"Got beware deises Haus"
11.01.2008 | 19:40 Uhr 2008-01-11T19:40:35+0100Nicht nur Bergbau-Architektur sei erhaltenswert, meint Leser Bernhard Joergensmann. Der Hof Kleine-Wortmann zeugt mit Fachwerk vom ländlichen Leben. Und er verfällt. Keine Chance für Denkmalschutz
Bernhard Joergensmann hat mit Freude in der WAZ gelesen, dass die Historische Gesellschaft (HG) sich einsetzt für einen "kontrollierten Abbruch" der Waschkaue von Prosper II an der Knappenstraße, die als attraktive Ruine erhalten bleiben könnte. Aber noch besser gefiele es ihm, wenn sich das Interesse am Erhalt nicht nur auf Gebäude konzentrierte, in denen sich die Geschichte des Bergbaus manifestiert. Andere Bauten seien ebenso geschichtsträchtig und bewahrenswert, meint der 63-jährige Rentner. Ein schönes Beispiel biete der verlassene Hof Kleine-Wortmann mit der Rottmannschen Mühle, gelegen am Rand der Innenstadt an der Karl-Englert-Straße. "Es geht um das Gesamtanwesen, nicht nur um die Mühle", präzisiert Joergensmann.
Auf dem großen Gelände mit altem Baumbestand bringt sich zwar die Gegenwart durch den beständigen Verkehrslärm von der Friedrich-Ebert-Straße in Erinnerung, aber ansonsten ist dort ein Stück der Bottroper Vergangenheit erhalten geblieben - oder in Vergessenheit geraten und dem Verfall preisgegeben, je nach Perspektive. Inklusive Fachwerk-Scheune und alter geschnitzter Balkeninschrift: "Got beware deises Haus". Der Schrift ist auch zu entnehmen, dass 1771 jeder Malter Korn 12 Reichsdahler kostete. Die Scheune ist wohl einer der ältesten Bestandteile eines zusammenhängenden Gebäudeensembles, das Generationen von Bewohnern nach ihren Bedürfnissen umgebaut und verändert haben. "Das jetzt noch stehende Wohnhaus geht wohl auf das Jahr 1901 zurück", hat Joesef Bucksteeg herausgefunden, der sich intensiv mit der Geschichte der Stadt beschäftigt. Das freistehende Mühlengebäude an anderer Stelle des Geländes sei jüngeren Datums, schreibt Bucksteeg, den der gesamte Anblick an eine "dörfliche Idylle" erinnert. "Doch deren Zeit läuft bald ab, soviel ist angesichts der attraktiven Lage des Hofgeländes sicher."
Dem gültigen Bebauungsplan zufolge, erklärt Pressesprecher Andreas Schulze von der Stadtverwaltung, sei für den Bereich eine gewerbliche Nutzung vorgesehen. Aktuell solle für das Grundstück mit alter Bebauung und Mühle ein gesonderter Bebauungsplan aufgestellt werden. Denkmalschutz für die Gebäude (die WAZ berichtete) kommt aus Sicht der Stadt nach einer erneuten Überprüfung im Vorjahr nicht in Frage. Die Bauten seien zu oft umgebaut und verformt, der ursprüngliche Zustand zu stark verändert worden. So bleibt es den privaten Besitzern vorbehalten, über die Zukunft des Hofes Kleine-Wortmann zu entscheiden.
Sein baulicher Zustand habe 2007 stark gelitten, nicht nur durch altersbedingten Verfall, sondern auch durch Vandalismus, hat Bernhard Joergensmann beobachtet. "Man kann nicht jedes Haus retten", das ist ihm klar, aber am Hof Kleine-Wortmann sei ablesbar, "dass Bottrop in erster Linie eine ländliche Geschichte hat" und nicht immer die Hochburg des Bergbaus gewesen sei.
Joergensmann, selbst Mitglied der Historischen Gesellschaft, hat die HG über den Hof Kleine Wortmann und seine Bemühungen um Denkmalschutz informiert. Aber er habe kein Echo ausgelöst, bedauert der Rentner, der "Engagement, Ideen und Visionen der HG" in diesem Punkt vermisst.
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