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Friedhofsbesucher ärgern sich über verwilderte Gräber

20.07.2012 | 19:20 Uhr
Friedhofsbesucher ärgern sich über verwilderte Gräber
Der Kontrast fällt auf – neben den gepflegten Gräbern gibt es zahlreiche, verwahrloste, die Heimstätte für Unkraut alle Art sind. Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool

  Immer mehr Gräber auf den Bottroper Friedhöfen werden nicht mehr gepflegt. Für Friedhofsbesucher aber auch für die Friedhofsverwaltung ist das ein Problem. Denn es ist schwierig, mit den Verantwortlichen in Kontakt zu kommen. In extremen Fällen wird die Grabfläche sogar entzogen.

Heinrich Wasseveld hat recht: Schön sieht es hier auf diesem Gräberfeld des Nordfriedhofs nicht aus. Einzelne Gräber, wie das seiner Mutter, sind zwar topp gepflegt, auf anderen wuchert dagegen das Unkraut so wild, dass Leuchten, Platten oder gar Grabsteine schon nicht mehr zu erkennen sind. Stellenweise erinnert es tatsächlich eher an eine Weidefläche als an einen Friedhof. Das ärgert den 58-Jährigen. Denn inzwischen sind nicht nur die ungepflegten Grabflächen überwuchert, auch auf die schmalen Wege zwischen den Einzelgräbern hat der Wildwuchs übergegriffen.

Mehr Arbeit für Angehörige

Den Einsatz einer „Motorsense“ wünscht sich der WAZ-Leser, um das Grabfeld wieder auf Vordermann zu bringen. Eine weitere Friedhofsbesucherin schließt sich diesem Wunsch an. Schließlich bedeuteten die ungepflegten Flecken auch mehr Arbeit für diejenigen, die die Ruhestätten ihrer Angehörigen regelmäßig säubern, harken und in Schuss halten.

Doch wie sieht das aus? Darf die Friedhofsverwaltung so einfach die Sense schwingen? Denn eigentlich sind die Mitarbeiter des Grünflächenamts doch nur für Instandhaltung der Wege und Grünflächen auf dem Friedhof zuständig. Für das einzelne Grab sind es jedoch die Angehörigen der Toten. Und genau das sei vielfach ein Problem, sagt Helmut Lüchtefeld, Gartenbautechniker beim Grünflächenamt. Seien die Gräber bis vor einigen Jahren noch über den Zeitraum von 25 Jahren regelmäßig gepflegt worden, so sei das heute anders. „Wir beobachten, dass nach acht bis zehn Jahren die Pflege nachlässt.“ Die Gründe dafür sind vielfältig: Menschen sind gesundheitlich nicht mehr in der Lage, weil sie selbst alt werden, es gibt schlicht keine Angehörigen mehr oder aber die, die es noch gibt, wohnen weit entfernt. Das Ergebnis sind verwahrloste Gräber, die auch die Friedhofsverwaltung stören.

39 Mitarbeiter für 66 Hektar Friedhofsfläche

Es gibt in Bottrop acht städtische Friedhöfe mit einer Gesamtfläche von rund 66 Hektar. Das macht insgesamt rund 42 000 Grabstätten, von denen rund 36 000 belegt sind. Für diesen Bestand sind 39 Mitarbeiter zuständig, darunter fünf Reinigungskräfte, die für die Trauerhallen zuständig sind. „Die Mitarbeiter sind außerdem auch noch für die Bestattungen zuständig“, erläutert Theo Köller, Sachbearbeiter bei der Friedhofsverwaltung. Denn das Öffnen und Zuschütten der Gräber ist auch Aufgabe der Stadt. Und diese Arbeit habe selbstverständlich Vorrang vor allen anderen Tätigkeiten.

Wird ein Grab vorzeitig zurück gegeben, wird dort Wiese eingesät. Foto: Birgit Schweizer

Trotzdem bemühen sich die Verantwortlichen, verwahrloste Flächen instand zu setzen und mit den Besitzern der Gräber ins Gespräch zu kommen. „Meist werden wir von anderen Besuchern auf den Zustand einzelner Gräber hingewiesen“, so Köller. Eine Notiz auf dem Grab fordert die Verantwortlichen dann auf, sich bei der Friedhofsverwaltung zu melden. Bleibt das wirkungslos, schreibt das Amt die Betroffenen an. Aber auch das sei mühsam, meint Köller. „Adressänderungen erfahren wir oft gar nicht.“

Sind all diese Bemühungen erfolglos, könne die Verwaltung einen „Entziehungsprozess“ einleiten. Das sei meist nach zwei bis drei Jahren der Fall. Dann wird öffentlich bekannt gemacht, dass das Grab abgeräumt wird. Pflanzen, Platten und Leuchten werden entfernt, es wird Wiese eingesät. „Den Grabstein lassen wir meist noch ein Jahr lang stehen, dann wird auch der abgeräumt.“

Ruhefristen müssen eingehalten werden

Es bleiben Wiesenflächen, die die Stadt dann pflegen muss. Denn das Grab kann nicht erneut vergeben werden, die Ruhefrist von 25 Jahren beziehungsweise 30 auf dem Parkfriedhof muss gewahrt bleiben. Regelmäßig kommt es zusätzlich noch zu „vorzeitigen Rückgaben“. 400 bis 800 Mal im Jahr melden sich Angehörige und geben Grabflächen auf. Sie werden abgeräumt, Wiese wird eingesät, und die Angehörigen zahlen im Jahr rund 72 Euro für die Instandhaltung. So erklären sich auch die zahlreichen Wiesenflächen zwischen einzelnen Gruften.

Matthias Düngelhoff


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