Großer Gewinn für das Quadrat
18.09.2009 | 14:00 Uhr 2009-09-18T14:00:00+0200Das Museum kauft eine Gruppe abgeschlossener Studien von Josef Albers. Sie eröffnet einen neuen Zugang zum Werk
Mit glattem Farbauftrag und akkurat ausgemalt: So kennt die Öffentlichkeit die Werke von Josef Albers. 26 Arbeiten, die das Museum Quadrat nun erworben hat, vermitteln ein anderes Bild. Diese Arbeiten auf Papier bilden Studien, in denen der Prozess der Malerei mitschwingt, sie dienten Albers zur Vorbereitung seiner Gemälde auf Hartfaserplatten.
Wichtigster Erwerb
Eben weil Perfektion in der Ausführung in diesen Arbeiten nicht in der Absicht des Malers lag, wirken sie persönlicher, weil er Unregelmäßigkeiten im Farbauftrag in Kauf genommen hat, erscheinen sie sinnlicher. Sie ermöglichen damit einen neuen Zugang zu Albers Werk. Direktor Heinz Liesbrock bezeichnet sie als wichtigsten Erwerb seit der Gründung des Museums Quadrat.
Die Werkgruppe befand sich bisher im Besitz der Josef and Anni Albers Foundation, die in Amerika den Nachlass des berühmten Künstlerpaares verwaltet. Die Reihe der Bilder umfasst den Zeitraum von 1940 bis 1960. „Die Entstehung fällt in eine Zeit, in der Albers nach langer Zeit wieder zu malen begonnen hatte”, erklärt Dr. Liesbrock. Zu Beginn ist Josef Albers 52 Jahre alt, lebt seit sieben Jahren in den USA, hat mit seiner Ehefrau Kuba und Mexiko bereist, was beiden intensive künstlerische Impulse vermittelte. Die Begegnung mit der präkolumbischen Architektur und die Farbatmosphäre Mexikos prägen die frühen Arbeiten auf Papier. Hinzu tritt das Quadrat, das ab 1950 als neutrale Form der Farbe Gestalt gibt.
Farbe oder Quadrat, was steht im Zentrum? Albers Antwort ist eindeutig: „Ich male Farbwirkungen, keine Quadrate.” Wie sehr sie ihn in ihren Möglichkeiten beschäftigt hat, wird an dieser Werkgruppe deutlich. Albers übermalt, setzt an anderer Stelle neu an, folgt seiner Intuition in der Gestaltung des Nebeneinanders der Farbtöne. Dennoch sind die Bilder durchgearbeitet. „Für ihn waren es abgeschlossene, in sich vollendete Studien”, erklärt der Museumsleiter.
Albers schreibt Bemerkungen auf die farbigen Flächen, stört sich nicht an Klecksen und ungeraden Quadrat-Linien. Er trägt die Farbe ungleichmäßig mit dem Palettmesser auf, und dieser Prozess wird für den Betrachter nachvollziehbar: Die Farbschicht ist nicht geglättet, sie hat greifbare, sinnliche Qualität. Josef Albers” Handschrift ist in diesen Arbeiten wesentlich präsenter als in seinen Gemälden, aus denen sie zwar nicht ganz verschwunden ist, aber doch stark zurückgenommen wurde. Denn nichts sollte ablenken von der Farbwirkung: „Albers dachte mit den Augen”, stellt Heinz Liesbrock fest.
Das Bottroper Museum wird weltweit die einzige öffentlich zugängliche Einrichtung ein, die eine solche Werkgruppe besitzt.
16:35
Unglaublich, so etwas noch in die Zeitung zu bringen.