Guter Vorsatz bleibt oft nur Wunsch

Um  „den inneren Schweinehund zu besiegen“, kann es hilfreich sein, sich zum Joggen zu verabreden.
Um „den inneren Schweinehund zu besiegen“, kann es hilfreich sein, sich zum Joggen zu verabreden.
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Was wir bereits wissen
Der Jahreswechsel ist für viele Bottroper die Zeit für Veränderungen. Psychologe Alexander Rennenberg erläutert, wie es gelingen kann, diese auch umzusetzen

Bottrop..  Weniger essen, endlich Sport treiben, mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen, mit dem Rauchen aufhören. Das neue Jahr steht vor der Tür und damit hat die Zeit der guten Vorsätze Hochkonjunktur. „Etwa 50 Prozent der Menschen fassen gute Vorsätze für das neue Jahr“, stellt Diplom-Psychologe Alexander Rennenberg fest, fügt aber hinzu: „Nur etwa acht Prozent schaffen es, diese Vorsätze erfolgreich umzusetzen.“

Also gleich aufgeben? „Nein“, beruhigt Rennenberg. „Man muss nur wissen, was eigentlich hinter Veränderungen steckt.“ Rund 90 Prozent des Alltags werden von Gewohnheiten bestimmt. Drum kann es nur gut sein, ab und an mal Inventur zu machen. Denn ungesunde Gewohnheiten können auf Dauer krank machen, beispielsweise zu Depressionen oder Burn Out führen. „Gute Vorsätze sind zudem etwas vollkommen Menschliches“, erklärt Rennenberg. „Der Drang sich weiterzuentwickeln und zu lernen, löst Zufriedenheit aus.“

Grundsätzlich ist der Mensch zu genialen Leistungen fähig, komponiert Opern und fliegt ins All. Andererseits scheitert er oft schlichtweg daran, von Gewohnheiten abzulassen. „Denn das Gehirn funktioniert ökonomisch“, so der Psychologe. „Verhaltensgewohnheiten bilden sich in neuronalen Strukturen ab und erleichtern uns letztlich das Leben. Und da das Gehirn eingelaufenen und bewährten Trampelpfaden folgt, hält es auch an schlechten Gewohnheiten fest.“ Es brauche etwa sechs bis neun Monate, damit neue Gewohnheiten neue neuronale Strukturen ausbilden. „Es ist also schwierig, aus dem Stand heraus Vorsätze umzusetzen.

Ein Veränderungsprozess gliedere sich in verschiedene Phasen: Zunächst ist da die Idee oder einfach nur ein Unbehagen mit einer bestimmten Situation. Es folgt die Entscheidung: Ich mach’s! In den folgenden Phasen gehe es um Vorbereitung, Aktion und Durchhalten. „Das klingt alles recht logisch, aber es ist schwierig die Schritte richtig zu gehen. Der innere Schweinehund ist groß“, so Rennenberg. Daher sei wichtig, das die Motivation aus einem selbst komme und man nicht von außen gedrängt werde.

Und: „Die guten Vorsätze stammen aus dem so genannten Neokortex im Gehirn, der zuständig ist für Logik, Vernunft und Fantasie“, erläutert Rennenberg. Wesentlich mächtiger als dieser Bereich sei aber das Limbische System, das zuständig ist für Emotionen - also Schmerz zu vermeiden und Lust auszulösen. „Insofern ist das Lustprinzip auf dem Weg zur Veränderung nicht zu unterschätzen.“

Kleine Schritte führen eher zum Ziel

Wer kennt es nicht: Leider bemüht der Verstand viele Gründe, warum sich etwas gerade nicht umsetzen lässt. Alexander Rennenberg rät daher: „Kleine Schritte führen eher zum Ziel.“ Anstatt sich also vorzunehmen, dreimal wöchentlich für zwei Stunden ins Fitnessstudio zu gehen, könne man ja erst mal mit einem zehnminütigen Spaziergang anfangen. „Das kann dann auch gleich am 1. Januar klappen.“ Wenn man solch kleine Ziele erreiche, fühle sich das gut an und die Motivation zum Weitermachen sei geweckt.

Achtsamkeit für Neues im Alltag aufzubauen, helfe ebenfalls beim Umsetzen guter Vorsätze. „Also parallel zum Abnehmen beispielsweise einfach mal einen anderen Weg zur Arbeit fahren oder einen anderen Radiosender hören. So werden Routinen in verschiedenen Bereichen unterbrochen. Und: Rückfälle gehören dazu! „Wichtig ist, zu analysieren, wie es dazu gekommen ist. Veränderungen sind anstrengend und brauchen Zeit. Also: Nicht den Mut verlieren und weitermachen!“