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Hilfe für psychisch kranke Kinder

20.10.2011 | 17:01 Uhr
Hilfe für psychisch kranke Kinder
Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool

Bottrop. Ein halbes Jahr nach ihrer Eröffnung sind die zehn Behandlungsplätze in der Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Marienhospital besetzt, und man führt eine Warteliste mit den Namen junger Patienten und ihrer Probleme.

Klinikleiterin Britta Binz zählt auf: Schulverweigerung, Angststörungen, Kinder, die familiär stark vernachlässigt sind und unter häuslicher Gewalt litten, die eine neuropsychiatrische Krankheit entwickelt haben. An diesen Verhaltensweisen setzen Therapeuten und Pädagogen an, aber die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie betont, dass die Wurzeln tiefer liegen. „Wir behandeln zwar das Kind, aber das setzt eine enge Zusammenarbeit mit der Familie voraus.“ Wenn Eltern und andere Bezugspersonen nicht bereit sind, ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen, lässt sich die Klinik auf keine Therapie ein.

Provisorium
Neubau geplant

Die Tagesklinik ist eine teilstationäre Einrichtung der Klinik Marl-Sinsen. Träger ist der Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL). Provisorisch ist die Klinik im ehemaligen Schwesternheim des Marienhospitals untergebracht; sie soll 2012 umziehen in einen Neubau neben der Kinderklinik. Zurzeit werden die Gewerke ausgeschrieben, Baubeginn soll Frühjahr 2012 sein.

Aber so weit kommt es nur selten. Denn der Druck, der auf den Familien lastet, ist hoch - alle Patienten, sechs bis 18 Jahre alt, waren bereits in Behandlung bei einem der wenigen niedergelassenen Therapeuten in der Umgebung. Britta Binz ist nur eine kinder- und jugendpsychiatrische Praxis in Bottrop bekannt. Die Wartezeit ist lang, in den Nachbarstädten ist die Situation ähnlich. Auch zur Nachbehandlung empfiehlt die Klinikleitern den Eltern, ihr Kind auf die Warteliste möglichst vieler Therapeuten setzen zu lassen.

In der ambulanten Klinik verbringen die Kinder den Tag und kehren abends in ihr familiäres Umfeld zurück. Während der Therapie kann sich jedes Kind an seine festen Bezugspersonen aus dem Pflege- und Erziehungsdienst und Therapeutenteam wenden. In der Klinik erleben sie einen geregelten Tagesablauf mit Mahlzeiten, Schulunterricht in Gruppen und Freizeit, unterbrochen von unterschiedlichen Therapien. Ab 16 Uhr werden die Kinder abgeholt. Bis dahin sind sie eingebunden in verlässliche Strukturen, sie sind verantwortlich für kleine Aufgaben wie Tischdecken oder Abräumen. In der Freizeit stehen auch Ausflüge in die Stadt oder andere gemeinsame Unternehmungen auf dem Programm. Gern wird der Spielplatz der Kinderklinik benutzt. Stationsleiter Detlef Liedtke vermisst allerdings den kurzen Weg ins Grüne, damit sich die Kinder viel im Freien bewegen können - der Neubau der Tagesklinik neben der Kinderklinik soll diese Möglichkeit bieten.

Die Therapie kann nicht in rund dreimonatiger Behandlung auslöschen, was in Jahren geschehen ist, aber vielleicht ein neues stabiles Umfeld anbahnen. Britta Binz stellt die Kernfrage: „Was ist in der Familie untergegangen, was kann man reparieren und aufarbeiten, damit sich das Kind dort wieder aufgehoben fühlt?“

Marie-Luise Schmand

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