Gesucht: Eltern für schwierige Kinder
23.08.2011 | 18:20 Uhr 2011-08-23T18:20:49+0200
Bottrop. Der Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) sucht Eltern oder Familien, die ein Pflegekind aufnehmen wollen. Kein herziges Baby, keine Jungen und Mädchen mit vertrauensvollem Augenaufschlag, sondern Kinder, die keinen leichten Start ins Leben hatten.
Weil ihre leiblichen Eltern Alkoholiker oder drogensüchtig waren, weil Aggression bisher zu ihrem jungen Leben gehörte. „Das ist heftig, was man dabei erlebt. Wir haben sehr starke Kinder, die haben das alles überstanden“, stellt Familienberaterin Christina Seibert fest. Sie brauchen nun stabile familiäre Strukturen und Mitgefühl. Christina Seibert kennt aus ihrer Arbeit viele Beispiele, dass die Verlässlichkeit einer Pflegefamilie für ein Kind zum Ausgangspunkt einer gesunden Entwicklung geworden ist.
Weil Vernachlässigung und Misshandlung Spuren in Form von Entwicklungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten oder Behinderungen hinterlassen haben, brauchen diese Kinder bis zum 18 Lebensjahr intensive Betreuung, und einige sind am besten aufgehoben bei Pflegeeltern, die eine pädagogische oder medizinische Qualifikation mitbringen. Der SKF bereitet die Interessenten mit Einzelgesprächen und Seminaren auf ihre Aufgabe vor und unterstützt sie anschließend. Er wählt die Familien - auch Lebensgemeinschaften oder Einzelpersonen kommen infrage - sorgfältig aus und lässt beiden Seiten in der Anbahnungsphase Zeit, sich aneinander zu gewöhnen. Auch Geschwisterkinder spielen eine Rolle - sollte sich herausstellen, dass Ablehnung gegenüber dem neuen Familienmitglied herrscht, gibt der SKF den Versuch auf, das Kind in diese Familie zu integrieren. Wenn aber ein Kind eine neue Heimat gefunden hat, dann rauft sich die Familie zumeist zusammen. Der SKF vermittelt seit 12 Jahren Kinder in westfälische Pflegefamilien (siehe Infobox), und hat bisher nur 6 Abbrüche erlebt. Zur Zeit werden 39 Jungen und Mädchen im Rahmen dieser Sonderpflege betreut. Zum Zeitpunkt der Vermittlung sind sie bis zu 12 Jahre alt, und für den SKF ist erkennbar, dass sie in familiären Strukturen am besten aufgehoben wären. Die Pflegefamilie muss wissen, dass die leiblichen Eltern des Kindes ein Recht auf Kontakt und Information haben, sagt Sozialpädagoge Torsten Ziebertz.
Die Pflegeeltern erhalten Unterhalt für das Kind und Erziehungsgeld. Christiane Seibert ist der Meinung, dass diese Aufgabe gar nicht angemessen vergütet werden kann, es sei denn, durch das Kind selbst. Indem Vertrauen und Liebe wachsen, wo zuvor nur Angst und Misstrauen waren.
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