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Holocaust

Gedenktafel kehrt nach sieben Jahren zurück

23.01.2015 | 18:57 Uhr
Gedenktafel kehrt nach sieben Jahren zurück
In eine Stein-Stele eingelassen: die Gedenktafel für das ehemalige jüdische Bethaus an der Tourneaustraße mit dem Künstler Guido Hofmann (l.) Heike Biskup (Stadtarchivarin) und Kulturamtsleiter Dieter Wollek.Foto: Winfried Labus

Bottrop.   Die Bronzeplatte, die bis 2007 an das frühere jüdische Bethaus erinnerte, wurde später nicht mehr an den Neubau angebracht. Jetzt steht die Tafel wieder.

Zehn Jahre ist es her, seit die Vereinten Nationen den 27. Januar als Gedenktag an den Holocaust einführten. An diesem Tag vor nunmehr 70 Jahren befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz, das wie kein anderes der vielen Nazi-Lager mit dem Versuch der Auslöschung der jüdischen Gemeinschaft durch Massenmord verbunden ist.

An diesem Tag, dem kommenden Dienstag, weihen Oberbürgermeister Bernd Tischler, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinden Gelsenkirchen-Bottrop-Gladbeck, Judith Neuwald-Tasbach und Rabbiner Chaim Kornblum die Gedenktafel an der Tourneaustraße ein, die an das frühere jüdische Bethaus dort erinnert.

Gutes Ende einer peinlichen Rangelei

Damit findet eine Diskussion, die im vergangenen Jahr auch von dieser Zeitung angestoßen wurde, doch noch ein rühmliches Ende. Die Gedenktafel, die bereits einmal im Jahr 2000 vom damaligen Oberbürgermeister Ernst Löchelt am Haus Tourneaustraße 11 angebracht worden war, war nach dem Abriss des Gebäudes 2007 in der Versenkung verschwunden (die WAZ berichtete). Zwar hatte die Stadt bereits auf ihre Kosten eine neue Bronzetafel mit leicht modifizierter Inschrift angefertigen lassen, doch auch die lagerte bei Anwohnern, da sich die neue Eigentümergemeinschaft nicht auf die Wiederanbringung der Tafel einigte, obwohl dies vom Bauherrn Heinrich Jockenhöfer damals zugesagt worden war.

Nach diesem peinlichen Gerangel nahm die Stadt - und da vor allem das Kulturamt - einen erneuten Anlauf, der Erinnerungskultur in Bottrop neben Worten auch Raum zu geben.

Kommentar
Eine Stadt muss sich erinnern

Das Gedenken an die dunklen Seiten der eigenen Geschichte ist nicht leicht. Oft vergeht allzu viel Zeit, bis auch in einer kleineren Stadtgesellschaft die Erinnerungskultur den Raum einnimmt, der ihr gebührt. Das ist in Bottrop allgemein anders. An vielen Orten erinnert man sich - auch an die verfolgten und getöteten jüdischen Mitbürger während der nationalsozialistischen Diktatur. Das zeigte auch die Gedenktafel an das alte jüdische Bethaus, die im Jahr 2000 unter großer öffentlicher Beteiligung angebracht wurde. Das nachfolgende peinliche Gerangel um die Neuanbringung der Tafel an den vor sieben Jahren an der Stelle errichteten Neubau ist zum Glück vorbei.

Am Dienstag nehmen hoffentlich viele Bottroper Bürger an der Wiedereinweihung teil. Das wäre in unruhiger Zeit nicht nur ein Zeichen lebendigen Geschichtsbewusstseins, sondern zeigte auch den Wunsch in der Stadt nach friedlichem Zusammenhalt und einem Leben in gegenseitiger Achtung.

Dirk Aschendorf

Man einigte sich auf die dem alten Grundstück gegenüberliegende Seite der Tourneaustraße. In Höhe der Hausnummer 8 hat nun Künstler Guido Hofmann eine etwa 1,10 Meter hohe Stele aus Backstein errichtet. Auf der etwas geneigten Oberfläche mit dem Grundriss eines leicht verzerrten Davidsterns ist nun die Gedenktafel eingelassen.

Hofmann hatte für diesen Entwurf, den er in Abstimmung mit Stadt und zuständiger Synagogengemeinde schuf - und den die WAZ bereits vorstellte - bewusst auch Bezug auf die Materialien der Umgebung genommen. Vor der gleichmäßigen Backsteinbebauung der Häuser der alten „Gemeinnützigen Baugenossenschaft Eigenheim“ aus den 20er Jahren nimmt sich die Stele nicht wie ein Fremdkörper aus und fällt doch im Straßenraum auf.

Der Gehweg auf der anderen - der historisch korrekten - Seite, war für die Stele zu schmal. Nun steht sie dort, wo Pfingststurm „Ela“ einen Baum entwurzelte - und man den Ursprünglichen Ort des kleinen Bethauses direkt im Blick hat.

Geschützt werden Stele (und einparkende Autos gleichermaßen) demnächst von zwei schmiedeeisernen Pollern, wie sie auch am nahen Rathausplatz zu finden sind.

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2015-01-23 18:57
Bottrop