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Hier klingt Bach nicht nach vorgestern

15.11.2009 | 17:05 Uhr

Bottrop. Vokalensemble aus Dinslaken beschließt die Jubiläumsreihe der Martinskirche.

Die ehemalige Kantorin der Martinskirche, Daniela Ratajczak, kehrte für ein Konzert an ihre alte Wirkungsstätte zurück: Sie gastierte mit dem Bach-Chor Dinslaken, einem stattlichen, gut 50 Mitglieder aufbietenden Vokalensemble aus der Nachbarstadt, in der fast voll besetzten evangelischen Kirche am Pferdemarkt. Auf dem Programm: wie der Name verpflichtet - Bach-Werke.

Der 90-Minuten-Abend beschloss die Jubiläumstermine der Martinskirche in diesem Jahr. Die beiden Motetten „Jesu meine Freude" (BWV 227) und gleich zu Beginn „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir" (BWV 228), jeweils doppel-oder mehrchörig strukturiert, stellen jeden Chor vor eine große Aufgabe. Das instrumentale Fundament wird zwar von der Orgel (Matthias Uphoff, der aktuelle Kantor an der Martinskirche) gesichert, doch das polyphone Geflecht des Barockmeisters aus Leipzig wartet auf Durchlichtung, auf logische Abläufe, auf Legato-Übergänge und auf motivische Transparenz. Selbst im fugierten Finale von „Jesu meine Freude" wurde beim Bach-Chor nicht tonal „gewackelt". Daniela Ratajczak hat also gute Vorarbeit geleistet, sie trimmt die halbe Hundertschaft auf Frische, Lebhaftigkeit, Aussprache und Chorhomogenität. Bach klingt hier nicht nach vorgestern . . .

Neben Johann S. Bach erklangen Sätze von Heinrich Schütz, der - vor der Ära Bachs - die erste deutsche Oper komponierte. Sein „Deutsches Magnificat" und die beiden Exequien-Teile „Herr, wenn ich nur dich habe" und „Herr, nun lässest du deinen Diener" leben von der geistlichen Intensität und der chorischen Geschlossenheit. Aber: Alle drei Werke sind dankbares Sing-„Futter" für einen sicher disponierten Chor.

Was besonders beim Dinslakener Ensemble gefiel: die vielen jungen Stimmen in den Damen- und Herren-Gruppen. Darauf lässt sich aufbauen. Glückliche Daniela Ratajczak! Natürlich gab es herzlichen Applaus für sie und die unprätentiös auftretenden Gäste.

Volksliedhafte Seligkeit

Den Orgelpart zwischen den Chorpartien übernahm Matthias Uphoff. Er fühlte sich dem Jubilar Felix Mendelssohn-Bartholdy (200. Geburtstag) verpflichtet. Dessen Orgelsonate Nr. 4 aus op. 65 sowie ein Präludium aus op. 37 bestätigten die volksliedhafte Seligkeit der Mendelssohnschen Mustermusik, die so lange in Deutschland als zweitrangig (!) unterschätzt wurde. Uphoff interpretierte respektvoll, aber durchaus mit schönem und lyrisch betontem Registerausdruck.

Hans-Jörg Loskill

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