Gedenktafel kehrt nach sieben Jahren zurück

In eine Stein-Stele eingelassen: die Gedenktafel für das ehemalige jüdische Bethaus an der Tourneaustraße mit dem Künstler Guido Hofmann (l.) Heike Biskup (Stadtarchivarin) und Kulturamtsleiter Dieter Wollek.
In eine Stein-Stele eingelassen: die Gedenktafel für das ehemalige jüdische Bethaus an der Tourneaustraße mit dem Künstler Guido Hofmann (l.) Heike Biskup (Stadtarchivarin) und Kulturamtsleiter Dieter Wollek.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Bronzeplatte, die bis 2007 an das frühere jüdische Bethaus erinnerte, wurde später nicht mehr an den Neubau angebracht. Jetzt steht die Tafel wieder.

Bottrop..  Zehn Jahre ist es her, seit die Vereinten Nationen den 27. Januar als Gedenktag an den Holocaust einführten. An diesem Tag vor nunmehr 70 Jahren befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz, das wie kein anderes der vielen Nazi-Lager mit dem Versuch der Auslöschung der jüdischen Gemeinschaft durch Massenmord verbunden ist.

An diesem Tag, dem kommenden Dienstag, weihen Oberbürgermeister Bernd Tischler, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinden Gelsenkirchen-Bottrop-Gladbeck, Judith Neuwald-Tasbach und Rabbiner Chaim Kornblum die Gedenktafel an der Tourneaustraße ein, die an das frühere jüdische Bethaus dort erinnert.

Gutes Ende einer peinlichen Rangelei

Damit findet eine Diskussion, die im vergangenen Jahr auch von dieser Zeitung angestoßen wurde, doch noch ein rühmliches Ende. Die Gedenktafel, die bereits einmal im Jahr 2000 vom damaligen Oberbürgermeister Ernst Löchelt am Haus Tourneaustraße 11 angebracht worden war, war nach dem Abriss des Gebäudes 2007 in der Versenkung verschwunden (die WAZ berichtete). Zwar hatte die Stadt bereits auf ihre Kosten eine neue Bronzetafel mit leicht modifizierter Inschrift angefertigen lassen, doch auch die lagerte bei Anwohnern, da sich die neue Eigentümergemeinschaft nicht auf die Wiederanbringung der Tafel einigte, obwohl dies vom Bauherrn Heinrich Jockenhöfer damals zugesagt worden war.

Nach diesem peinlichen Gerangel nahm die Stadt - und da vor allem das Kulturamt - einen erneuten Anlauf, der Erinnerungskultur in Bottrop neben Worten auch Raum zu geben.

Man einigte sich auf die dem alten Grundstück gegenüberliegende Seite der Tourneaustraße. In Höhe der Hausnummer 8 hat nun Künstler Guido Hofmann eine etwa 1,10 Meter hohe Stele aus Backstein errichtet. Auf der etwas geneigten Oberfläche mit dem Grundriss eines leicht verzerrten Davidsterns ist nun die Gedenktafel eingelassen.

Hofmann hatte für diesen Entwurf, den er in Abstimmung mit Stadt und zuständiger Synagogengemeinde schuf - und den die WAZ bereits vorstellte - bewusst auch Bezug auf die Materialien der Umgebung genommen. Vor der gleichmäßigen Backsteinbebauung der Häuser der alten „Gemeinnützigen Baugenossenschaft Eigenheim“ aus den 20er Jahren nimmt sich die Stele nicht wie ein Fremdkörper aus und fällt doch im Straßenraum auf.

Der Gehweg auf der anderen - der historisch korrekten - Seite, war für die Stele zu schmal. Nun steht sie dort, wo Pfingststurm „Ela“ einen Baum entwurzelte - und man den Ursprünglichen Ort des kleinen Bethauses direkt im Blick hat.

Geschützt werden Stele (und einparkende Autos gleichermaßen) demnächst von zwei schmiedeeisernen Pollern, wie sie auch am nahen Rathausplatz zu finden sind.

Stadt ruft zur Teilnahme an Gedenkveranstaltung auf

Die Einweihung der neuen Stele mit der Gedenktafel für das ehemalige jüdische Bethaus an der Tourneaustraße findet am Dienstag, 27. Januar um 14 Uhr statt. Erwartet werden dazu Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler, die Vorsitzendende der jüdischen Kultusgemeinde Gelsenkirchen-Bottrop-Gladbeck, Judith Neuwald-Tasbach, und Rabbiner Chaim Kornblum. Künstler Guido Hofmann wird seinen Entwurf kurz erläutern. Musikalisch umrahmt wird die Feier, die etwa 45 Minuten dauert, von Paul Döing.

Es haben sich bereits Schulklassen angemeldet, zum Beispiel des Vestischen Gymnasiums Kirchhellen, des Heinrich-Heine-Gymnasiums, der Gustav-Heinemann-Realschule oder Kinder der Cyriakus-Grundschule. Da der Rabbiner das Gedächtnisgebet für die ermordeten Juden spricht, bittet man um das Tragen einer Kopfbedeckung.

Vor 1933 lebten gut 220 Menschen jüdischen Glaubens oder mit jüdischen Wurzeln in Bottrop. Heute hat die jüdische Gemeinde hier noch etwa 10 Mitglieder.