Haftstrafe - mit zwei Komplizen Freund der Tochter entführt

Vier Tage dauerte der Prozess vorm Essener Landgericht. Jetzt wurden Mohammad A. und seine zwei Komplizen aus Bottrop und Dorsten verurteilt.
Vier Tage dauerte der Prozess vorm Essener Landgericht. Jetzt wurden Mohammad A. und seine zwei Komplizen aus Bottrop und Dorsten verurteilt.
Foto: Uwe Schaffmeister / WAZ Fotopool
Was wir bereits wissen
Freiheitsberaubung, Nötigung, Körperverletzung. 27-jähriges Opfer wurde in einer Wohnung in Bottrop festgehalten. Jetzt wurden die Täter verurteilt.

Bottrop/Dorsten.. Die außereheliche Liebesgeschichte seiner Tochter wollte der 53-jährige Mohammad A. aus Dorsten nicht dulden. Gemeinsam mit zwei Männern aus Bottrop (26) und Dorsten (28) schritt er zur Tat. Jetzt wurden die Täter dafür zur Rechenschaft gezogen.

Mohammed A. entführte den Liebhaber seiner Tochter am Bahnhof Feldhausen und sperrte ihn in der Wohnung des Bottropers ein. Der 27-Jährige aus Lotte bei Osnabrück wurde erniedrigt, geschlagen und gezwungen, sich nackt fotografieren zu lassen. Der 53-Jährige drohte: „Wir wollen aus einem Tier einen Menschen machen.“

Die Geschichte endete vor dem Essener Landgericht, das die Angeklagten nach viertägigem Prozess gestern wegen Freiheitsberaubung, Nötigung und gefährlicher Körperverletzung verurteilte. Der Vater muss für sechseinhalb Jahre ins Gefängnis, allerdings ist eine alte Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren einbezogen. Der Bottroper bekam eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, der Dorstener eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren.

„Jeder erzählt etwas anderes“

„Eine ungewöhnliche Beweisaufnahme“, resümierte Richterin Gabriele Jürgensen im Urteil, „jeder erzählte etwas anderes.“ Die Feststellungen der Kammer stützten sich in erster Linie auf Angaben des Geschädigten. Eindeutig sei er festgehalten worden, ist das Gericht sicher. Alle drei Angeklagten, da hat die Kammer keine Zweifel, schlugen ihn. Zweifellos habe er sich ausziehen und nackt filmen lassen müssen. Man drohte, die Aufnahmen ins Internet zu stellen. Der 27-Jährige hatte vor Gericht von weiteren perfiden sexuellen Übergriffen berichtet, die die Kammer allerdings nicht überzeugten.

Die Tochter von Mohammad A. war in der pakistanischen Heimat in einer arrangierten Ehe mit einem Cousin verheiratet worden. Der wiederum war gut befreundet mit dem 27-Jährigen, ebenfalls verheirateten Geschädigten. Freund und Ehefrau lernten sich in Deutschland kennen und verliebten sich. Mohammad A. fürchtete ganz besonders, so die Kammer, dass der Liebhaber kompromittierende Fotos von seiner Tochter haben könnte. Seine Bemühungen, diese auf dem Handy des Geschädigten zu finden, waren allerdings vergeblich.