Gruppentherapie im Aufzug - Theaterreihe B zeigt Komödie

Helmut Zierl in einer Szene aus Moritz Rinkes Stück „Wir lieben und wissen nichts“.
Helmut Zierl in einer Szene aus Moritz Rinkes Stück „Wir lieben und wissen nichts“.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die städtische Theaterreihe B gastiert am Donnerstag in der JAG-Aula. Zu sehen sein wird die Komödie "4 nach 40" von Fritz Schindlecker.

Bottrop.. Komödien, die im Aufzug spielen, gehören zum mittlerweile zum Repertoire moderner Klassiker. Ob es der Stoff von „4 nach 40“ aus der Feder von Fritz Schindlecker auch soweit bringen wird, können die Besucher der städtischen Theaterreihe B am nächsten Donnerstag in der JAG-Aula am besten selbst entscheiden.

Dunkle Seiten des normalen Lebens

Zwischen den 40. und 41. Stock eines Bürohauses bleibt ein Lift stecken. Eingesperrt sind zwei Frauen und zwei Männer, die, außer dass sie alle gerade 40 Jahre alt geworden sind, nichts gemeinsam haben. Elvira, eine ehrgeizige Businessfrau, mit Hang zum Buddhismus, hat soeben erfahren, dass ihr Langzeitverlobter die geplante Hochzeit platzen lässt. Petra Zech-Kralic ist auf dem Weg zum Arbeitsamt und optimistisch. Sie wird einen Job bekommen, es geht gar nicht anders. Ihr Mann ist nämlich arbeitslos und wäre eine Seele von Mensch, wenn er weniger trinken würde.

Gilbert Sedelmaier arbeitet als Versicherungsvertreter - und das 24 Stunden am Tag. Er leidet unter Platzangst, deswegen ist die Situation im Fahrstuhl für ihn besonders unangenehm. Wolfgang ist Lehrer, hat zwei Kinder und war lange Zeit glücklich verheiratet, bis er anfing, zu Prostituierten zu gehen und sich so auch noch schwer verschuldet hat.

Für diese Gruppentherapie auf engsten Raum hat die „Komödie Berlin“ auf jeden Fall ein gutes Schauspielerquartett aufgeboten. Saskia Valencia, Andrea Lüdke, Konstantin Graudus und Marek Erhardt spielen die unterschiedlichen Typen, wobei Marek Erhardt zwischendurch auch mal im wahrsten Sinne des Wortes die Hosen runter lassen muss . . .

Boulevard im Zeitalter des Internet

Nicht unbedingt für ein Kontrastprogramm sorgt da Moritz Rinkes Stück „Wir lieben und wissen nichts“, das am ersten Montag im März auf dem Programm der Theaterreihe A steht. Darin hetzt der Autor zwei Mittelschichtpaare mit akademischem Hintergrund in bester Komödien-Manier im Stil von Yasmina Reza und Edward Albee aufeinander. Mindestens zwei Seelen scheinen in jeder Brust zu wohnen. Die Charaktere schwanken in einer Art Schizophrenie von Fleiß, Angepasstheit und anarchischem Ausbruch, provoziert von ungeahnten Einbrüchen wie Arbeitslosigkeit oder Zeugungsunfähigkeit, die das Paarleben gehörig durcheinander wirbeln.

Mit Helmut Zierl aber auch Uwe Neumann und Teresa Weissbach prominent besetztes Stück, das sich auf jeden zeitgeistig gibt, mit geistreichem Dialog-Pingpong, der auf jeden Fall den guten alten Boulevard im Internetzeitalter ankommen lässt.

26. Februar („4 nach 40“) und 2. März („Wir lieben und wissen nichts“), jeweils 19.30 Uhr in der JAG-Aula. Karten unter: Tel.: 02041-70 33 08.