Gedenken an das Kriegsende vor 70 Jahren

Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren in Bottrop.
Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren in Bottrop.
Foto: Franz Naskrent
Was wir bereits wissen
Bottrop gedenkt am 8. Mai des Kriegsendes vor 70 Jahren. Initiative erinnert an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft sowie an die Flüchtlinge von damals und heute.

Bottrop..  Zahlen - und seien sie noch so hoch - können beeindrucken, nie jedoch berühren. Auch bei der Feier der 8. Mai-Initiative Bottrop in der Alten Börse und vor dem Rathaus zum Gedenken an das offizielle Ende des Zweiten Weltkriegs vor nunmehr 70 Jahren standen persönliche Schicksale und einzelne Menschen im Vordergrund.

Flüchtlinge und Vertriebene, Opfer von Regimen, Rassenwahn, religiöser oder ethnischer Diskriminierung, Katastrophen oder wirtschaftlicher Ungerechtigkeit: Die Ursachen sind gleich, heute wie damals. Diesen Bogen schlug auch Oberbürgermeister Bernd Tischler in seiner Rede, die - wie Klaus Lange von der Bottroper Inititative richtig bemerkte - mehr als nur ein Grußwort war. „Der 8. Mai 1945 öffnete die Tür in eine andere, bessere Zukunft“, so Tischler, auch wenn damals davon noch nicht auszugehen war.

Schweigeminute an der Gedenktafel

Angesichts 780 bereits in Bottrop lebender Flüchtlinge, deren Zahl wohl noch um 400 bis 500 im Laufe des Jahres wachsen werde, sagte Tischler, dass es an uns allen liege, ob diese Menschen sich hier wohl fühlen und einleben. „Wir können keinen Schlussstrich unter unsere Vergangenheit ziehen, sie erreicht uns immer wieder aufs Neue.“ Ein Satz, mit dem das Stadtoberhaupt aktuelles Handeln aus historischer Verantwortung heraus zur Maxime macht.

Demgegenüber wirkte die Gastrede Bernd Bracks vom Essener Flüchtlingsrat und Pro Asyl trotz anfänglicher Faktenhäufung und eines Exkurses zur Entwicklung der bundesdeutschen Asylgesetzgebung eher wie politische Stimmungsmache. Von neuem deutschen Größenwahn und indirekter Kriegstreiberei durch die Minister Steinmeier, von der Leyen oder Bundespräsident Joachim Gauck war die Rede, was bei einigen im Saal zumindest Befremden auslöste. Vertreten waren Politiker aller Parteien, Mitglieder unterschiedlicher Vereine, Bürgerinnen und Bürger jeglicher Couleur, darunter auch ehemalige Flüchtlinge aus Guinea, die inzwischen eingebürgert in Bottrop leben und in der Region arbeiten.

Jörg Wingold (DKP) erinnerte zum Beispiel an das Schicksal des Bottroper Juden Joseph Dortort, dessen Familie von der Kirchhellener Straße stammte und dem es gelang, mit Hilfe anderer der Nazi-Gewalt zu entkommen. Stadtarchivarin Heike Biskup nannte vor der Schweigeminute für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft exemplarisch Bottroper Mitbürger, die zwischen 1933 und 1945 verfolgt und ermordet wurden. Am Ende legen alle, auch Flüchtlinge von damals und heute, Blumen nieder. Eine Tradition, die in dieser Stadt nicht abbrechen sollte.