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Frauenhaus Bottrop: Immer mehr Frauen sind Opfer von Gewalt

12.01.2016 | 17:37 Uhr
Frauenhaus Bottrop: Immer mehr Frauen sind Opfer von Gewalt
Häusliche Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und zieht sich durch alle sozialen Schichten.Foto: Ute Gabriel

Bottrop.   Sie flüchten vor körperlicher und sexueller Gewalt. Im Frauenhaus finden Frauen und ihre minderjährigen Kinder Hilfe und Schutz.

Jahrelange Erniedrigungen, Schläge, Tritte, Missbrauch, Psychoterror und Schmerzen. Die Leidensspirale von Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, kennt keine Grenzen. „Gewalt ist nach wie vor ein Thema und die Zahl der Frauen und Kinder, die Hilfe und Schutz suchen, steigt seit Jahren“, stellt Doris van Kemenade, Leiterin der Abteilung Soziale Dienste bei der Arbeiterwohlfahrt, fest. So verzeichnete das Frauenhaus Bottrop 6124 Übernachtungen im vergangenen Jahr - 1026 mehr als im Jahr 2010. Die Belegung des Bottroper Frauenhauses stieg gleichzeitig von 78 auf 93 Prozent.

Probleme beschränken sich nicht auf häusliche Gewalt

Unabhängig von Nationalität, Alter und Konfession finden die Frauen und ihre minderjährigen Kinder Schutz im Frauenhaus. 18 Plätze stehen zur Verfügung. „Auffallend ist, dass die Frauen inzwischen wesentlich länger bleiben als noch vor einigen Jahren“, so van Kemenade und erläutert: „Die Probleme der Frauen beschränken sich nicht nur auf die häusliche Gewalt selbst, sondern sind sehr vielschichtig geworden.“ Sucht, Überschuldung oder Probleme mit den Kindern seien Beispiele dafür und erschweren die Situation der Frauen zusätzlich.

Einst hat es mit Liebe angefangen, doch dann wird daraus Gewalt. Weitere Probleme türmen sich auf. Und viel zu lange verharren die Frauen in ihrer Situation - der Berg scheint unüberwindbar, die Verzweiflung ist groß. „Wichtig ist jedoch gerade der erste Schritt“, ermutigt Doris van Kemenade. „Es ist wichtig, sich zunächst der Gewalt zu entziehen, die einzelnen Probleme sind dann nach und nach anzugehen.“ Grundsätzlich stehen die Frauen, haben sie erstmal Schutz im Frauenhaus gesucht, ja nicht alleine da. „Fachkräfte helfen ihnen und ihren Kindern, sich zu erholen, sich zu stabilisieren, sich auf ihre Stärken zu besinnen und Lösungen zu finden.“

Unterbringung weit weg vom Wohnort

Das Bottroper Frauenhaus ist eines von vielen bundesweit und die Frauen, die hier Schutz finden, kommen aus der gesamten Bundesrepublik. Die wohnortentfernte Unterbringung bringt zusätzlichen Schutz. „Meist haben die Frauen nichts dabei, wenn sie kommen“, so van Kemenade und rät: „Wichtig ist, dass sie sich und die Pässe für sich und die Kinder dabeihaben, alles andere findet sich.“

Im Frauenhaus können Frauen und Kinder erst mal zur Ruhe kommen. „Stepp by Stepp schauen wir dann, wie sich die individuelle Situation klären lässt und welche Schritte notwendig sind“, so Doris van Kemenade. „Die meisten Frauen sind traumatisiert, stehen vordem Nichts und müssen erst mal Halt finden.“ Das dauere ein bisschen und die Frauen müssten auch etwas Geduld mit sich selbst haben. Die Betreuung erfolge ganzheitlich, damit sich nach und nach wieder eine Balance einstelle.

Wichtig sei von Anfang an ein regelmäßiger Tagesablauf. Daher sollen die Kinder Kitas oder Schulen besuchen. Die Mitarbeiter helfen den Frauen in Zusammenarbeit mit anderen Kooperationspartnern bei allen Problemen, bei Behördengängen und bei der Wohnungssuche. Gemeinsame Aktivitäten wie gemeinsames Kochen, Feste feiern und Ausflüge bringen wieder Spaß in den Alltag. „Grundsätzlich gilt es aber, die Frauen und Kinder nicht zu überfrachten, sondern da abzuholen, wo sie stehen.“

Das Frauenhaus ist Tag und Nacht erreichbar unter Tel.: 409203

Andrea Kleemann

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