Großreinemachen im Passmanns
07.02.2012 | 16:22 Uhr 2012-02-07T16:22:00+0100
Bottrop. Das „Passmanns“ wurde einmal so richtig durchgewischt. Den Schrubber dazu hatte eine Frau in die Hand genommen, die sich hier Isolde Schabratzki nennt.
Lila Gummischlappen, ein pink-geblümtes Kleid, dazu eine völlig unpassende Blume im Haar und einen grellen Mantel übergeworfen – so trat Isolde vor das Passmanns-Publikum. In der Literatur bezeichnet man eine solche Figur als sprechenden Namen.
Isolde Schabratzki wird von der Komikerin Mechthild Ludwig verkörpert. Seit 2003 ist sie als plappernd-sympathische Putzfrau unterwegs, im „Passmanns“ trat sie mit ihrem aktuellen Soloprogramm „Großreinemachen“ auf.
„Da bin ich“, lautet ihre knappe Begrüßung, die zunächst dem Publikum, aber ebenso ihrem imaginären Mann Günther gilt. Der schläft aber gerade, denn „den Günther ham´se vonne Zeche in Frührente geschickt.“ Aber im Haushalt helfen, das könne er nicht, denn „Frührentner ist ja ein Ganztagsjob“.
Isolde Schabratzki erzählt Geschichten aus ihrem Leben, und sie verbreitet ihre Ansichten. Dabei geht es nicht nur um ihre ganz offenkundig angespannte Ehe („Wenn mein Mann schläft, sitzt er mir hier wenigstens nicht rum“), sondern vor allem um ihren Alltag. Darin sie als Reinigungskraft tätig und putzt das Haus eines Professors. Dessen Hausbar ist mittlerweile etwas verwässert, weil Isolde nach der Arbeit meist noch ein bis zwei Stunden Zeit hat, bis der Chef wieder nach Hause kommt. Da gönnt sie sich schon mal das ein oder andere Gläschen. Und die Likörflasche muss ja schließlich wieder aufgefüllt werden.
Mechthild Ludwig leistet auf der Bühne körperliche Schwerarbeit, vor allem wenn sie dem Publikum vorführt, wie ihr „Alter“ zeigt, was er im VHS-Kurs „Feg dich fit“ gelernt hat. Das Ende eines Besens auf dem Kopf balancierend lässt sie die Hüften kreisen, um sich anschließend mit vollem Körpereinsatz zu dehnen.
Sprachlich bedient sie so ziemlich jedes Klischee: „Da tut man auch Putzen und Genastik intregieren.“ Auf die Weise schafft Mechthild Ludwig einen beeindruckenden Spagat zwischen grenzenloser Absurdität und übersteigertem Wiedererkennungswert. Mal findet man sich in ihren Witzen und Anekdoten selbst wieder, mal ertappt man sich, dieselben Vorurteile gegenüber Putzfrauen aus dem Ruhrgebiet zu haben wie sie Mechthild Ludwig vorführt. Manchmal führt sie ihre Witze auch so sehr ins Merkwürdige, dass man über ihre Fantasie und ihren Zynismus nur staunen kann. In jedem Fall muss man einfach lachen.
Ihre Stärke ist die geschickte Verknüpfung von Themen. Etwa wenn sie davon erzählt, dass sie im Gesundheitszentrum ihre „Muttermäler“ untersuchen lassen wollte, ihr der Eintritt aber zunächst wegen nicht bezahlter Praxisgebühren verweigert wurde. Dabei war sie eigentlich nur auf dem Weg zur Post.
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