Freie Angebote öffnen Kindern in Bottrop neue Wege

Jasmin Houli achtet darauf, dass (v.l.) Tugba (10 ), Yunus (8) und Emre (8) ihre Hausaufgaben machen in der OGS der Gerundschule in Welheim.
Jasmin Houli achtet darauf, dass (v.l.) Tugba (10 ), Yunus (8) und Emre (8) ihre Hausaufgaben machen in der OGS der Gerundschule in Welheim.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Evangelische Kirche betreut in Bottrop rund 1500 Kinder im Offenen Ganztag. Förderung der Schülern ist eines der Ziele im pädagogischen Konzept.

Bottrop..  Als 2001 die Ergebnisse der ersten Pisa-Studie veröffentlicht wurden, fielen Politiker und Bildungsminister aus allen Wolken, blieben doch die deutschen Ergebnisse weit hinter den Erwartungen zurück. Man entwickelte hektische Betriebsamkeit und eine der Maßnahmen, die ersonnen wurden, war der Ausbau von Ganztagsschulen. Weil aber das Geld fehlte, entstanden nicht etwa flächendeckend gebundene Ganztagsschulen, sondern offene, die bei ihrem Start viel von einem Provisorium an sich hatten. Doch schon längst schreiben die Offenen Ganztagsschulen (OGS) Erfolgsgeschichte mit pädagogischen Konzepten und hauptamtlichem Personal. Und ohne OGS wären viele Familien aufgeschmissen.

In Bottrop eröffnete die evangelische Kirche 2003 die erste OGS an der Fürstenbergschule. Inzwischen gibt es mit Stefanie Reich eine Koordinatorin und Jasmin Houli, selber OGS-Leiterin, kümmert sich um Alltag und Teams. An 14 Schulen ist die Kirche tätig, betreut rund 1500 Kinder, etwa 50 mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Rund 120 Mitarbeiter sind im Einsatz, fest angestellt mit Vollzeit oder Teilzeitstellen, auch 450-Euro-Kräfte. Es sind Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen, aber auch Mitarbeiter aus anderen Berufen darunter.

„Es wird eng, aber noch haben wir keinen Aufnahmestopp“, erklärt Stefanie Reich. Einige Schulen wollen die Aufnahme inzwischen aber begrenzen, denn die OGS haben überall enormen Zulauf: An der Nikolaus-Groß-Schule etwa war sie für 75 Kinder geplant, jetzt gibt es 239.

Schon längst wird an den Standorten nicht mehr nur in eigenen Räumen gearbeitet: „Wir nutzen das gesamte Schulgebäude, die Klassenräume, die Aula, die Turnhalle.“ Besonders glücklich ist Stefanie Reich über das Modell an der Richard-Wagner-Schule. Da geht die OGS über drei Etagen. Unter dem Dach wurde die ehemalige Hausmeisterwohnung umfunktioniert. Oft gibt es multifunktionales Mobiliar, das schnell zusammengeklappt und wegräumt werden kann.

Monatlicher Elternbeitrag ist gering

Was Stefanie Reich besonders gefällt, ist, dass die Bottroper Politik von Anfang entschieden hat, allen Kindern die Chance zum Besuch des Offenen Ganztags zu geben. Deshalb ist der Elternbeitrag mit 50 Euro pro Monat bescheiden.

„Wir wollen den Kindern Wege öffnen“, erklärt sie. Auch für die aus bildungsfernen Familien soll sich die ganze Palette der Möglichkeiten auftun. Jasmin Houli nennt als Beispiel die Junge Kirche in Welheim, wo man klettern kann, anderswo gibt es gibt Tennis und Schwimmen oder AG’s mit Künstlern. „Wir organisieren Aktivitäten, die Körper und Geist gut tun“, sagt Reich. An Angeboten mangelt es nicht. Viele Vereine sind froh, so noch an Nachwuchs zu kommen.

Für vieles gibt es Geld aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT), beispielsweise Einzelförderung für Kinder von Hilfeempfängern. Überall werden Hausaufgaben gemacht, Lernschwächere bekommen Unterstützung, alles in enger Kooperation mit den Schulen: „Wir verstehen uns als deren Partner“, erklärt Reich.

Den Offene Ganztag sieht sie angesichts der vorhandenen Ressourcen als gute Antwort auf Pisa: Hilfe für berufstätige Eltern und Schüler mit Förderbedarf und ein Ort an dem Kinder Freunde treffen und Spaß haben können.

2489 Kinder besuchen die Offene Ganztagsschule

2489 Schülerinnen und Schüler der Grund- und Förderschulen in Bottrop besuchten in dem gerade zu Ende gegangenen Schuljahr nach Schulschluss den Offenen Ganztag (OGS) an ihrer Schule. Das sind rund 62 Prozent aller Bottroper Grund- und Förderschüler. Nimmt man nur die Bottroper Grundschulen, so sind bereits 63,8 Prozent aller Kinder auch in der OGS angemeldet.

Es gibt übrigens 20 OGS an insgesamt 24 Grundschul-Standorten und zwei an Förderschulen. An 15 davon ist die evangelische Kirche Träger, an zehn die Awo, an jeweils einem DRK und die AG Soziale Brennpunkte.

Stadt und Land lassen sich die Offene Ganztagsschule eine Menge Geld kosten, verrät Daniela Bockholt. Sie ist im Rathaus die zuständige Sachgebietsleiterin. Rund 4,5 Millionen Euro waren es im vergangenen Schuljahr. Etwa 0,8 Millionen kamen davon aus dem Etat der Stadt Bottrop, rund 1,12 Millionen Euro kamen über die Beiträge der Eltern rein. Den dicksten Batzen steuerte das Land mit rund 2,6 Millionen Euro bei.

Das Land zahlt einen pro-Kopf-Zuschuss von 965 Euro pro Kind und Jahr und 1946 Euro als erhöhten Zuschuss für Kinder mit anerkanntem sozialpädagogischem Förderbedarf. Den gibt es bei insgesamt 130 Schülern. Zusätzlich zahlt das Land auch Pauschalen für die Über-Mittag-Betreuung an den Schulen bis 13 Uhr.

Bei den Elternbeiträgen ist die Stadt Bottrop ausgesprochen moderat. Die Politik habe schon vor Jahren beschlossen, die Beiträge so niedrig zu halten, dass auch Kinder aus Familien mit geringem Einkommen daran teilnehmen können, erklärt Daniela Bockholt. Im neuen Schuljahr erhöht sich der Elternbeitrag von bisher 40 auf dann 50 Euro, für jedes weitere Kind der Familie entfällt er. Für die Empfänger von Transferleistungen werden die Elternbeiträge im kommenden Schuljahr von bisher 25 auf dann 20 Euro gesenkt. Das hat der Schulausschuss im vergangenen Monat noch beschlossen. Ab dem neuen Schuljahr könnte die Stadt Bottrop nach den gesetzlichen Regelungen sogar 170 (bisher 150) Euro Elternbeitrag monatlich verlangen.