Helau, das Bottroper Stadtprinzenpaar kütt

Das Prinzenpaar Klaus III (2.v.r.) und Christiane III und seine Adjutanten ( v.l.) Wolfgang Lützenburg und Klaus Buhla sowie Standartenträger Michael van de Sand.
Das Prinzenpaar Klaus III (2.v.r.) und Christiane III und seine Adjutanten ( v.l.) Wolfgang Lützenburg und Klaus Buhla sowie Standartenträger Michael van de Sand.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Für Klaus III und Christiane III ist die Karnevalszeit jetzt in der heißen Phase. Eine närrische Zeit zwischen Stress und Vergnügen.

Bottrop..  Sie glauben, dass Karneval der reinste Spaß ist? Nun, sie haben sich geirrt. Die Karnevalszeit ist purer Stress – zumindest wenn man sie als Stadtprinzenpaar erlebt wie Klaus III und Christiane III. Ein Jahr lang repräsentieren sie das Bottroper Narrenvolk, sind Gast bei unzähligen Veranstaltungen, und das nicht nur in Bottrop. Das Prinzenpaar wird diesmal von der KG Boy gestellt, denn die feiert in diesem Jahr ein Jubiläum: 5 x 11.

Und nicht nur die Karnevalsgesellschaft wird 55, sondern auch Prinz Klaus. Für ihn erfüllt sich mit der Regentschaft ein alter Traum, den er eigentlich schon begraben hatte: einmal Prinz sein. „Und dann habe ich letztes Jahr mal eine blöde Bemerkung gemacht – und zack, schon war ich’s“, schmunzelt der Prinz.

Die Suche nach der Prinzessin war schnell beendet. Nachdem die Frau von Klaus Berft dankend abgewunken hatte, hat er kurzerhand seine „kleine“ Schwester gefragt. Und Christiane van der Sand hat nach kurzer Bedenkzeit zugestimmt. Erst mussten die Versorgung des elfjährigen Sohnes und die Urlaubsfrage geklärt werden, dann kam das „Ja“ ganz schnell: „Die Gelegenheit hat man nur einmal im Leben“, strahlt Prinzessin Christiane.

Urlaub in der heißen Phase

Im bürgerlichen Leben arbeitet sie beim Sportpark. Mit anderen Schichten und Urlaub hat sie genügend Zeit fürs Prinzessinnenleben gewonnen. Bruder Klaus arbeitet bei der Steag und gönnt sich gleich sechs Wochen für die närrische Session. In der „heißen Phase“, drei Wochen vor Rosenmontag, wäre die Prinzenrolle nicht so nebenbei zu schaffen. „Wir besuchen ja beispielsweise auch die Alten- und Pflegeheime sowie die Einrichtungen für Menschen mit Behinderung“, erklärt der erste Adjutant Klaus Buhla, der vor Jahren selbst schon einmal Stadtprinz war. Solche Termine fallen auf den Vormittag oder frühen Nachmittag. Am späten Nachmittag und Abend warten Karnevalssitzungen nicht nur in der eigenen Stadt.

Der Terminplan des Stadtprinzenpaares ist eng getaktet, manchmal bleiben nur wenige Minuten zwischen den einzelnen Auftritten. Wenn dann noch die Straßenverhältnisse durch Schnee und Eis katastrophal sind, gerät der ganze, vom ersten Adjutanten sorgfältig ausgeklügelte Plan durcheinander. Schließlich müssen das Prinzenpaar nebst Adjutant des Prinzen – Klaus Buhla nämlich – und Adjutant der Prinzessin – Wolfgang Lützenburg – sowie Standartenträger Michael van der Sand ja auch ein Weilchen bleiben, und der Prinz muss seine Proklamation halten.

80 bis 100 Termine hat das amtierende Stadtprinzenpaar in der Hochphase zu bewältigen. Und das sind sogar weniger als sonst, zum einen, weil die diesjährige Session kürzer ist und zum anderen, weil einige Karnevalsvereine in diesem Jahr ihre Prunksitzungen ausfallen lassen. Muss man erwähnen, dass Alkohol bei den Auftritten tabu ist? „Sonst könnte man das gar nicht durchstehen.“ Meistens sind die Nächte zu kurz, und früh morgens geht’s schon wieder los.

Leuchtende Augen

Die Prinzenrolle purer Stress? „Nein keinesfalls“, wehren Prinz Klaus und Prinzessin Christiane ab. Es ist Stress gepaart mit viel Vergnügen, und der Prinz bekommt leuchtende Augen, wenn er vom Auftritt des Kölner Dreigestirn beim nationalen Treffen in der Westfalenhalle erzählt oder den 111 Prinzenpaaren beim närrischen Landtag.

Auf wie vielen Sitzungen er schon gewesen ist? Prinz Klaus III. bringt einen Kleiderbügel mit, an dem sämtliche Orden hängen, die ihm bislang verliehen worden sind. Die Orden trägt er um den Hals, wenn er mit Prinzessin und Gefolge unterwegs ist. Da kommt so einiges an Gewicht zusammen.

Prunksitzung heute ist ein närrischer Höhepunkt

Die ein Jahr dauernde Regentschaft über die Bottroper Narren ist keinesfalls ein Job, um den man sich prügelt. „Es wird immer schwerer, Leute zu finden“, klagt Adjutant Klaus Buhla. Der Prinz muss nämlich nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Geld haben, denn die Ausgaben für seine Regentschaft muss er abgesehen von kleinen Zuschüssen des Vereins weitgehend allein bestreiten oder sich Sponsoren suchen. Das geht los mit dem Prinzengewand und weiter mit den Orden - 275 werden eigens angefertigt. Dann gibt es Blumen bei den Auftritten, gedruckte Karten und nicht zu vergessen die ganzen Fahrtkosten, die Kosten für den Prinzenwagen und das Wurfmaterial für die Umzüge. Ein teurer Spaß, das ganze.

Kein Wunder also, dass die Karnevalsgesellschaften gerne abwinken. Im Bottroper Festkomitee sind neun Vereine, und die sollen eigentlich reihum das Stadtprinzenpaar stellen. Dass das so nicht passiert, kann man allein daran ablesen, dass die KG Boy in den letzten 22 Jahren fünfmal das Stadtprinzenpaar bestimmt hat, obwohl sie nur die drittgrößte Gesellschaft ist. Den Vereinen mangelt es an Nachwuchs, und die Mitglieder haben heute weniger Zeit als früher, weil sie beruflich ganz anders eingespannt sind.

Heute erreicht die diesjährige Session für Klaus und Christiane einen ihrer Höhepunkte: die Prunksitzung der KG Boy in der Aula Wellheim. Die 340 Plätze sind schon lange ausverkauft.