Fundgrube für Familienforscher

Eine Fundgrube für Familienforscher: So bewirbt jedenfalls die evangelische Landeskirche Westfalen, zu der auch Bottrop gehört, das neue Internetprotal www.archion.de. Ab sofort ist das neue Kirchenbuchportal im Internet freigeschaltet - und verspricht einen wahren Schatz für historisch Interessierte. Wer nach seinen Vorfahren sucht, braucht ab sofort keine alten Kirchenbücher mehr zu wälzen oder mit den kleinen Mikrofiche-Folien zu hantieren, die man noch aus den Bibliotheken bis in die 90er Jahre hinein kannte.

Zwar ist das Portal nicht kostenfrei. Aber der Nutzer kann sich vorab über die Inhalte informieren. Erste Enttäuschung: Die Kirchenbücher - oder wie es korrekt heißt: Amtshandlungsbücher von Bottrop, das heißt aus dem gesamten Kirchenkreis Bottrop-Gladbeck-Dorsten, sind nicht zu finden. Wann die Digitalisierung kommen wird, darüber konnte auch der Sprecher des Kirchenkreises, Werner Bugzel, noch keine Angaben machen.

In der alten Originalschrift

Überhaupt scheint das Ruhrgebiet bei der ersten Suche auf der Archion-Seite eher schwach vertreten. Dortmund war zu finden. Aber selbst Essen, dessen Altstadt im Gegensatz zum umgebenden katholischen Stiftsgebiet seit dem 16. Jahrhundert gut zur Hälfte protestantisch war, ist auch noch nicht vertreten. Dafür ist Bochum wieder dabei. Das traditionell evangelische Duisburg wiederum nicht. Die benachbarte rheinische Landeskirche scheint also gegenüber den Westfalen nachzuhinken.

Das gebührenpflichtige Portal wird von der Evangelischen Kirche in Deutschland und bislang elf der 20 evangelischen Landeskirchen getragen, darunter der westfälischen Landeskirche. Ähnlich wie bei staatlichen Kommunen gehört es auch zur Pflicht der evangelischen Kirche, Zeugnisse der Vergangenheit, wie Archive und Kirchenbücher, zu erhalten und für die Forschung zur Verfügung zu stellen. Für Werner Bugzel tut sich allerdings neben der zunächst noch lückenhaften Digitalisierung eine weitere Schwierigkeit auf. Kirchenbücher, die evangelischerseits in Bottrop erst mit dem Zuzug von Protestanten in den neu gegründeten Gemeinden im 19. Jahrhundert geführt werden, sind anfangs in Sütterlin geschrieben. „Die alten Seiten werden natürlich nicht übertragen, sondern im Original in das Portal gestellt, man muss sie also lesen können“, so Bugzel.

Die Kirchenbücher gelten auch nach Einführung der staatlichen Standesämter im 19. Jahrhundert als eine zentrale Quelle für die Familienforschung. In Bottrop trifft sich regelmäßig auf Initiative von Stadtarchiv und Historischer Gesellschaft ein Familienforscherkreis im Malakoffturm.

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