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Gesundheitsbericht

Geordneter Unterricht oft nicht möglich

15.01.2010 | 18:43 Uhr

Bottrop. Der Gesundheitsbericht von Dr. Gabriele Wahle-Conrady spricht von Verhaltensauffälligkeiten bei Grundschülern. Wir stellen Ihnen auch die anderen Ergebnisse vor.

Mehr als ein Viertel der Bottroper Grundschüler zeigt nach Einschätzung ihrer Lehrer Verhaltensauffälligkeiten wie mangelnde Konzentration, körperliche Unruhe sowie emotionale und andere Probleme. Jedes elfte Schulkind fällt auf durch Lern- und Leistungsprobleme sowie fehlende Motivation. „Dies ist in Anbetracht von zehn Prozent Schulabgängern ohne Schulabschluss alarmierend”, erklärt Dr. Gabriele Wahle-Conrady, Kinder- und Jugendmedizinerin und Ärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Bei jedem zehnten Kind halten die Lehrer eine psychiatrische Beratung oder Behandlung für sinnvoll.

Umfrage unter allen Grundschullehrern

Über diese Einschätzungen informiert der 6. Band der Bottroper Gesundheitsberichte. Dr. Wahle-Conrady arbeitet im medizinischen Dienst des Gesundheitsamtes und hat bei einer anonymen Umfrage unter allen Grundschullehrern Angaben zu 3602 Schülern ermittelt. Der Fragebogen basierte auf dem subjektiven Lehrerurteil, allerdings wurde nur nach dauerhaften Verhaltensauffälligkeiten gefragt, „die seit mindestens einem halben Jahr bestehen und im Unterricht deutlich zutage treten”, schreibt die Medizinerin. Als auffällige Verhaltensmerkmale galten auch oppositionelles oder aggressives Verhalten, Rückzugstendenzen und Ängstlichkeit, familiäre Probleme und schwierige Zusammenarbeit mit den Eltern. Im Gesundheitsbericht kommt eine Lehrerin zu Wort: Einige Schüler seien schnell frustriert und verweigerten die Mitarbeit. „Manche Kinder rennen in der Klasse umher, rufen laut in den Unterricht hinein. Geordneter Unterricht ist oft nicht möglich.”

Studien belegten die Zunahme psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen, stellt Dr. Wahle-Conrady fest. „Entgegen dieser Entwicklung besteht eine deutliche Unterversorgung im ambulanten, teilstationären und stationären Bereich, welche in den kommenden Jahren durch Ausbau der entsprechenden Diagnostik-Kapazitäten und therapeutischen Behandlungsmöglichkeiten verbessert werden sollte.” Wünschenswert wären niederschwelligen Beratungsangebote an Grundschulen und Gesundheitsamt.

Ganztagsbetreuung

Eltern sollten frühzeitig professionelle Hilfe von Beratungsstellen oder Therapeuten in Anspruch nehmen und nicht die Augen verschließen vor den Verhaltensauffälligkeiten ihrer Kinder. Dr. Wahle-Conrady weist auf die Vorbildfunktion der Eltern hin - auch im Umgang mit Medien. Ein TV-Gerät im Kinderzimmer ist aus ihrer Sicht fehl am Platz. Für Schulen schlägt sie vor: Unterstützung der Lehrer durch mehr Schul-Sozialarbeiter und Psychologen, Förderunterricht in Kleinstgruppen für „lernschwache” Kinder und kostenlose Ganztagsbetreuung für „Problemkinder” mit Freizeit-Angebot. mls

Marie-Luise Schmand

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