Ganz Bottrop ist jeck
15.02.2010 | 14:02 Uhr 2010-02-15T14:02:00+0100
Bottrop. Zwei Themen zogen sich wie ein roter Faden durch den Rosenmontagszug: Das Revier ist Kulturhauptstadt, die Kommune knapp bei Kasse. Not lehrt Beten - und Betteln: Oberbürgermeister Bernd Tischler mischte sich als Mönch in grauer Kutte unter die Zuschauer und bat mit der Sammelbüchse in der Hand um eine Spende für das leere Stadtsäckel. Einige Zuschauer erbarmten sich und gaben ein paar Cents - man darf gespannt sein, unter welchem Posten Einnahmen dieser Art verbucht werden.
Welche Sorgen noch auf die Stadtspitze zukommen, führte die KG 13 allen Bottropern vor Augen: Die hellsichtigen Narren setzten einen Motivwagen als gespenstisches Hansazentrum in Szene. „Der Putz fällt ab, Wasser dringt ein, einkaufen will hier doch kein Schwein.“ Schöne Aussichten.
Auch der Damenriege, die unter dem Namen „Grüne Wiesen“ auftraten, schwant mit Blick in die Zukunft nichts Gutes: „Wo dieses Jahr Kulturhauptstadt blüht, 2011 der Spargeier fliegt.“
Tapfer trotzten die Akteure auf den Wagen der Kälte und ließen mit klammen Fingern die begehrten Kamelle auf das Publikum herab regnen. Manches Tanzmariechen trug lange Strümpfe, Prinzessin Sigrid I. ließ sich vom Pelzmantel wärmen. Das Stadtprinzenpaar „rollte“ standesgemäß in einer vierspännigen Kutsche am närrischen Fußvolk vorüber. Im Vorteil waren nicht zum ersten Mal zur fünften Jahreszeit alle Karnevalisten, deren großzügig geschnittene Kostüme reichlich Spielraum ließen für zusätzliche Kleidungsstücke. Davon profitieren die Blaukittel der Plattdütschen, aber auch die Kolpingsfamilie aus der Boy mit orangefarbenen Umhängen.
Sie nahmen die Strukturreform aufs Korn, mit der die katholische Kirche ihre Zukunft sichern will: Auf ihrem Wagen schwebte drohend ein Hammer über einem Gotteshaus mit dem Baujahr 1958 - das Gründungsjahr des Bistums Essen.
Wer noch nicht vom närrischen Erreger infiziert war oder eine Auffrischung brauchte, wurde prompt bedient. Die KG Boyer Narren bot sich mit einer Riesenspritze als Impfstation für den Karnevals-Virus an. Es gibt schlimmere Erkrankungen - mit Kostümen in Schweinchenrosa und Plüschferkeln spielten die Jecken auf die Schweinegrippe an.
Punkt 11.52 Uhr rollten die ersten Wagen der Ziellinie entgegen: Auf der Kirchhellener Straße kurz hinter dem Rathaus kletterten die Narren von ihren fantasievoll geschmückten Wagen. Doch die Party war zu diesem Zeitpunkt natürlich noch längst nicht beendet: Auf der Bühne am Rathausplatz trudelten kurz später die ersten Karnevalisten ein, während vom Rathausbalkon aus schon zahlreiche Jecken ihre neuen „Untertanen“ mit viel Helau und gewaltigen Kanonenschüssen begrüßten.
Kurz bevor der Rathausschüssel symbolisch an die Narren übergeben wurde und die Stadtverwaltung die weiße Fahne zum Zeichen der Aufgabe hisste, gab es ein tolles Bild: Das Prinzenpaar August I. und Sigrid I. zeigte sich dem Narrenvolk, indem es meterhoch in einem Hubsteiger über der jubelnden Menschenmenge schwebte. Darauf ein dreifaches „Bottrop, helau!“
23:18
Vertan, vertan der Kommentar steht unter im Westen/ Politik und dem Titel Jeck in Bottrop.
23:11
Merkwürdig.
Im Westen Ist unter dem Titel, Bottrop ist jeck, ein Kommentar zu diesem Artikel zu lesen.