Gleichstellung – nicht nur in Bottrop Thema mit Zukunft

Foto: Matthias Graben
Was wir bereits wissen
Heidi Noetzel, die städtische Frauenbeauftragte, wünscht sich eine Verlängerung des Gleichstellungs-Aktionsplanes. Viele Wünsche sind noch offen.

Die Gleichstellung von Frau und Mann ist ein ebenso wichtiges wie schwieriges und langwieriges Thema. Deshalb wird der Gleichstellungs-Aktionsplan der Stadt 2015 wohl auch nicht zu den Akten gelegt, sondern fortgesetzt. Zumindest wenn es nach der städtischen Gleichstellungsbeauftragten Heidi Noetzel geht.

Sie bereitet derzeit die nächste Sitzung des Lenkungskreises vor, der sich im März nach der Kommunalwahl im letzten Jahr auch erst wieder konstituieren wird. Ein Thema der ersten Sitzung wird die Erstellung einer Abschlussdokumentation sein, die Aufschluss geben soll über bereits erreichtes.

Bottrop ist in der EU-Charta

Die Stadt Bottrop war im Juni 2009 eine der wenigen deutschen Kommunen, die der EU-Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene beigetreten sind, rund 1300 Kommunen waren es europaweit. Mit der Unterzeichnung der Charta verpflichten sich die Städte, einen eigenen Aktionsplan zu entwickeln. In Bottrop wurde der 2011 u.a. zu den Handlungsfeldern Bildung, Familie und Beruf beschlossen. Eine erste Dokumentation legte Heidi Noetzel Mitte 2013 vor. Die gab erstmals einen Überblick über die gleichstellungsrelevante Infrastruktur in Bottrop.

Beispiel Bildung: Wie kann man die Chancengleichheit von Mädchen und Jungen fördern ist eine der Fragen. Eine andere: Wie lässt sich die rollenspezifische Berufswahl bei Schülern knacken, wie kann ihr Interesse geweckt werden für neue Berufe? Viele Maßnahmen laufen bereits, wie die Berufsorientierung an den Schulen, Informationstage mit Arbeitgebern, MINT-Projekte (Mathematik, Informatik Naturwissenschaften, Technik), „Komm auf Tour“ oder eben auch die bekannten Girls- und Boys-Days zum Reinschnuppern in rollenfremde Berufe.

Ein anderes Thema für Heidi Noetzel ist der berufliche Wiedereinstieg von Frauen nach einer Familienphase. Ein Netzwerk berät die Frauen, gibt Tipps zu Hilfen und Weiterbildungsmöglichkeiten. „Die Wirtschaft kann es sich gar nicht mehr leisten, diese Arbeitskräfte nicht zurück zu holen“, ist sich die Gleichstellungsbeauftragte sicher angesichts des bereits bestehenden Fachkräftemangels.

Viele Akteure machen sich an vielen Stellen zum Teil schon seit Jahren Gedanken. Heidi Noetzel versteht sich als Netzwerkerin, die Ideen einbringt und Projekte initiiert. Wie viel es in Sachen Gleichstellung noch zu tun gibt, kann sie im eigenen Haus ablesen: Es gibt 22 Amtsleiter, aber nur fünf Amtsleiterinnen, von denen sie selber eine ist. Aber die Gleichstellungsbeauftragte ist hoffnungsfroh: „Es gibt eine ganze Reihe von Stellvertreterinnen und Abteilungsleiterinnen“, erklärt sie. Zudem hat sie sich auf ihre Fahnen geschrieben, den Frauen Mut zu machen, sich für Führungsprositionen zu bewerben. Im Führungskräfteprogramm der Verwaltung, das darauf vorbereite, liege der Frauenanteil immerhin bei 50 Prozent.