 2012 erschien, gab es Kopfschütteln, Fragezeichen und auch einiges Lob für eine „gelungene Satire“: „Er ist wieder da“ provoziert und stellt (einmal wieder) die Frage, was wäre, wenn Hitler 1945 nicht den 2. Weltkrieg mit Millionen Toten verloren hätte. Bei dem Nürnberger Autor, Jahrgang 1967, darf der „Gröfaz“ ein zweites Leben starten. Just im Jahre 2011.

Das Theaterstück wurde vor wenigen Wochen vom Westfälischen Landestheater uraufgeführt. Die Revier-Bühne gastierte mit der Wiederauferstehung Hitlers in Bottro. Ein triefender Zynismus der Geschichte? Weniger, eher eine schnoddrige Anthologie von Kalauern.

In einem ortlosen Mausoleum wacht er zu Klängen aus Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ auf. Unbeholfen macht er sich auf den Weg, eine Orientierung in neuer, fremder, kalter Umgebung in Berlin zu finden. Der „Überlebende“ (warum, wieso, in welcher Verfassung, mit welchen Zielen usw. bleibt bei Vermes, dem Ex-Boulevardjournalisten, weitgehend unklar) lernt schnell, dass ein Comeback seiner diktatorischen Ideologie nur möglich ist, wenn er in die laute, schrille, bis zum Absurden gesteigerte Mediengesellschaft einsteigt und diesen moralisch verschlungenen „Apparat“ mit dessen Mitteln bedient. Er wird Kommentator der deutsch-türkischen Wizgür-Show…

Jux und Polit-Schelte

Aber er lernt auch die NPD von heute kennen. Mit Ironie lässt Vermes ausgerechnet den Alt-Nazi die neue braune Gewalt entlarven. Das Ende vom garstigen Lied ist offen. Hätte Hitler heute eine Chance für eine nationalsozialistische Renaissance? Ja, aber – sagt der Kabarettist. Denn eine echte Komödie mit dramatischem Hintergrund ist Vermes nicht gelungen.Er begnügt sich mit Jux, seine Polit-Schelte watscht die vergangene oder heutige Berliner Regierung von Scharping bis Merkel, von Künast bis Gabriel reihenweise ab. Ja, da kann man sogar richtig mal lachen.

Es gibt gleich zwei Hauptdarsteller: Schauspieler Guido Thurk stolziert mit Handgruß und in Uniform durch das Kulissen-Deutschland im 21. Jahrhundert, Gert Becker kommentiert als Jedermann böse Versatzstücke des braunen Weltenscheiterns.