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Gavin fehlte am Ende die Kraft

16.01.2013 | 10:00 Uhr
Gavin fehlte am Ende die Kraft

Bottrop. Gavin Kulla ist tot. Der 23-Jährige, der seit einem Unfall 2002 unter einem schweren Schädel-Hirn-Trauma litt, starb vor wenigen Tagen im Knappschaftskrankenhaus. Dort wurde er in lebensbedrohlichem Zustand eingeliefert und wegen heftiger Krampfanfälle behandelt, die ihrem Sohn in den letzten Jahren immer häufiger zugesetzt haten, erklärt die Mutter Marita Kulla.

Betreuung

Den Lesern der WAZ war der Name Gavin Kulla vertraut. Wenige Monate nach seinem Unfall im Mai 2002 berichtete die Lokalredaktion Bottrop erstmals über das Schicksal des damals 13-jährigen Schülers, der bei einem Radausflug mit ungeschütztem Kopf auf das Dach eines fahrenden Pkw geprallt war. Dieses gewaltsame Ereignis verwandelte den gesunden Gavin in einen Pflegefall, der rund um die Uhr betreut werden musste. Für seine Eltern und die Schwester begann ein neuer Lebensabschnitt, den sie der Aufgabe unterordneten, ihren hirngeschädigten Sohn zu Hause zu pflegen und - soweit möglich - ins Leben zurück zu holen. Diesen Weg zu gehen, hat alle Beteiligten enorm viel Kraft gekostet; die WAZ hat die Entwicklung in jährlichem Abstand nachgezeichnet.

Hoffnung

Vor allem in den ersten Jahren war viel Hoffnungsvolles zu berichten über den jungen Wachkoma-Patienten, der im Mai 2003 aus der Reha-Klinik nach Hause entlassen wurde. Gavin reagierte auf seine Umwelt, er ließ sie Freude und Ärger spüren, er machte dank intensiver Therapien Fortschritte und lernte unendlich viel: Zu stehen, zu gehen, seinen Darm zu kontrollieren, beim Essen die Gabel zu benutzen, die ihm seine Mutter aus einem Fahrradlenker gebastelt hatte. Doch der allmähliche Zugewinn an Selbstständigkeit konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Gavin rund um die Uhr auf Betreuung angewiesen war und blieb. Ihn zu pflegen, führte die Angehörigen auch an Belastungsgrenzen. Die Ehe seiner Eltern zerbrach; in den letzten Jahren blieb es Marita Kulla überlassen, ihren Sohn zu pflegen.

Die Verschlechterung seines Zustands begann, berichtet die Mutter, bereits vor einiger Zeit mit einer Zahnoperation - Kronen sollten den durch ständiges Zähneknirschen abgenutzten Zahnschmelz in Gavins Kiefer schützen. Dabei stellte sich heraus, dass ein Zahn vereitert war, der in der Folge Komplikationen auslöste. „Anschließend kam er nicht mehr richtig auf die Beine“, sagt Marita Kulla rückblickend. Häufiger als in den ersten Jahren stellten sich bei Gavin Epilepsie-ähnliche Krampfanfälle ein. Die letzte Attacke überstieg Gavins Kräfte. Marita Kulla deutet es so, dass ihr Sohn den Kampf aufgegeben hat, der bei seinem Radunfall 2002 begann. Er wurde gestern in Bottrop beigesetzt.

Von Marie-Luise Schmand

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