Gericht spricht von „Sumpf“ bei Bottroper Stadttochter

Das Landgericht verurteilte den ehemaligen GBB-Prokuristen Helmut S. zu einem Jahr Haft mit Bewährung.
Das Landgericht verurteilte den ehemaligen GBB-Prokuristen Helmut S. zu einem Jahr Haft mit Bewährung.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Korruption bei der Bottroper Wohnungsbaugesellschaft. Ehemaliger Prokurist Helmut S. wurde zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

Bottrop.. Helmut S., der ehemalige Prokurist der städtischen Wohnungsbautochter GBB, ist am Mittwoch wegen Bestechlichkeit zu einem Jahr Haft mit Bewährung verurteilt worden. Außerdem muss der 63-Jährige 6000 Euro Geldbuße an das Tierheim Bottrop zahlen.

Die XII. Strafkammer am Landgericht Essen sah ihn in drei Fällen als schuldig an, bei Aufträgen an Handwerker manipuliert zu haben. Dafür habe er ein „Handgeld“ in Höhe von vier Prozent des Auftragswertes erhalten. Ein mitangeklagter Handwerker wurde wegen Bestechung zu einer Geldstrafe in Höhe von 1800 Euro (90 Tagessätze zu 20 Euro) verurteilt, zwei andere wurden freigesprochen. Gegen einen 83-Jährigen hatte das Gericht das Verfahren eingestellt.

"Das Gericht sucht einen Schuldigen - und der bin leider ich"

Helmut S., der Hauptangeklagte, hatte seine Schuld bestritten und sich als unschuldig bezeichnet. Im letzten Wort bedankte er sich zwar bei Gericht für den fairen Prozess, warf der Kammer aber eine einseitige Betrachtungsweise vor: „Ich habe immer den Eindruck, das Gericht sucht einen Schuldigen – und der bin leider ich.“

Nach zwölf Verhandlungstagen zeigte das Gericht sich aber ohne Zweifel überzeugt von der Schuld des ehemaligen Prokuristen. Richter Oliver Greff sprach zudem Verflechtungen an. So war der GBB-Prokurist zusätzlich bei Handwerkerfirmen angestellt, etwa für private Wohnungsverwaltung. Zeitweise habe auch ein mitangeklagter Handwerker im Aufsichtsrat der GBB gesessen. Richter Greff: „Das sind Hinweise in Richtung eines Sumpfes.“